BLKÖ:Hayez, Francesco

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Haydn, Johann Michael
Band: 8 (1862), ab Seite: 150. (Quelle)
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Hayez, Francesco (Historienmaler, geb. zu Venedig1791). Der Sohn mittelloser Eltern, zeigte er früh Anlage für die Kunst, welche jedoch damals, wie in ganz Italien, so auch in Venedig, in Verfall war. Insbesondere war die Malerei in’s Barocke ausgeartet und an guten Meistern gab es Mangel. Hayez kam in die Lehre des Malers Magiotto, der, obgleich auch ein Opfer des allgemeinen Verfalles, doch unter den verdorbenen Künstlern einer der mindest Verdorbenen war. Magiotto hielt eine Privatschule, da es damals in Venedig eine öffentliche Akademie noch nicht gab. Als dieselbe 1804 unter Cicognara’s Leitung [Bd. II, S. 369] begründet wurde, trat auch H. in dieselbe und [151] erhielt den Zeichnungsunterricht von dem an der Akademie angestellten Professor Matteini. Dieser erkannte bald das seltene Talent des jungen Künstlers und widmete ihm, wie seinem Mitschüler Demin [Bd. III, S. 237], welch’ Letzterer jedoch später die Erwartungen nicht befriedigte, alle Theilnahme und Sorgfalt in der künstlerischen Ausbildung. Sechs Jahre, in welchen H. ungewöhnliche Fortschritte gemacht, blieb er auf der Akademie und kam unter die kleine Zahl derjenigen, welche ihre Ausbildung in Rom vollenden sollten. Von Cicognara an Canova in Rom empfohlen, lenkte er daselbst durch seine Arbeiten alsbald die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Hayez’ Lehrer in Rom war Palagi; den Zauber der Colorits hatte er sich schon in Venedig, wo die alten Meister in dieser Hinsicht berühmt sind, angeeignet; in Rom vervollkommnete er sich in der Correctheit der Zeichnung und studirte an den großen Mustern, deren die ewige Stadt eine Fülle enthält, die übrigen Eigenschaften, welche ein Bild zu einem echten Kunstwerk stempeln. Sein Bild „Dem Grafen Carmagnola wird das Todesurtheil verkündet“ fand solchen Beifall, daß der noch junge Künstler einstimmig zum Professor an der Mailänder Akademie ernannt wurde. In dieser Stellung wirkt er als Künstler und Lehrer bis heute, erhielt mannigfaltige Auszeichnungen, wurde Mitglied der Akademie der bildenden Künste zu Verona, Venedig und Wien. Obgleich hoch in Jahren – er zählt gegenwärtig 70 Jahre – malt H. noch in ungeschwächter Kraft und erst im Jahre 1858 war sein Bild „Ludwig XIV. und die La Vallière“ in der Brera zu Mailand ausgestellt. Als Historien- und Porträtmaler gehört H. zu den hervorragendsten Künstlern der Gegenwart. Groß ist die Zahl seiner Gemälde; diese Menge, bei dem Umstande der Größe und des Figurenreichthums der meisten Bilder wird nur erklärt durch die Fruchtbarkeit seiner Phantasie und die Leichtigkeit, mit der er arbeitet. Von seinen Bildern, welche sich in den Gallerien und Privatsammlungen vornehmlich Italiens befinden, sind zu nennen: „Der siegende Athlet“, mit welchem er noch als Zögling der Akademie von St. Luca in Rom den ersten Preis erhielt; – „Der Tod des Laokoon“ in der Brera in Mailand; – das schon erwähnte „Carmagnola zum Tode verurtheilt“, welches allgemein so gefiel, daß H. es öfter wiederholen mußte [vergl. Morgenblatt 1825, S. 253). In die Zeit von 1820 bis 1838 fallen: „Die sicilianische Vesper“; – „Zwei Liebende von Mördern überfallen“; – „Leda“ [über alle vier vergl. Morgenblatt 1822, S. 387]; insbesondere war es das erste, das durch Erfindung, Composition, Correctheit der Zeichnung und Colorit den Preis über alle zu gleicher Zeit ausgestellten davontrug; – „Philipp und Jacob (Mollay)“ hervorragend durch einen großen Styl, Strenge der Form und richtige Charakteristik der Köpfe; – „Maria Stuart, das Schaffot besteigend“; die auf diesem Bilde angebrachte weibliche Figur im blauen Corset wiederholt sich oft in den figurenreichen Gemälden des Künstlers; überhaupt hat H. die Maria Stuart