BLKÖ:Hensler, Karl Friedrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 312. (Quelle)
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Hensler, Karl Friedrich (Schauspieldirector und Theaterdichter, geb. zu Schaffhausen 2. Februar 1761, gest. zu Wien 24. November 1825). Sohn protestantischer Eltern; sein Vater war herzoglich württembergischer Leibarzt. H. studirte auf der Universität Göttingen, wo Bürger’s Beispiel und Anleitung sein poetisches Talent weckte. Nach beendeten Studien kam er als Erzieher in ein bedeutendes Handelshaus zu Mühlheim am Rhein und im Jahre 1784 nach Wien, wo sein Onkel, Freiherr von Bühler, [313] ihn für die diplomatische Laufbahn zu gewinnen suchte und H. seine zweite Heimat, oder wie er es selbst nannte, sein wahres Vaterland fand. Seine Vorliebe zur dramatischen Dichtkunst, der glückliche Erfolg seines zu Cöln aufgeführten Stückes: „Der Invalide“, wie die persönliche Bekanntschaft mit dem Director der Leopoldstädter Bühne, Marinelli, der sein beifällig aufgenommenes Stück: „Der Soldat von Cherson“, am 1. Mai 1785 zur Aufführung brachte, bewogen ihn, für das Theater zu schreiben und sofort widmete er sich der dramatischen Dichtkunst. Nun schrieb H. eine Reihe von Stücken: „Das Donauweibchen“, „Rinaldo Rinaldini“, „Die Teufelsmühle“, „Das Faustrecht“ u. s. w. [unten folgen seine dramatischen, im Drucke erschienenen Arbeiten], welche zu jener Zeit auf den meisten deutschen Bühnen und mitunter mit vielem Erfolge gegeben wurden. H. schrieb für diese Bühne bis zu Marinelli’s Tode, der ihm dankbar eine lebenslängliche Pension von 600 fl. ausgesetzt hatte. Nach Marinelli’s Ableben. 1803, pachtete H. die Leopoldstädter Bühne und leitete sie bis 1813 als Director; im Jahre 1817 übernahm er die Leitung des Theaters an der Wien. 1818 jene der Bühnen zu Preßburg und Baden und im October 1822 des Theaters in der Josephstadt. Dieses letztere erbaute er ganz neu und hob es von der niedersten Stufe, auf der es damals sich befand, zu einer der besten Bühnen, die mit den übrigen der Hauptstadt wetteiferte. Erst drei Jahre führte er die Leitung der letztgenannten Bühne, als ihn im Jahre 1825 nach nur zweitägiger Krankheit der Tod im Alter von 64 Jahren dahinraffte. Hensler war mit der Schauspielerin Karolina Amman (geb. zu Wien 1773) vermält, welche einige Jahre vor ihm (zu Baden bei Wien 3. Juni 1821) starb. Seine einzige Tochter Josepha, Gemalin des Wiener Großhändlers Sigmund von Scheidlin, als rechtliche Erbin seines Nachlasses, übernahm nun die Leitung des von ihm begründeten Josephstädter Theaters. Der Nekrolog seines Freundes Bäuerle, die Leichenrede des Superintendenten Wächter und die Theilnahme der Hauptstadt bei der Nachricht von seinem Tode. bezeichneten H. als einen durch Vorzüge des Geistes und Herzens gleich ausgezeichneten Menschen, der die seiner Leitung anvertrauten Kunstinstitute mit Energie, Fachkenntniß, Humanität und mit der von Erfolg gekrönten Bestrebung geleitet hat: den mit Ausnahme der Hofbühnen in theatralischer Hinsicht noch sehr verwahrlosten Geschmack in Wien zu läutern. Seine treffliche Geschäftsleitung, wie sein tadelloser Charakter, verbunden mit feiner Bildung, waren Ursache, daß Se. Majestät der Kaiser ihm zu wiederholten Malen das Hoftheater nächst dem Kärnthnerthore[WS 1] überließen, wo er mit seiner Gesellschaft noch 1825 durch mehrere Monate Vorstellungen gab. Als dramatischer Dichter war H., wenn auch nicht bedeutend, doch lange nicht so geschmacklos, als einige Kritiker ihn darstellen wollen. H. kam zu einer Zeit, als der Hanswurst und Käsperle auf den Vorstadtbühnen Wiens noch ganz energisch das Regiment führten. Diese beiden Fallstaffe der Wiener Posse waren nicht so leicht fortzuschaffen. Und den Uebergang zu Besserem hat H. mit Bewußtsein dessen, was er anstrebte, vermittelt. Manche seiner Stücke, von deren früheren er eine Sammlung herausgegeben unter dem Titel: „Marinellische Schaubühne in Wien“, 8 Theile (Wien 1794 und 1798, 8°.), in Kaiser’s „Bücherlexikon“ falsch als „Marianellische Schaubühne“ angegeben, bedürfen nur [314] der bühnenkundigen Hand, um in geschickter Bearbeitung noch heute zu wirken und wieder Cassenstücke zu werden, wie sie es seinerzeit gewesen. Und wenn seine Arbeiten keinen andern Vorzug hätten als den, ohne Zoten, ohne Zweideutigkeiten, dennoch komisch, mitunter hochkomisch zu sein, so würden sie eben zum Beweise dienen, daß die Volksmuse nach dieser Richtung hin seither keinen Fort-, sondern einen Rückschritt gemacht habe. H.’s größtes Verdienst besteht aber in seiner Bühnenleitung, bei welcher ebenso seine Umsicht, als Humanität zur Geltung kamen.

