BLKÖ:Bissingen-Nippenburg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Bitnicz, Ludwig
Band: 1 (1856), ab Seite: 412. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Bissingen-Nippenburg in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Bissingen-Nippenburg|1|412|}}

Bissingen-Nippenburg. Ein altadeliges und freiherrliches Geschlecht aus Sachsen, dessen Glieder sich seit den Zeiten des 30jährigen Krieges durch Heldenthaten und besonderen Patriotismus um das Haus Oesterreich verdient gemacht haben. Darunter ward 1) Hanns Ulrich, kaiserl. Kriegsrath und Oberst von Kaiser Ferdinand II. in den Freiherrnstand erhoben. 2) Hanns Friedrich Oberst, errichtete im 30jähr. Kriege auf eigene Kosten eine Freicompagnie zu Pferde, und that sich durch Tapferkeit so hervor, daß ihm vom Kaiser Ferdinand III. gestattet wurde, in sein freiherrliches Wappen die Anfangsbuchstaben des Allerhöchsten Namens aufzunehmen. 3) Ferdinand Karl, Rath der O. Oe. Regierung, zeichnete sich unter Kaiser Leopold aus, und seine beiden Brüder Friedrich u. Leopold fielen in den türkischen und französischen Kriegen. 4) Joseph Ferdinand bewies bei dem 1744 erfolgten französischen Einfalle in die vord. österr. Lande ungewöhnlichen Patriotismus dadurch, daß er es vorzog, seine Güter hintanzulassen, ehe er dem Feinde huldigte. Er ward 1746 in den Grafenstand erhoben, mit dem Vorrechte, den Namen seiner Ahnfrau, von Nippenburg, welche als letzte ihres Stammes gestorben war, anzunehmen, und sich von Bissingen und Nippenburg zu schreiben. In dieser Grafenstandserhebung war auch der Sohn seines Bruders, Joseph Cajetan mitinbegriffen. 5) Karl Gottfried und Johann Heinrich, ebenfalls Urenkel jenes Hanns Ulrich (1), wurden gleichfalls in den Grafenstand erhoben (1747). – Ferdinand Graf (Tyroler Landesgouverneur bis 1803). Ausgezeichnet durch sein Wirken in der Tyroler Landesvertheidigung [413] des Jahres 1799, die er mit weisem Verständnisse und Aufopferung aller seiner Kräfte leitete. Sein Austritt aus dem Landesgubernium im J. 1803 ward im ganzen Lande als ein „Nationalverlust“ beklagt. – Cajetan Graf (k. k. Statthalter in Venedig, geheimer Rath), vordem Statthalter in Tyrol und Vorarlberg, wo dessen Wirken bei der neuen Organisirung der Kronländer nach den Jahren 1848 u. 1849 Epoche machte und der Monarch seine Verdienste mit dem Ritterkreuze der eisernen Krone I. Classe auszeichnete. Die Familie besteht gegenwärtig aus einer sächsisch-anhaltschen, schwäbischen, böhmischen und ungarischen Linie. Graf Cajetan ist das Haupt der schwäbischen Linie. In’s Radetzky-Album schrieb der Staatsmann folgende, ihn und das Volk, das seiner Leitung anvertraut gewesen, charakterisirende Worte:

„Treu seinem Kaiser,
Tapfer gegen den Feind,
Wohlwollend gegen den leidenden Bruder:
So zeichnet die Geschichte den Tyroler“.

Tiroler Almanach 1803, S. 49–58: „Tirolische Landesvertheidigung im Jahre 1799.“ – Oestr. illustrirte Zeitung vom 20. Nov. 1854, Nr. 223, mit dem in Holz geschnittenen Porträt. – Kneschke (Ernst Heinrich Dr.), Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart (Leipzig 1852, T. O. Weigel, gr. 8°.) I. Theil, S. 86. – Grafenstands-Diplom vom 5. Aug. 1746 u. 18. Jän. 1747. – Wappen: 1) Für Jos. Ferdinand u. Jos. Cajetan: Ein zweifach in die Länge und dreifach quergetheilter Schild; im ersten blauen Felde zwei mit dem Rücken gegen einander aufrecht gestellte, an den Spitzen auswärts gekrümmte gelbe Arcieren Čuden (Scheren); im zweiten blauen Felde zwei freie offene mit den Sachsen einwärtsgekehrte Adlersflügel. Im dritten und sechsten schwarzen Felde auf grünem Rasen ein goldener Greif mit einem Schwerte; im vierten und fünften rothen Felde ein aus dem oberen linken Winkel aus Wolken hervorgehender geharnischter Arm, in der Hand eine gelbe Birne, mit dem Stängel abwärts gekehrt, und grünen Blättern. – 2) Für Karl Gottfried und Johann Heinrich: Dasselbe, nur fehlen die blauen Felder mit den gelben Scheren und sind diese dafür in einem blauen Herzschildlein vereinigt.