BLKÖ:Drechsler, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Dreischock
Band: 3 (1858), ab Seite: 380. (Quelle)
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Drechsler, Joseph[BN 1] (Compositeur, geb. zu Wällisch-Birken in Böhmen 26. Mai 1782, gest. zu Wien 27. Februar 1852). Erhielt den ersten Unterricht in der Musik von seinem Vater, der Cantor und Schullehrer in seinem Geburtsorte war. Im Alter von zehn Jahren kam D. als Sängerknabe nach Passau, dann in’s Benedictinerstift zu Florenbach, wo er unter dem berühmten Organisten Grotius den Generalbaß erlernte. Von dort kehrte er nach Passau zurück, um die Philosophie zu studiren, ging nun nach Prag und hörte die Theologie, und da er seiner Jugend wegen noch nicht die heiligen Weihen erhalten konnte, studirte er die Rechte. Ehe er sie vollendete, ging er 1807 nach Wien, einem Rufe Henslers folgend, um die Capellmeisterstelle am Leopoldstädter Theater zu übernehmen. Als er aber die Verhältnisse dieser Bühne kennen gelernt, lehnte er den Antrag ab, und lebte von Musiklectionen; er wurde 1810 Correpetitor beim k. k. Hofoperntheater u. 1812 Capellmeisters-Adjunct. Als Einschränkungen an dieser Bühne stattfanden, verlor D. seinen Dienst, wurde aber bald Orchester-Director [381] an den Theatern in Baden und Preßburg. Aber „dieses Herumzigeunerns“, wie er es selbst nannte, bald müde, nahm er die Organistenstelle bei den PP. Serviten in Wien an. In dieser Stelle war er bemüht, das gesunkene Orgelspiel zu heben, eröffnete mit Bewilligung der Behörde am 18. Febr. 1815 eine Musikschule, und ertheilte unentgeltlichen Unterricht in der Generalbaßlehre und im Orgelspiele. Am 18. März 1816 wurde er Regenschori bei St. Anna, am 6. Febr. 1828 Capellmeister an der Universitätskirche und an der Pfarre am Hofe. Ein Jahr früher (Oct. 1822) hatte er die erste Capellmeisterstelle am Leopoldstädter Theater übernommen und diese bis 1830 behalten. Als aber die besten Mitglieder dieser Bühne, wie die Fräulein Ennöckl, Krones, die Herren Lang, Raimund theils austraten, theils starben, gab auch D. seinen Posten auf und war nur noch als Regenschori der Kirche am Hof thätig, setzte aber seinen Unterricht im Generalbaß und Orgelspiele für die Schulcandidaten bei St. Anna fort. Am 13. Juni 1844 erhielt er nach Gänsbachers Tod die Stelle des Capellmeisters am St. Stephans-Dome, in welcher er bis an sein Lebensende wirkte. Als Compositeur entwickelte D. eine seltene Fruchtbarkeit und hat um die Wiener Localoper und das Singspiel unbestreitbare Verdienste. Viele seiner gefälligen Melodien sind wahre Volkslieder geworden. An theoretischen Werken schrieb D. eine Orgelschule, eine Harmonie- und Generalbaßlehre, einen theoretisch-praktischen Leitfaden zum Präludiren und gab Pleyel’s Clavierschule verbessert in zwei Abtheilungen heraus. Ferner componirte er 10 große, 6 kleinere Messen, 1 Requiem, 2 Te deum, 2 Veni sancte spiritus, 20 Gradualen und Offertorien; die Opern: „Claudine von Villabella“; – „Der Zauberkorb“; – „Pauline“; – „Die Schauernacht“; – „Die Feldmühle“ und die „Tontine“ und schrieb die Musik für mehr denn 25 komische Singspiele, Localpossen und Pantomimen, darunter: „Der Diamant des Geisterkönigs“; – „Gisperl und Fisperl“; „Das Mädchen aus der Feenwelt“; – Sylphide“; – „Der Tausendsassa“; – „Die Wiener in Bagdad“; – „Der Wunderdoctor“; – drei große Cantaten, darunter jene zur Einweihung des neuen israelitischen Bethauses und viele einzelne Arien, Sonaten, Fugen, Quartetten, Ouverturen u. dergl. m.

Sein Geburtsort heißt bald Wällischbürchen, bald Wällisch Kirchen; der wahre Name des Geburtsortes ist: Wällisch-Birken, in wörtlicher Uebersetzung des čechischen Namens Wlachowobřezy. – Allgemeine Wiener Musik-Zeitung. Herausgeber August Schmidt (Wien, 4°.) 1841, Nr. 31: „Gallerie jetzt lebender, um die Tonkunst verdienter Schulmänner und Chorregenten.“ – Neue Wiener Musik-Zeitung, herausgegeben von F. Glöggl (Wien, 4°.) 1852, I. Jahrg. Nr. 10: „Nekrolog“ von F. M. Luib [nach dieser gest. 27. Febr. 1852]. – Realis, Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien (Wien 1846, Lex. 8°.) I. Bd. S. 385. – Dlabacz (Gottfr. Joh.), Allg. hist. Künstler-Lexikon für Böhmen (Prag 1815, Haase, 4°.) I. Bd. Sp. 339 [die daselbst enthaltene Notiz über einen Drechsler J. betrifft offenbar obigen Joseph Drechsler und gibt Nachricht von dessen ersten Compositionen]. – Schilling (G. Dr.), Das musikalische Europa (Speyer 1842, F. C. Neidhard, gr. 8°.) S. 74. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) V. Bd. S. 225. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen 1843, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 4. Abth. S. 1136.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Drechsler, Joseph [Bd. III, S. 380].
    Ausführliche biographische Aufzeichnungen und D.’s eigenhändige Notizen nebst Verzeichniß seiner Werke im Archiv der Gesellschaft u. s. w., wie bei Campi. [Bd. 26, S. 374.]