BLKÖ:Barco, Joseph Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 155. (Quelle)
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Barco, Joseph Freiherr von (Feldmarschalllieutenant, Mar. Theresienordensritter, geb. zu Wien 1. Aug. 1798[1]). Trat 1813 als Lieutenant in’s Husaren-Reg. Kienmayer ein, machte noch die letzten Feldzüge gegen Frankreich mit, ward dann Oberlieutenant, Adjutant (1820–25), Rittmeister (1827), Escadrons-Commandant (1831), dann Major (1838), Oberstlieutenant (1842), Oberst u. Regimentscommandant (1844) im Regimente, dem er vor 31 Jahren als Unterlieutenant angehört hatte. Im J. 1848 verhinderte bei den bedrohlichen Vorgängen in Lemberg sein energisches Auftreten, seine imponirende Ruhe u. Mäßigung den unausbleiblich scheinenden blutigen Conflict. Die ferneren Bestrebungen der Umsturzpartei, einzelne Theile des Militärs zum Treubruche zu verleiten, vereitelte B. durch sein rasches Einschreiten. Sein Verhalten gegenüber diesen Umtrieben brachte ihn selbst in Gefahr, und öffentlich angeschlagene Placate sprachen von Attentaten gegen sein Leben. Zu Ende des Jahres 1848 organisirte B. einen Landsturm, und brachte in 6 Kreisen während der bewegtesten Zeit 80,000 Mann zusammen. Am 16. Dec. avancirte er zum Gen. Major und erhielt den Auftrag, die Landesgränze südlich von Stry gegen Ungarn zu vertheidigen, wo er nach dem siegreichen Kampfe bei Novoselica den bisherigen oftmaligen Angriffen des Feindes ein Ende machte. Mittlerweile mußte er den Schauplatz seiner Thätigkeit nach Ungarn selbst verlegen. Auf seinem Marsche nach Kaschau hatte er mit der Natur, mit Terrainhindernissen und feindlichen Anfällen zu kämpfen. Nachdem seine mit Umsicht entworfenen Operationen gegen Munkács nicht den gewünschten Erfolg hatten, marschirte B. im Mai 1849 über Sandec nach Seipusch, um dann die ungar. Gränze abermals zu überschreiten und den Jablunkapaß und die Waagübergangspuncte zu decken. Da war nun noch ein anderer Feind in seine Brigade eingebrochen – die Cholera. Sie wüthete furchtbar. B. selbst ward von ihr ergriffen, machte aber gleichwohl, todtkrank und zum Sterben bereit, einen verzweifelten Marsch mitten durch die Feinde. Wunderbarer Weise genas er. Am 11. Juli 1849 machte er als Freiwilliger die Schlacht bei Komorn mit. Als die Cholera wieder ausbrach, erbat sich B. die Erlaubniß, die Choleraspitäler errichten und überwachen zu dürfen. Zuletzt zeichnete sich seine Brigade noch am 3. Aug. vor Komorn aus, wo der Feind einen heftigen Ausfall mit überlegener Streitkraft machte. Im Oct. 1849 ward [156] er Cavallerie-Brigadier in Olmütz, mit der Weisung, die Organisirung der Husaren energisch zu betreiben. Zu gleicher Zeit ward ihm das Ritterkreuz des Mar. Theresienordens, später das Großkreuz des russ. Stanislaus-Ordens zu Theil, nachdem er schon früher Officier des belgischen militär. Leopoldordens geworden war. Mit seltener Ritterlichkeit in seinem Benehmen verbindet er einen an’s Unglaubliche streifenden Heldenmuth, von dem begeistert er körperliches Leiden überwindet, um große Thaten zu vollführen, womit er auf seine Truppe, die mit ganzer Seele an ihm hängt, unwiderstehlich wirkt.

Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld u. Dr. Meynert (Wien 1851) I. Bd. S. 233. Nr. 4. (Art. von F. K.) – Sein Porträt v. Kriehuber lith. (Wien 1850, Neumann, Fol.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. Barco, Joseph Freiherr von, Feldmarschall-Lieutenant und Maria Theresien-Ordensritter [s. d. Bd. I, S. 155], gest. zu Wien 26. September 1861.
    Wiener Zeitung 1861, Nr. 230, S. 3582. – Linzer Zeitung 1861, Nr. 141, 239 u. 241: Nekrolog [im Feuilleton]. – Oesterreichischer Soldatenfreund 1849, Nr. 43. – Hirtenfeld (J.), Oesterreichischer Militär-Kalender (Wien, 8°.) XIII. Jahrg. (1862), S. 145. [Bd. 11, S. 365.]