BLKÖ:Barzoni, Victor

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Basile, Januarius
Band: 1 (1856), ab Seite: 174. (Quelle)
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Barzoni, Victor (Rechtsgelehrter und Publicist, geb. zu Lonato im Venetianischen am 17. Dec. 1767, gest. ebendas. 22. April 1843, nach Anderen irrig zu Neapel 1829). Nachdem er seine Vorstudien in Verona gemacht, bildete er sich zu Pavia in den höhern Disciplinen seines Faches aus, und pflegte zu gleicher Zeit unter den Einflüssen Cesarotti’s die schönen Wissenschaften. Er übte hierauf in Venedig die Advocatur aus, aber mehr als dieses Amt beschäftigte ihn das Studium der Geschichte und Philosophie des Socialismus, dessen erste Frucht sein „Solitario delle Alpi“ (1794) war. In diesem trat er mit allen Gründen der Vernunft und der Erfahrung gegen die demokratischen Principien, namentlich der Franzosen, auf, die damals sein Vaterland und ganz Europa bedrohten. Nachdem diese die Alpen wirklich überschritten und Venedig besetzt hatten, fuhr er fort, seine politischen Grundsätze kundzugeben, und zwar in einem von ihm gegründeten Journale: „Colloquj civici.“ Zu gleicher Zeit richtete er an Bonaparte eine Broschüre, in welcher er die neue Ordnung der Dinge so entschieden angriff, daß er, um seine Freiheit und sein Leben zu sichern, Venedig verlassen und nach Toscana fliehen mußte. Hier in der Abgeschiedenheit eines Benedictinerklosters schrieb er sein berühmtes Werk: „Romani in Grecia“ (1796), eine Anspielung auf die Gegenwart der Franzosen in Italien, das er nach dem Frieden von Campo Formio in Venedig drucken ließ. Nach diesem schrieb er die: „Rivoluzioni della Repubblica francese“ (Venedig 1799), die Ereignisse in Frankreich von 1789–1799 darstellend, und dann die „Rivoluzioni della Repubblica veneta“ (Philadelphia [Mailand] 31. Mai, 1800, 2. Aufl., Mailand 1814). In dem Zeitraum, der zwischen der Veröffentlichung dieser beiden Schriften lag, war er in Wien, um sich da für die in Padua erledigte Kanzel der italienischen und lateinischen Literatur zu bewerben; aber die Wachsamkeit und der Haß der französischen Regierung litt seinen Aufenthalt daselbst nicht, und er war gezwungen, den Schutz des englischen Gesandten in Anspruch zu nehmen. Er ging daher auf einem englischen Schiffe nach Malta, wohin er Anfangs 1804 gelangte. Hier stellte ihn die englische Regierung als Publicisten an, und er redigirte nach einander 3 Journale, nämlich: den „Cartaginese,“ das „Giornale politico,“ und das „Giornale di Malta,“ worin er durch die Zeit seines Aufenthaltes in Malta (11 Jahre) einen Federkrieg gegen Bonaparte unterhielt. Nach dem Sturze des französischen Kaisers begab er sich mit einer englischen Pension in sein Vaterland zurück, wo er dann unangefochten, abwechselnd in Mailand, Crema, Brescia und Verona, zuletzt in Lonato lebte. Außer den genannten Schriften hinterließ er noch einen Band von Reden, gehalten bei verschiedenen Gelegenheiten, ein Drama „Narina,“ ein Werkchen über die Ursachen des Bruches des Vertrages von Amiens (3. Aufl., Mailand 1815). Eine andere bemerkenswerthe Schrift B.’s „Descrizioni“ (Mailand) enthält ein malerisches Tableau der Apenninen, die [175] Beschreibung mehrerer Statuen Canova’s, der Schrecken der Gefängnisse Venedigs, und der Pest, die zu Malta Juli 1813 wüthete. Alle seine Schriften machten ihrer Zeit ungewöhnliches Aufsehen und wurden begierig gelesen; sie athmeten hohen Verstand und warme Vaterlandsliebe.

Thompson (William), Life and writings of Victor Barzoni (London 1831). – Commentari dell’Ateneo di Brescia per l’anno acad. 1844 (Brescia, Tip. della Minerva 1845) S. 186 (Von G. Nicolini, Segret); – und „Comentari etc.“ dell’ 1843, S. 145 (Von Joh. Bapt. Pagani). – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) IV. Bd. Sp. 655, wo irrig Ort und Sterbejahr: Neapel 1829 angegeben ist.