Hensler’s dramatische Arbeiten, welche, ein Paar ausgenommen, sämmtlich im Drucke erschienen sind, in chronologischer Folge. 1790: „Das Sonnenfest der Braminen“; wurde 91 Mal gegeben. Musik von Wenzel Müller. – „Der Soldat von Cherson. Lustspiel in 3 Acten.“ – 1792: „Der Großvater oder die 50jährige Hochzeitsfeier. Lustsp. in 4 Acten.“ – „Das Judenmädchen in Prag. Lustsp. in 3 Aufz.“ – „Der Kriegsgefangene oder Kindesliebe kennt keine Grenzen. Lustsp. in 3 Acten.“ – „Der Orang-Outang oder das Tigerfest. Lustsp. in 3 Acten.“ – „Die Verschwörung der Odalisken oder die Löwenjagd. Singspiel.“ – „Zaide oder das Weib in ihrer wahren Schönheit. Lustsp. in 3 Acten.“ – 1793: „Der Forstmeister. Schausp. in 3 Acten.“ – 1794: „Das Petermännchen. Schausp. mit Gesang in 4 Acten.“ – 1795: „Der Denkpfennig oder der Wachtmeister. Lustsp.“ – „Der Waldgeist oder die Kohlenbrenner im Eichthale.“ Schausp. in 3 Acten.“ – „Alles in Uniform für unsern König. Lustsp. in 3 Acten.“ – 1796: „Der braune Robert und das blonde Nandchen, ein Fürstengemälde in 4 Acten.“ – 1797: Bürgerfreuden. Ein österr. Bürgergemälde mit Chören in 1 Act.“ – „Eugen II. der Held unserer Zeit. Bürgergemälde.“ – „Das Donauweibchen. Romantisches Volksmärchen mit Gesang in 3 Acten.“ 2 Theile (I. 1797, II. 1807, 8°., neue Aufl. des 1. Theiles 1837). Der 1. Theil wurde 57, der 2. Theil 78 Mal hintereinander gegeben. – „Es ist Friede. Ein Zeitstück mit Gesang in 3 Acten.“ – „Das Faustrecht in Thüringen. Schausp. mit Gesang in 3 Theilen.“ Musik von Bauer. – „Die 12 schlafenden Jungfrauen. Schausp. mit Gesang in 3 Theilen“ (3. Aufl. 1801). – „Das Schlangenfest zu Sangora. Oper in 2 Acten.“ – „Eugenius Skoko, Erbprinz von Dalmatien. Historisches Schausp. in 5 Acten.“ – „Der österreichische Soldat in Kehl. Vorsp. in 1 Act.“ – „Der Waffenschmidt. Oper in 3 Acten.“ – 1798: „Der Sturm. Heroisch-komische Oper nach Shakespeare in 2 Act.“ – „Die schöne Ungarin oder das Pasquill. Lustsp. in 1 Act.“ – „Wer den Schaden hat darf für den Spott nicht sorgen. Komische Oper nach Darvigny in 2 Acten.“ Musik von Wenzel Müller. – „Der geschwätzige Barbier. Posse in 1 Act.“ – „Der Feldtrompeter oder, Wurst wider Wurst. Posse in 1 Act.“ Später von Perinett in ein Singspiel umgearbeitet. – „Die Marionettenbude oder der Jahrmarkt von Grünewald. Lustsp. in 2 Acten“ (Amsterdam 1798, 8°.). – „Benno Ritter von Eisenburg. Schausp. in 4 Acten.“ –1799: „Gute Menschen lieben ihren Fürsten. Zeitstück in 3 Acten.“ – „Kaspar Grünzinger. Lustsp. in 1 Act.“ – 1800: „Das Bergfest. Schausp. in 2 Acten.“ – „Fernandino“. Fortsetzung des Rinaldo Rinaldini. 3 Theile, I. Schauspiel in 3 Acten; II. Schauspiel in 4 Acten; III. Schausp. in 4 Acten. – „Heroine oder die schöne Griechin in Alexandria. Schausp. in 3 Acten.“ – „Das Waldweibchen. 1. Theil. Romantisch-komisches Volksmärchen mit Gesang in 3 Acten.“ – „Der Löwenritter. Schausp. mit Gesang.“ – 1801: „Kaspar oder der unruhige Wanderer. Feenmärchen in 4 Act.“ – 1802: „Die Fledermaus. Lustsp. in 1 Aufz.“ – „Telemach, Prinz von Ithaka.“ I. Theil, Posse in Knittelversen in 2 Acten“; 2. Theil (1805), Posse in 2 Acten.“ – „Ritter Don Quixotte. Oper in 2 Acten.“ – „Die Waffenruhe in Thüringen. Schausp. in 3 Acten.