BLKÖ:Buol-Schauenstein von Friedberg, Straßburg und Ehrenfels, Karl Ferdinand Graf von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 204. (Quelle)
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Buol-Schauenstein von Friedberg, Straßburg und Ehrenfels, Karl Ferdinand Graf von[BN 1][BN 2] (Staatsmann, k. k. östr. Minister des Aeußern und kaiserlichen Hauses, Präsident der Ministerconferenz, geb. am 17. Mai 1797). Der Graf entstammt einem alten schweizer. Adelsgeschlechte [s. zu Ende die Quellen], ist der Sohn des Grafen Karl Rudolph[WS 1] u. der letzte männliche Sprosse dieses berühmten Zweiges. Karl Graf Ferdinand wurde nach einer gründlichen akademischen Bildung von seinem Vater in die akademische Laufbahn eingeführt. Mit 19 Jahren betrat [205] er dieselbe als Attaché bei den kais. Gesandtschaften von Florenz, Hannover und Kassel, und später in Frankfurt, wo sein Vater Präsident des deutschen Bundestages war. Im J. 1819 wurde er zum Legationssecretär im Haag ernannt; im J. 1822 als Gesandtschaftssecretär nach Paris geschickt, von wo er 1824 in gleicher Eigenschaft nach London ging und daselbst vier Jahre verblieb. Im J. 1825 ging er als Gesandter nach Karlsruhe und erhielt 1831 zugleich denselben Rang für den Darmstädter Hof. 1838 ging er in gleicher Eigenschaft nach Stuttgart. 1844 erhielt er den Titel eines kais. Geheimrathes und wurde als Gesandter an den Turiner Hof gesendet, bei welchem B. bis 1848 verblieb. Als Karl Albert ebenso im Widerspruche mit den königlichen Gebräuchen der civilisirten Diplomatie und des Völkerrechtes, als mit Verletzung der positivsten Freundschaftsversicherungen, seinen Truppen Befehl gab, die Gränze zu überschreiten und in die Lombardie einzufallen, ehe noch der Krieg erklärt war, verließ Graf Buol, den sein Hof ohne Instructionen gelassen, auf eigene Verantwortlichkeit die Hauptstadt Piemonts. Einige Zeit darauf wurde Graf Buol zum Gesandten am Hof von St. Petersburg ernannt. In der Zwischenzeit erhielt er den Auftrag, als zweiter Bevollmächtigter Oesterreichs – Fürst Schwarzenberg war der erste – zu den deutschen Conferenzen nach Dresden zu gehen. Während der Graf sich in Dresden aufhielt, wurde ihm ein neuer wichtiger Wirkungskreis angewiesen. Er erhielt den Gesandtschaftsposten in London, wo er sein Beglaubigungsschreiben am 18. Juli 1851 überreichte. Da wurde durch den plötzlichen Tod des Fürsten Felix Schwarzenberg in einem verhängnißvollen Augenblicke ein hochwichtiger Platz leer. Man brauchte einen Staatsmann, der mit allen wichtigen diplomatischen Persönlichkeiten Europas durch Umgang bekannt, mit den Verhältnissen der Höfe, der Lage der Staaten, und den Zuständen und Eigenthümlichkeiten der Völker vollständig vertraut war. Ein solcher Mann war Graf Buol, dem der Kaiser die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreichs und die Geschäfte des kais. Hauses am 12. April 1852 übertrug. Oesterreich hatte durch den Tod des Ministers Schwarzenberg den Mann verloren, dem es binnen wenigen Jahren seine Rettung aus der größten Gefahr, in der es je geschwebt, und seine rasche Erhebung zu neuem Ruhm zu danken hatte. Einen Augenblick schien der ganze Staat von dem unerwarteten Schlage wie gelähmt, und die Situation war umso verwickelter, als nach den trüben Tagen von Dresden und Olmütz Oesterreich sich berufen fühlte, eine neue übermächtige Stellung im Rathe Europa’s einzunehmen. In so kritischem Augenblicke übernahm Graf B. die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten. Was sein Vorgänger im Amte durch soldatischen Muth, durch geistvolle Aperçus und kühne Entschlüsse in und für Oesterreich erkämpft und geschaffen, sollte nun durch entschiedenes Festhalten an der Staatseinheitsidee geordnet und erhalten, mit weiser Mäßigung in Fleisch und Blut der Nation übertragen und durch geschickte Verknüpfung mit den Interessen des Auslandes zur allgemeinen europäischen Geltung gebracht werden. Dem Geschichtschreiber fällt es anheim, die unblutigen aber glänzenden Siege der Politik ausführlich darzustellen, welche Oesterreich unter dem Grafen Buol-Schauenstein gefeiert, wie unter ihm die Spannung, welche zwischen Oesterreich