BLKÖ:Bazzoni, Johann Baptist

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Bazzoni, Albert Franz
Band: 1 (1856), ab Seite: 198. (Quelle)
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Bazzoni, Johann Baptist (Romandichter, geb. zu Novara 1803, gest. zu Mailand 1849). Kam frühzeitig nach Mailand. Mit 22 Jahren schrieb er sein erstes Werk. Es war das „Castello di Trezzo.“ Es herrschte um diese Zeit (1824) in Italien so zu sagen ein Stillstand in Allem. Von Manzoni kannten Einzelne nur erst seine „Hymnen“ und „Tragödien;“ die italienischen Künste und Wissenschaften schienen im Todesschlafe zu liegen, als mit einem Male Bazzoni mit seinem Roman auftrat und Italien denselben mit Triumph aufnahm. Das mit solchem Enthusiasmus entgegengenommene Werk war nicht neu in Erfindung, auch sonst ohne Vorzüge der Gefühlstiefe, der Charakteristik der Sprache, aber es ließ einen nachhaltigen Eindruck auf den Leser, namentlich auf jugendliche Gemüther, zurück und war in dieser Gattung das erste in der italienischen Literatur. Nach diesem mit so großem Beifalle aufgenommenen Werke gab B. seinen „Falco della Rupe,“ einen Roman von größerer Ausdehnung, heraus, worin schon eine bestimmte Tendenz, größere Feile des Styls und tiefes Studium sich aussprachen. Doch trotz dieser Vorzüge, die er vor dem „Castello di Trezzo“ voraus hatte, erhielt er doch nicht denselben Erfolg. Sein drittes Werk „La bella celeste degli spadari“ wurde von der Kritik ganz verworfen, und auch sein folgendes „La Sagranella,“ das er, nach jahrelangem Schweigen, im florentinischen Dialect erscheinen ließ, erinnerte kaum an den Verfasser des „Castello di Trezzo.“ An Lob und Tadel fehlte es bei diesen Arbeiten auch nicht. Der berühmte Maler Hayez [199] fertigte zu B.’s Romanen mehrere Zeichnungen für die Kupferstiche. Außerdem schrieb B. mehrere kleinere Novellen und Erzählungen für Journale. Im Athenäum las er auch die wissenschaftliche Arbeit: „Dello stato antichissimo dell’alta Lombardia per quanto risguarda l’origine di Bergamo.“ Endlich hält man ihn auch für den Verfasser der 1838 bei Manini in Mailand erschienenen fantastischen Legende aus dem Mittelalter: „La scommessa col diavolo,“ die ihrer beißenden Satyre wegen Aufsehen erregte. Der Verfasser geißelt darin die Sünden der Mächtigen gegen die Schwachen, und führt in bald dramatischer, bald epischer Form treu copirte Scenen aus jener eigenthümlichen Zeit (13. Jahrh.) vor. Der sittliche Gehalt des Ganzen gibt dieser Schrift noch einen besonderen Werth. B. bekleidete mehrere ehrenvolle Aemter, sowohl außerhalb als in Mailand selbst, wo er, allgemein geachtet, den größeren Theil seines Lebens zubrachte.

L’Italia musicale. Giornale di letteratura, belle arti, teatri e varietà (Milano 1854, Fr. Lucca) Nr. 15. – Schmidl (Ad. Dr.), Oestr. Blätter f. Literatur u. Kunst (Wien 1844, I. Jhrg., 4°.) Lit. Bl. Nr. 10, S. 75. – Nuovissimo Dizionario degli uomini illustri d’ogni età ec. (Milano 1854, 16°.) I. Bd. S. 391.