öfter und in verschiedenen Momenten gemalt; der Mailänder Kunsthändler Ricardi gab davon eine lithographische Copie heraus, welche H. selbst auf den Stein gezeichnet; – „Philipp Maria Visconti gibt den von den Genuesern gefangenen Königinen von Aragonien und Navara ihre Kronen zurück“; auf diesem 1829 gemalten Bilde überrascht neben dem glücklich getroffenen Ausdrucke der einzelnen Köpfe, insbesondere [152] die Lichtwirkung, die Drappirung der Gewänder, dann aber die Meisterschaft, mit welcher die mit Gold durchwebten Stoffe und andere Zeuge wiedergegeben sind; – „Peter der Einsiedler predigt den Kreuzzug“, an welchem Bilde echte Kenner mehrere nicht unwesentliche Mängel rügten; – „Imelda Lambertazzi von den Brüdern bei ihrer Zusammenkunft mit dem Geliebten überrascht“, vom Künstler öfter wiederholt; – „Foscarini schlägt die Hand der Palenza Gradenigo aus“; – „Magdalena in der Wüste“; – „Romeo’s Abschied von Julien“; – „Katharina Cornaro, die Krone Cyperns verschenkend“; – „Kreuzfahrer am Brunnen zu Siloe“, großartig in Auffassung und Ausführung; – „Johann von Aragonien von seinem Bruder Robert des Mordes angeklagt“; – „Die Nonne vor dem Inquisitionstribunal“; – „Rudolph von Habsburg überlässt sein Pferd dem Mönche“; – „Saladin nimmt Abschied von seiner Mutter Sophia und seiner Geliebten Griselda“; – „Der trunkene Loth zwischen seinen Töchtern“; – „Bethseba im Bade“; – „Samson nach Tödtung des Löwen“. Neben diesen meist historischen oder biblischen Bildern schuf er auch mehrere mythologische, darunter: „Ajax, der, um dem Sturme Neptuns zu entkommen, einen Felsen erklimmt“, eines seiner früheren; – „Ajax vom Blitze getroffen“; – „Paris wirft Hector seine Weichlichkeit vor“. Seit 1844 waren in den Mailänder Ausstellungen zu sehen, 1844: „Das Weib des Leviten“‘ – „Doge Marino Foliera beschuldigt Steno: auf den Dogenstuhl beschimpfende Worte gegen seine Gemalin geschrieben zu haben“; – „Die verschmachtende Griseldis“; – 1846: „Galathea“, mythologisches Bild, von A. Calzi für das „Album Esposizione“ 1846 gestochen; – 1847: „Tamar, die Jüdin“, einzelne weibliche Figur über Lebensgröße, Kniestück; von Caterina Piotti-Pirola für das „Album Esposizione“1847 gestochen; – „Rebecca am Brunnen“, Seitenstück zu dem obigen, von derselben Künstlerin für dasselbe Album gestochen; – 1848: „Jacob’s Begegnung, mit Esau“; – 1850: „Maria Theresia auf dem ungarischen Landtag“: Moriamur pro rege nostro; – 1852: „Pietro Rossi theilt seiner Gemalin das Schreiben mit, worin ihn der Senat zum General der Republik ernennt“; dieses Bild scheint auch vom Künstler öfter gemalt worden zu sein, denn schon 1820 gedenkt das Stuttgarter Kunstblatt (S. 332) desselben; – „Die Mailänder zerreissen den Friedensantrag, den ihnen die Stadt Lodi anbiethet“; – „Die Melancholie“; – „Das Nachdenken“, zwei Gegenstücke; – 1853: „Die Venetianerinen“; es stellt die Rache einer Rivalin vor. Diese nämlich händigt dem mit seiner Frau gehenden Gemal einen Brief ein, den Letztere ihrem Liebhaber geschrieben; und das Seitenstück dazu: „Der Rath zur Rache“. Gandini stach ersteres Bild für das „Album Esposizione“ 1853; G. Planer das zweite für die „Letture di famiglia“ des österreichischen Lloyd; – „Die Consuln Mailands vernichten das Schreiben, das ihnen Sicherius vorgelesen“; – 1854: „Die Badende“, von Gandini für die „Gemme d′arti italiane“ 1854 gestochen; – 1855: „, von Clerici für die „Gemme d′arti italiane“ 1855 gestochen; derselbe Stoff schon früher von dem Künstler behandelt; – „Des Jacob Foscari letzte Unterredung“; – 1857: „Priester Orlando von Parma, abgesandt von Kaiser Heinrich IV. an Papst Gregor VII., wird von diesem gegen den Unwillen der römischen Synode in Schutz genommen“, figurenreiches historisches Gemälde von Gandini für das „Album Esposizione“ 1857 gestochen; – 1858: das schon erwähnte „Ludwig XIV. und Madame La Vallière“, von Gandini für [153] die „Gemme“ 1858 gestochen. – Von seinen Porträten sind anzuführen: „Kaiser Franz Joseph“ (1852), „Madame Belloc“, „Belgiojoso“, „Boromea“, „Litta“, „Arési“, „Serbelloni“, „Porra“, „Fagnani“; auch bringt H. Porträte schöner Zeitgenossen beiderlei Geschlechts oft bei seinen historischen Gemälden an. Im Besitze von Privaten und in Gemäldesammlungen finden sich mehrere seiner Werke, darunter: „Admiral Pisani wird von dem venetianischen Volke befreit, um gegen die Genuesen zu ziehen 1379“ (Eigenthum des † Grafen Kolowrat); – „Eremit Peter ermuntert die an Wassermangel leidenden Kreuzfahrer zu neuem Sturme“ (Eigenthum des † Hofbaurathes Nobile); – „Die neue Favoritin; Szene aus dem Harem“ (Eigenthum des Grafen Coloman Nako); – „Doge Gradenigo verurtheilt seine Tochter zum Gefängniss wegen ihrer Theilnahme an der Flucht eines Hochverräthers“ (Eigenthum des † Grafen Beroldingen); – „Die Barke“ (esuli di Parga) (Eigenthum des Herrn Arthaber). – In der Kirche San Nicola da Tolentino (gewöhnlich i Tolentini genannt) enthält die Sacristei ein Bild von ihm: „Die Anbetung der heiligen drei Könige“. – Die kais. Gallerie im Belvedere besitzt seine „beiden Foscari“ (5′ 2″ H., 7′ 4″ Br., 21 Figuren). – Ferner hat sich H. an den Frescen der neuen Procuratien oder des königl. Palastes in Venedig betheiligt; dann im Dogenpalast zu ebener Erde mehrere symbolische Figuren, den Triumph Neptun’s und die vier Welttheile, auch in Fresco gemalt. – Hayez hat auch einige lithographische Blätter gearbeitet, unter anderen in seiner Begeisterung für Sir Walter Scott unter dem Titel: „Opera completa dei soggetti tratti dall’ Ivanhoe, romanzo storico di Walter Scott, composti e disegnati da Hayez“ (Milano 1834, gr. Fol.), 22 Blätter mit den Porträten des Dichters und Malers, welche Scenen aus Ivanhoe darstellen, herausgegeben; – ferner ein „Bildniss der Königin Maria Stuart“; – den „Tod dieser Königin“ – und „Christoph Columbus“, alle in groß Folio. Die Kritiker anerkennen den Genius des Künstlers in seiner hohen Bedeutung, jedoch bei seiner großen Fruchtbarkeit und seiner begeisterten Vertiefung in die thatenreiche Geschichte seines Volkes geschah es, daß er namentlich in späterer Zeit flüchtiger arbeitete und öfter einen wohl theatralischen, aber nicht immer auch malerischen Stoff wählte. Seine Gemälde sind von großem Schmelz und Glanz der Farbe, die Drappirung der Gewänder zeigt einen überraschenden Reichthum, in Nachahmung der Stoffe und genauem Studium des Costumes kommt ihm kaum ein neuerer Maler gleich. Im großen Style zeichnend, versteht er die Charaktere sprechend auszudrücken und Leben und Bewegung in die Darstellungen zu bringen. Die Methode seines Malens, namentlich seine Lasuren (velature) haben die Aufmerksamkeit und das Nachdenken bedeutender Künstler in Anspruch genommen. Bilder seines Pinsels haben nach einem Alter mehrerer Decennien nichts an Farbe und Frische verloren und erscheinen so gut erhalten, als wären sie eben erst vollendet worden. Bezüglich des Ausspruchs des Künstlers auf eine Frage, wie er bei seinen Arbeiten vorgehe, verweisen wir auf die Mittheilung A. R. von Perger’s in den „Kunstschätzen von Wien“, welcher Ausspruch jedoch, bei der Sitte der Künstler, ihre Künstlergeheimnisse überhaupt nicht und noch weniger auf eine erste Anfrage preiszugeben, minder harmlos aufzunehmen sein dürfte, als es dort geschieht. Eins aber wurde bei der Art und Weise [154] des Künstlers seine Gemälde auszuführen bemerkt, daß er nämlich die größten Bilder nur nach einer flüchtigen Oelskizze ausführe, nicht aber seine Idee vorerst in bis in’s Kleinste ausgeführten Cartons niederlege, was wohl einen großen Reichthum an Phantasie und eine ungewöhnliche Sicherheit beurkundet und auch in der Oberflächlichkeit der französisch-theatralischen Richtung zu suchen sein dürfte, welche unserem Künstler von Kunstkritikern eben zum Vorwurfe gemacht wird.

Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. VI, S. 18. – Frankl (L. A.) Sonntagsblätter (Wien, 8°.) I. Jahrg. (1842), Beiläge, Nr. 12, S. 929: „Künstlerporträte“, von Geldern (Pseudonym Hartmann) Erscheint hier unrichtig Heyez statt Hayez geschrieben); – II. Jahrg. (1843), S. 597 [über sein Bild „Die beiden Foscari“]. – L’Italia musicale. Giornale di letteratura, belle arti etc. (Milano, kl. Fol.) Anno VII (1855), Nr. 30 e 31: „Profili artistici dell’ Italia contemporanea“ [nach diesem geb. 1792]. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Angefangen von Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. II, S. 350 [nach diesem heißt er Franco statt Francesco]. – Kunstblatt (Stuttgart, Cotta, kl. 4°.) Jahrg. 1822, S. 387; Jahrg. 1825, S. 249 und 253; Jahrg. 1836, Nr. 28 [anläßlich der Besprechungen der Kunstausstellungen in Mailand]. – Perger (A. R. v.), Die Kunstschätze Wiens im Stahlstich nebst erläuterndem Text. Herausgegeben vom österreichischen Lloyd in Triest (Triest 1855, 4°.) S. 245. – Heller (Jos.), Praktisches Handbuch für Kupferstichsammler oder Lexikon der vorzüglichsten und beliebtesten Kupferstecher, Formschneider und Lithographen u. s. w. (Bamberg 1828–1836, J. G. Sickmüller, kl. 8°.) Bdchn. III, S. 154. – Orloff, Histoire de la peinture en Italie, Tom. II, p. 262 et s.Zanotto (Francesco), Nuovissima guida di Venezia (Venezia 1856, Brizeghel, 16°.) S. 106, 125, 410. – Gemme d’arti italiane (Milano, Venezia, Verona, editore Ripamonti-Carpano, 4°.) Anno VI (1853), S. 105; – Anno VII (1854), S. 55, von A. A. Grubissich; – Anno VIII (1855), S. 1, von Carlo Cajmi; – Anno XI (1858), S. 73, von Andrea Zambelli. – Album Esposizione di belle arti in Milano ed altre città d’Italia (Milano, Canadelli, 4°.) Anno XV (1853), S. 1, und dasselbe, Anno XIX (1857), von A. Zoncada. – Schmidl (Adolph), Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst (Wien, 4°.) II. Jahrg. (1845), S. 39. – Am bezeichnendsten für Hayez’ künstlerische Thätigkeit dürfte das nachstehende italienische Urtheil sein: „... a noi pare di poter asserire che Francesco Hayez teuga un gran posto in Italia fra i pittori viventi. E incontrastabilmente prevalga per la potenza dell’ esecuzione, per il prestigio del colore, per la grazia della linea. È un pittore che ha virtù straordinarie, ma anche peccati gravi e pur troppo in questi ultimi anni ha mostrato di trascurare il concetto e l’idea tutto quanto preoccupato della forma e del penello, motivi per cui ha provocato una critica fin troppo virulenta e severa in colore che danno grande importanza al pensiero; e che ad un dipinto prodigiosamente eseguito antepongone un quadro in cui l’esecuzione sia appena sufficiente, ma sia grande l’idea e severa la composizione.“