und England bestanden, gewichen, welche vortheilhafte Wendung die Verhältnisse mit dem französ. Hofe genommen, und wie sich der österreichische Einfluß im Oriente [206] so günstig gestaltete, daß dem Kaiserhause die bedeutendsten Zugeständnisse gemacht wurden. Hier ist nun das Wichtigste zusammenzufassen, was bisher unter und durch Minister Buol geschehen, und sich nur auf die gedrängteste Skizzirung der durch ihn eingeleiteten Beziehungen Oesterreichs zu den Großmächten zu beschränken u. z.: Die Anerkennung des Kaisers der Franzosen, die Zolleinigung mit Preußen, die denkwürdige Olmützer Zusammenkunft, die Sendung des Grafen Leiningen nach Konstantinopel, die Wiener Conferenzen, die endlosen Verhandlungen mit Rußland, die Aufforderung an die Seemächte, Rußland einen Termin für die Räumung der Donaufürstenthümer zu stellen, die ernste Aufforderung Oesterreichs an Rußland, die Moldau und Wallachei zu räumen, welche von der großartigen Truppenaufstellung an der Donau und in Galizien begleitet war; die Einigung der deutschen Staaten in der orientalischen Frage, wodurch der Vertrag mit den Westmächten vom 2. December eigentlich erst besiegelt wurde und endlich nach den langen Pariser Conferenzen der Abschluß des Pariser-Friedens, der Europa wieder die lang ersehnte Ruhe gab. Die „Grenzboten“, als sie über die „leitenden Staatsmänner Oesterreichs“ ausführliche Schilderungen folgen ließen, schrieben von dem Grafen Buol: „Der Graf gehört heute im besten Sinne des Wortes zu den populärsten Männern Europa’s. Er ist populär in Kreisen, welche sonst mit Geringschätzung von Popularität sprechen, populär in den Cabineten der Fürsten und Diplomaten. Aber ebenso populär in allen Volksclassen, soweit dieselben den größern politischen Interessen zugänglich und einer Theilnahme an der Zeitgeschichte fähig sind ... Die Anforderung, welche die Zeitgeschichte an unsere leitenden Staatsmänner stellt, ist die höchste. Jeder Moment erheischt einen neuen, aber vollen Entschluß. Jeder nächste Moment kann die Botschaft eines unerwarteten Ereignisses bringen. Die Berechnung, welche der politische Verstand eben anstellte, findet eine neue Vorlage. Hier hilft kein Rechenschlüssel, kein Buch voll der triftigsten Für und Wider, kein witziger Einfall, kein guter Rath, wie ihn eben ein Freund in der Noth zu geben pflegt, hier hilft nur der Mann selbst, aber der ganze Mann. Und ein solcher ist Graf Buol. Seine erbittertsten Feinde werden ihm die Anerkennung nicht versagen können, daß er „jeder Zoll ein Mann“ die großen Fragen unserer Zeit erfaßt und dieselben nach jeder Seite mit ganzer ungetheilter Kraft im Interesse Oesterreichs, Deutschlands und der mitteleuropäischen Machtstellung vertreten hat.“ Der Graf, mit unerschütterlicher Willenskraft ausgerüstet, besitzt zugleich eine völlige Leidenschaftslosigkeit und Selbstbeherrschung, Ruhe und Gemessenheit. Seiner Zwecke sich bewußt, steht jede seiner Aeußerungen, seiner Handlungen damit in Harmonie, und führt ihn unfehlbar zum Ziele. Das männliche, edle, ruhige, doch kräftige Verfahren in den verwickeltsten Zeitverhältnissen hat dem Staatsmanne im eigenen Volke die lebhafteste Begeisterung, in Deutschland die wärmsten Sympathien, in ganz Europa Hochachtung erworben, und der Graf zählt zu den bedeutendsten Staatsmännern der Gegenwart. – Aus seiner Ehe mit Karoline, Prinzessin von Isenburg-Birstein (geb. am 25. Nov. 1809), ist der Graf Vater zweier Töchter: Josephine (geb. am 10. Oct. 1835) und Alexandrine (geb. am 21. Febr. 1837). Von seinen drei Schwestern ist die älteste, Gräfin Karoline (geb. am 29. Mai 1796) unvermält geblieben, während die zweite Marie (geb. am 20. Mai 1798) – Sternkreuz- und Theresienordens-, sowie Palastdame [207] der Kaiserin Elisabeth – seit dem 20. Mai 1822 mit Karl, Reichsfreiherrn Vrints von Treuenfeld, k. k. Kämmerer und fürstl. taxischen Hofrath und Oberpostmeister zu Frankfurt a/M.; die dritte, Sophie (geb. am 14. Sept. 1800), seit dem 20. Febr. 1830 mit Peter Freiherrn von Meyendorf, kais. russischem wirkl. geh. Rath, Oberhofceremonienmeister und Mitglied des Reichsraths, gewesenem Gesandten am Wiener Hofe, verheiratet ist.

