BLKÖ:Bärenhart, Rudolph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 116. (Quelle)
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Bärenhart, Rudolph (Bildhauer geb. zu Karlsburg in Siebenbürgen 1814, gest. in München 1835). Erhielt den ersten Unterricht zu Zuckmantel in Böhmen, Leitmeritzer Kreis, wohin sein Vater als österr. Soldat beordert worden. Trotz der schon im Knaben sich kundgebenden Anlage zur Bildnerei, mußte Rudolph zu einem Steinschleifer in die Lehre, und kam mit 11 Jahren nach Wien. Eines Tages besuchte der Knabe das Antikencabinet der Akademie und sein Loos war geworfen, der Steinschleiferei sagte er Lebewohl und suchte Aufnahme bei einem Bildhauer, die er bald fand. Da er aber erst nach 2 Monaten in seinen neuen Dienst eintreten konnte, that er mittlerweile Aufwärterdienste in einem Wirthshause. Im Dienste des Bildhauers zersplitterte B. sein schönes Talent mit Holzschnitzereien; er trat nun als Geschirrarbeiter in die kais. Porzellanfabrik. Aber auch hier gingen seine Wünsche nicht in Erfüllung. Nun erst trat er in die Akademie. Ohne Freunde, ohne Unterstützung kämpfte der Genius, wie gewöhnlich, mit bitterem Mangel, mit Krankheit. C. Kandler, Cassencontrollor in der k. Porzellanfabrik, nahm sich des Kranken an, reichte ihm hilfreiche Unterstützung und förderte den Genesenen in seinem Streben, die Bildhauerkunst zu erlernen. Sein erstes Werk: „Gruppe aus der Sündfluth,“ halbe Lebensgröße in Gyps geformt, wurde 1833 vollendet. Dasselbe befindet sich nunmehr im Palais des Grafen Palffy in Hernals. Sein zweites Werk ist die im Jahre 1834 vielbewunderte mythol. Figurengruppe „Bachus und Ariadne,“ 9 Schuh hoch aus Gyps; Ariadne im Schmerze über des Theseus Treulosigkeit will sich in’s Meer stürzen, wird aber von Dyonisos, der sie liebt, zurückgehalten. Zur Ausarbeitung hat B. 118 Zentner Gyps verwendet, die Gruppe selbst ist 50 Zentner schwer. Der Künstler hatte das Urbild seiner Darstellung lediglich aus seiner Einbildungskraft geschöpft und ein Seitenstück zu Dannekers Ariadne, ganz im Geiste der griechischen Antike ausgeführt, aber um dessen Vollendung zu erreichen, alle nur denkbaren Entbehrungen und Qualen der Noth erduldet. Von nun an hatte sich die Lage des Künstlers gebessert; diese Arbeit hatte die allgemeine Aufmerksamkeit auf seinen Genius gerichtet und alsbald erhielt er den Auftrag, für die Kirche in der Vorstadt Schottenfeld zu Wien einen colossalen „Christus am Kreuze“ aus Stein zu verfertigen. Im Jahre 1835, nachdem B. in der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Sophie eine gnädige Unterstützerin gefunden, begab er sich nach München, wo er sich allgemeiner Theilnahme zu erfreuen hatte. Daselbst arbeitete er an einem „Monument für weiland Se. Maj. Kaiser Franz I.“ nach einer Idee, welche von allen frühern [117] Behandlungen dieses Stoffes abweicht, und sich rein auf die Persönlichkeit des Kaisers stützte. Der Kaiser ist als Friedensgeber aufgefaßt; Austria sehnsuchtsvoll emporblickend, schmachtet nach der Friedenspalme, welche der Monarch, mit seiner Rechten die Kniende aufrichtend, mit der Linken ihr darreicht. Auf vier kleinen Piedestalen an den vier Ecken des Hauptpostamentes befinden sich die vier allegorischen Figuren der Religion, Weisheit, Gerechtigkeit und Beharrlichkeit. Auf der Vorderseite des Piedestals befindet sich Clio, die den Namen des Kaisers auf den Stein der Ewigkeit zeichnet. Dieses Modell erfreute sich allgemeiner Anerkennung; Künstler wie Cornelius und Rauch besuchten B. in seinem Atelier und priesen sein Werk. Es war ihm leider nicht vorbehalten, sein Vorhaben, mit dem Modell nach Wien zu reisen, auszuführen, denn als bald darauf die Cholera in München ausbrach, wurde B. ein Opfer derselben. Von andern Arbeiten B.’s ist nichts bekannt geworden als sein vollendetes Modell: „Die triumphirende Venus“ ein schönes Zeugniß der Originalität und Schöpfungskraft des Künstlers.

Allgem. Theaterzeitung von Bäuerle 27. Jahrg. (Wien 1834), Nr. 240: „Biographische Skizze“ von Metzger – Ebenda 28. Jahrg. (Wien 1835), Nr. 78, S. 312. Nr. 105, S. 419 – u. Nr. 139, S. 555; Nr. 147, S. 587; – „Feierstunden“ (Ein Wiener Blatt) vom 30. März 1835.