BLKÖ:Boos, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 61. (Quelle)
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Boos, Franz (Director der k. k. Hofgärten, geb. zu Frauenalp in Baden 23. Dec. 1753, gest. zu Wien 23. Febr. 1832). Sein Vater war Oberhofgärtner zu Rastatt und so fand Boos bei früher Neigung zur Gartenkunst bald Gelegenheit, in verschiedenen Gegenden die Eigenthümlichkeiten der Natur kennen zu lernen. Er trat zuerst (1771) in die Dienste des Fürst Dietrichstein, auf dessen Herrschaft Selowitz in Mähren er zwei Jahre unter dem Gärtner Lilie arbeitete. Nach dieser Zeit verwendete er sich durch die gleiche Zeit im fürstl. Liechtenstein’schen Garten zu Eisgrub als Gärtnergeselle; aber schon im J. 1776 gelang es ihm, durch Verwendung des Hofgärtners van der Schot in Schönbrunn angestellt zu werden. Kaiser Joseph II. hatte damals die Restauration des Schönbrunner Gartens beschlossen und sendete zu diesem Zwecke den Professor Märter nach Amerika. Boos begleitete diesen im Auftrage des Kaisers. [62] Sie traten im April 1783 die Reise an. B. ging nach der südcarolinischen Hauptstadt Charleston und machte eine große Ausbeute an Pflanzen aller Art. Nach zwei Jahren – 8. Sept. 1785 – nach einer mühseligen und beschwerlichen Reise kam er nach Wien mit kostbaren und reichen Sammlungen zurück und der Kaiser war über den Erfolg der Sendung so erfreut, daß er B. den Antrag machte, eine botanische Reise nach Afrika zu unternehmen. B. reiste nun in Gesellschaft des Gärtners Scholl (s. d.) noch in demselben Jahre ab. Anfangs Mai 1786 erreichten sie das Cap. Hier gab es wieder eine reiche Ausbeute von Naturalien, besonders an lebenden Pflanzen und seltenen Vögeln. Im Februar 1787 ging B. nach Isle de France und Bourbon. Diese beiden Inseln bereiste er unter dem Schutze des französischen Gouverneurs und sammelte wieder Pflanzen, Conchilien, Schmetterlinge, Kleider und Waffen der Bewohner von Madagascar, unter Anderem zwei große Bergkrystalle und zwei Wagen voll rothen, schwarzen und marmorirten Ebenholzes. Nachdem er während einer Fahrt durch den Canal von Mosambique in Gefahr war, alle diese Schätze bei einem heftigen Sturme einzubüßen, langte er endlich über die holländische Colonie Tafelbay am Cap, und über Gibraltar in Triest, und einige Monate darnach (22. Aug. 1788) wieder in Wien an. Die Sammlung, welche er mitgebracht, bestand aus zwei lebenden Zebra’s, zehn Affen, 250 lebenden Vögeln, und 10 Kisten ausgestopfter Vogel, Thierhäuten und Pflanzen aller Art. Die Kosten dieser Reise wußte B. so niedrig zu halten, daß ihm Kaiser Joseph als besonderen Beweis seiner Anerkennung 200 Ducaten schenkte, und eine Adjunctenstelle im holländischen Hofgarten und der Menagerie verlieh, wo er bald (1790) als Director fungirte. Im J. 1807 ward er zum Director sämmtlicher Hofgärten ernannt, und 1810 erhielt er den Titel eines kais. Rathes. Kränklich geworden trat er 1827 in den Ruhestand mit ganzem Gehalte und Beibehaltung seiner Wohnung, als Anerkennung seiner Tüchtigkeit und Redlichkeit. Er schrieb in Gemeinschaft mit seinem Sohne Joseph B., Hofgärtner und Ehrenmitgliede der botanischen Gesellschaft zu Regensburg, das Werk: „Schönbrunn’s Flora“.

Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 353 und VI. Bd. Supplem. S. 378. – Archiv f. Geographie, Historie etc. von Hormayr (Wien, 4°.) 1815, S. 756. – Oestr. Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde, Kunst und Literatur, herausg. von Riedler, II. Jahrg. (Wien 1832) Nr. 38, 39, 42 (Biographie) [dieser Aufsatz, anfänglich Wiederholung des im „Archiv 1815“ enthaltenen, ist nicht vollendet; enthält aber interessante Einzelnheiten aus B.’s Leben].