Allgem. Zeitung. 1856, S. 900. Correspondenz aus *Chur, 22. Febr. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, Weber, Folio) 1854, vom 11. Nov. [nach dieser ist der Graf am 17. Mai 1797 geboren] mit einem unähnlichen in Holzschn. ausgeführten Porträte. – Grenzboten (Leipzig, Herbig, Lex. 8°.) 1854 im Dec. [nachgedruckt in der Troppauer Zeitung 1854, Nr. 285 – und im Frankfurter Konversations-Blatte 1854, Nr. 303 und 304]. – Weser-Zeitung 1856, Nr. 3837 (im Feuilleton) [erzählt einen pikanten Zug aus dem Leben des Staatsmannes während der Pariser Conferenzen]. – Ergänzungs-Conversations-Lexikon. Von Dr. Fr. Steger. X. Bd. S. 393. – Correspondent von und für Deutschland (Nürnberg, kl. Folio) 1857, Nr. 74 im Feuilleton [erzählt einen Zwischenfall, die Unterzeichnung des Vertrages vom 2. Dec. 1854 betreffend]. – Fotografo (ein Mailänder Blatt) 1855, Nr. 15, S. 119 [setzt irrig den 17. März 1797 als Geburtsdatum an]. – Europa. Armenische Zeitung in Wien, 1855, Nr. 23. – Didaskalia (Frankfurt, 4°.) 1856, Nr. 42 [gibt den Grafen Buol irrig am 17. Mai 1799 geboren an]. – Klagenfurter Ztg. 1855, Nr. 106 [nach dieser – die ihre Mittheilung der „London Illustrated News“ entlehnt – wird Graf B. irrig am 17. Mai 1799 geboren angegeben). – Wiener Courier 1856, Nr. 46 [nach diesem ist Graf B. am 17. Mai 1797 geboren]. – Czas, d. i. Die Zeit (Krakauer Zeitung) 1856, Nr. 46. – Beilage zu Nr. 151 der Breslauer Zeitung 1856, S. 663 1. Spalte. – Neuer illustrirter Volkskalender für 1856. Herausgeg. von Menk-Dithmarsch (Wien, Zamarski, kl. 8°.). – Jurende’s illustrirter Vaterland. Pilger für 1856 (Wien, Zamarski, 4°.). – Kronstädter Ztg. 1856, Nr. 69, 70. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) VII. Bd. Sp. 790. [Nach dieser begann Baron Buol bereits 1790 seine diplomatische Laufbahn, obgleich er erst 1797 geboren ist. Daß aber unser Staatsmann darunter gemeint ist, erhellt aus dem Beisatze des Namens: „Diplomat autrichien contemporain“. Der Artikel ist zu zwei Drittel dem Artikel der Biographie des hommes vivants (Paris 1816, L. G. Michaud, 8°.) I. Bd. S. 515 nachgedruckt, der nicht den gegenwärtigen Minister des Aeußern, sondern seinen Vater betrifft (geb. 1763, dann Bundestags-Präsident in Frankfurt a/M., worin ihm 1822 Graf Münch-Bellinghausen folgte, gest. 12. Febr. 1834.] – Meyer (J.), Das große Conversat.-Lex. für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., 8°.) VI. Bd. S. 919. II. Suppl. S. 681. – (Kneschke (Ernst Heinr. Prof.), Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart (Leipzig 1852, Weigel, 8°.) I. Bd. S. 136 [mit Abbildung des Wappens, nach diesem ist der Graf am 17. Mai 1797 geboren]. – Porträt. Unterschrift: Graf Buol-Schauenstein. Gez. u. lithogr. von Kriehuber (Wien 1854, gedr. bei Joh. Stoufs, Folio). – In das Radetzky- Album schrieb Graf B. folgende Worte: „Der Same ist gesäet, die Pflanze reift aus gutem Boden auf zur Frucht.“ –

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Buol-Schauenstein, Karl Ferdinand Graf von [s. d. Bd. II, S. 204]. Trat nach der Katastrophe des Jahres 1859 von der Leitung der äußeren Angelegenheiten zurück, welche nach ihm Johann Bernhard Graf Rechberg übernahm. Der Graf hat sich ganz in’s Privatleben zurückgezogen. In seinem Familienstande sind folgende Veränderungen eingetreten: Seine Gemalin Karoline geborne Prinzessin von Isenburg-Birstein ist am 2. Jänner 1861 gestorben, seine beiden Töchter haben sich seither vermält, und zwar Gräfin Josephine (seit 1. September 1858) mit Gustav Grafen von Blome, die Gräfin ist Palastdame I. Maj. der Kaiserin Elisabeth; Gräfin Alexandrine (seit 6. October 1862) mit Coloman Reichsgrafen Hunyadi von Kéthely, k. k. Kämmerer und Oberst. [Bd. 11, S. 377.]
  2. Buol-Schauenstein, Karl Ferdinand Graf [Bd. II, S. 204; Bd. XI, S. 377], gest. zu Wien 28. October 1865.
    Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig, Karl B. Lorck, 4°.) I. Serie (1860), Sp. 119. – Neue freie Presse 1865, Nr. 420. – Konstitutionelle Volks-Zeitung (Wien), I. Jahrg. (1865, Nr. 106 [mit Bildniß im Holzschnitt]. – Fremden-Blatt. Von Gust. Ritter v. Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 300. [Bd. 23, S. 368.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Nach Anderen hieß er Johann Rudolph.