“ – „Das Zauberschwert. Romantisch-komisches Original-Singsp. in 2 Acten.“ – 1803: „Das friedliche Dörfchen. Singsp. in 1 Act.“ – „Der Unbekannte. Schausp. in 4 Acten.“ – „Die Nymphe der Donau.“ 1. Theil, Fortsetzung des Donauweibchens. – „Geistesgegenwart. Lustspiel in 2 Acten.“ – „Der lustige Schusterfeierabend. Bürgerl. Singsp. in 3 Acten.“ – „Die unruhige Nachbarschaft. Oper in 2 Act.“ – „Das Galleriegemälde. Schausp. in 5 Act.“ – 1804: „Bauernliebe. Ländliche Oper in 2 Acten.“ – „Mogalino der Abenteurer. Schauspiel in 5 Acten.“ – „Das Petermännchen. Schausp. 2 Theile in 4 Acten.“ – 1807: „Das Frühstück. Ein Burschenstreich in 1 Act.“ – [315] Stücke, deren Zeit des Erscheinens nicht bekannt ist, die aber auch alle in Wien gedruckt sind. „Alles weiß nichts schwarz oder der Trauerschmaus. Ländliches Original-Lustsp. in 3 Acten.“ – „Der alte Ueberall und Nirgends. Schausp. nach Spieß in 2 Theilen.“ – „Der Räuber aus Rachsucht. Lustsp. in 3 Aufz.“ – „Sophie Romani oder was vermag ein Schurke nicht. Schausp. in 3 Acten.“ – „Thaddädl oder der 30jährige ABC-Schütz.“ – „Das tapfere Wienermädchen. Gelegenheitsstück in 5 Acten.“ – „Ritter Willibald oder das goldene Gefäß. Singsp. in 2 Acten.“ – „Der Korb aus Liebe oder Frauenzimmerlaunen. Lustsp. in 1 Act.“ – „Der österreichische Deserteur. Lustsp. in 5 Acten.“ – „Der Invalide. Lustsp. in 3 Acten.“ – „Die Männerschwächen und ihre Folgen oder die Crida. Lustsp. in 3 Acten.“ – „Der Notenschreiber oder wo Menschen sind darbt der Arme nicht. Lustsp. in 3 Acten,“ – „Der Schornsteinfeger. Original-Lustsp. in 3 Acten.“ – „Die Teufelsmühle am Wienerberg. Oesterreichisches Volksmärchen in 4 Acten“ nach Huber. Musik von Wenzel Müller, wurde 83 Mal gegeben.
Quellen zu H.’s Biographie. Allgemeine Theater-Zeitung (Wien, 4°.) 1. Jahrg. (1806), Nr. 11, S. 166; 18. Jahrg. (1825), Beilage zu Nr. 145: „Nekrolog“ von Adolph Bäuerle und „des Consistorialrathes Wächter Rede an Hensler’s Sarge“. – Realis, Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien (Wien 1846, gr. 8°.) Bd. II, S. 22. – Austria. Oesterreichischer Universal-Kalender (Wien, Ign. Klang, Lex. 8°.) Jahrg. 1848, S. 186. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Ilmenau 1827, 8°.) III. Jahrgang (1825), Bd. II, S. 1585, Nr. 232. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section, 5. Theil, S. 355. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) Jahrg. 1847, Wiener Bote Nr. 25, S. 202: „Das Theater in der Leopoldstadt. Historische Skizze“. – Oesterreichische National-Encyklopädie, herausgegeben von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 549. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, Lex. 8°.) Bd. XV, S. 443 [nach diesem gestorben 23. November 1825]. – Guden (Karl Friedr. Arnim Dr.), Chronologische Tabellen zur Geschichte der deutschen Sprache und Nationalliteratur (Leipzig 1831, Gerhard Fleischer, 4°.) Dritter Theil, S. 124 [fällt ein unbegründet wegwerfendes Urtheil über Hensler als dramatischen Dichter). – Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, Kühnel), Bd. II, Sp. 637. – Goedeke (Karl), Grundriß zur Geschichte der deutschen. Dichtung. Aus den Quellen (Hannover 1859, L. Ehlermann, 8°.) S. 1072. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Kärthnerthore.