BLKÖ:Barth, Thaddäus Joseph Franz Gustav

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Barth, Joseph
Band: 1 (1856), ab Seite: 165. (Quelle)
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Barth, Thaddäus Joseph Franz Gustav (Liedercompositeur, geb. zu Wien 2. Sept. 1811). Sein Vater Joseph war k. k. Hofcapellsänger und stand in Diensten des Fürsten Schwarzenberg. Mit 5 Jahren schon spielte der talentvolle Gustav leichte Concert-Clavierstücke. Während er das Gymnasium besuchte, hörte B. bei St. Anna Drechslers Vorlesungen über Generalbaß und Orgel. Ohne alle Anleitung begann er nun die Composition leichter Tänze, Lieder u. a. An seiner weiteren musikalischen Ausbildung arbeiteten die zwei ausgezeichneten Männer: Gyrowetz und Ignaz Ritter von Seyfried. Doch plötzlich mußte er das Studium der Harmonielehre, des einfachen und doppelten Contrapunctes aufgeben und die bereits aufgegebene Studienlaufbahn wieder betreten. Nachdem er die zwei Jahrgänge Philosophie in Prag beendet, begann er das Rechtsstudium in Wien, vertauschte aber dasselbe schon nach einem Jahre mit der Medicin, und von der alten Neigung fortgerissen, diese im J. 1835 für immer mit der Musik. 1838 lernte er die berühmte Sängerin Hasselt kennen, mit der er sich 1840 vermälte. Seit 1843 ist B. Chormeister des Wiener Männergesangvereins, den er durch seine Energie und unermüdeten Fleiß auf die schöne Höhe gebracht, auf welcher er steht. B.’s Eifer und rastloser Bemühung ist es gelungen, die Mendelssohn’sche „Antigone“ zur Aufführung zu bringen, die er selbst dirigirte. Als Liedercompositeur ist B. bedeutend und sind unter seinen zahlreichen Compositionen zu nennen: Der Cyklus „Waldklänge;“ – die drei Gedichte von Rupertus: „Soldaten-Lied,“ „Sängers Klage“ und „Vaters Segen;“ – Vogls „Ade, du grüner Tannenwald,“ ein allerliebstes Lied. Auch im mehrstimmigen Männergesange hat B. Treffliches geleistet, darunter das Ständchen: „Komm’ in die stille Nacht, Liebchen, was zögern du?“ – der Chor „Allgemeines Wandern;“ – das Quartett: „In dem Himmel ruht die Erde;“ ein Jagdchor in D; – das Trinklied: „Herr Wein;“ – das Soldaten-Trinklied mit dem Mittelsatz: „Komm’ nur, lieber Kamerad, Dein bin ich mit Wort und That;“ – die Serenade: „Abend und Morgen;“ – das Burns’sche Lied: „Mein Herz ist im Hochland,“ und der Chor: „Wanderers Lust.“ Viele und darunter treffliche Compositionen hat noch der Meister im Pulte liegen. Der bekannte Musikkritiker E. Hanslick charakterisirt Barth, den Compositeur, folgender Maßen: „Das Zarte, Feine, Sinnige, zunächst das Liebeslied, ist die Richtung, in welcher B. stets am glücklichsten wirken wird. Er gibt solche Empfindungen, besonders wenn sie in engem Rahmen gefaßt sind, in warmer, anmuthiger Weise wieder, fern von jener trivialen Sentimentalität, die sich heut zu Tage so gern für Gefühlstiefe ausgibt. Seine Melodie ist meist faßlich und entsprechend; die Form manchmal durch zu häufige Modulation etwas zerrissen, das Gefühl erscheint mehr warm als lebhaft und stark, im Ausdrucke ist er nicht sowohl tief als fein und correkt. Ein gewisser ruhiger Anstand läßt überall den feingebildeten Mann erkennen.“ B. ist in letzterer Zeit von einem schweren Halsleiden befallen, das seine musikalische [166] Thätigkeit hemmt und seinen Aufenthalt in einem Bade bedingt.

Frankl (L. A.), Sonntagsblätter. VI. Jahrg. (Wien 1847) S. 497.