BLKÖ:Carcano, Giulio

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Caraman, Matteo
Nächster>>>
Careno, Aloisius
Band: 2 (1857), ab Seite: 279. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 119217791, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Carcano, Giulio|2|279|}}

Carcano, Giulio (Dichter, geb. in der Lombardei). Zeitgenosse. Ueber sein Leben ist wenig bekannt. Die unten angegebene Quelle theilt nur allgemeine Familienbeziehungen über den Dichter mit. Er trat zuerst im J. 1841 mit einem Bande Gedichte öffentlich auf, welche durch den Schwung der Sprache und ihre tiefe Empfindung Aufsehen erregten, und ihm einen Platz unter den besten neuern Poeten Italiens anwiesen. Im Jahre 1843 erschien seine poetische Novelle: „Ida delle Torre“, welche auf historischem Boden fußt und von der Kritik der „Ildegonda“ von Grossi, und der „Pia de’ Tolomei“ von Sestini an die Seite gestellt wurde. Im nämlichen Jahre gab er auch die „Racconti semplici“ (Mailand 1843, 16°.; 2. Aufl., Florenz 1853) heraus, worin er Szenen aus dem socialen und häuslichen Leben schildert. Seinen eigentlichen Ruhm als Dichter begründete seine Novelle: „Angiola Maria. Storia domestica“ (Mailand 1856, Colombo, Lex. 8°.), welcher eine zweite, betitelt: „Damiano. Storia d’ una povera famiglia“ (Mailand 1850, 2 Bde. 12°., mit K. K.) folgte. Ueber die letztere waren die Ansichten der Kritik getheilt. In beiden behandelt C. die grellen Mißverhältnisse des socialen Lebens, wie solche zuerst in der Heimat derselben, in Frankreich, den Stoff poetischer Productionen bildeten, und in allen möglichen Abarten sich in den übrigen Literaturen des Continents überlebt haben. Die oben bezeichnete Ausgabe der „Angiola Maria“ ist die letzte u. mit 150 fleißig gearbeiteten Illustrationen ausgestattet. – Ein anderes und bedeutendes Verdienst um die Literatur seines Vaterlandes erwarb sich C. durch die rhytmische Uebersetzung der großen dramatischen Schöpfungen Shakespeares, der den Italienern bisher nur durch die prosaische aber geschätzte Uebertragung von Carlo Rusconi vermittelt worden war. Von C. erschien im J. 1843: „König Lear“, dann „Hamlet“ 1847, dem bis 1853 noch neun Stücke, das letzte: „Der Kaufmann von Venedig“ folgten. Viele Arbeiten C.’s befinden sich zerstreut in periodischen Schriften und Almanachen Italiens, darunter in Predari’s „Raccolta di poeti satirici [280] italiani“, sein: „Discorso sulla storia della Satira in Italia“, in der „Storia di Milano di P. Verri“ (Florenz 1851, Le Monnier) der „Discorso sulla vita e sulle opere di Pietro Verri“; in der „Rivista Europea“ mehrere Biographien, darunter die des Rinaldo Giulini und der Agnesi. Auch dichtete Carcano das Libretto zur Oper „Claudia“, wozu Muzio die Musik componirte, und welche im September 1855 zur Aufführung gelangte. Ueberdies sind von Carcano viele Gelegenheits-Dichtungen in den in Italien üblichen „Per le nozze“ erschienen; als eines der schönsten wird sein Gedicht auf den Tod des Luigi Toccagni bezeichnet.

Cosmorama pittorico. Giornale storico, artistico v letterario ec. (Mailand, Folio) XX. Jhrg. III. Serie, 1855, Nr. 71–74: „Giulio Carcano e le sue opere“, von Giuseppe Bellini.