BLKÖ:Cignaroli, Giovanni Bettino

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 371. (Quelle)
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Cignaroli, Giovanni Bettino (Maler, geb. zu Salo bei Verona 1706, gest. zu Verona 1. Dec. 1770). War ein Schüler seiner Landsleute Sante Prunati und Balestra. Er studirte vier Jahre in Venedig die Werke von Giorgione, worauf er nach Verona zurückkehrte und dieses nie wieder verließ, obwohl er vortheilhafte Einladungen nach Parma, Madrid und Wien erhalten hatte. In Venedig hatte er Mehreres in Fresko gemalt, doch schadete diese Art zu malen seiner Gesundheit und er gab sie bald auf. C. malte viele Gemälde für Fürsten u. erhielt für seine Bilder auch fürstliche Preise. [372] Von seinen schönsten in Italien zahlreich vorhandenen Gemälden sind zu nennen: „Die h. Jungfrau und der selige Gregorio Barbarigo“ in der Kirche della Fava zu Venedig; – „Die Flucht der h. Familie nach Egypten in S. Antonio Abate zu Parma; – „Der sterbende h. Martin“ in der Martinskirche zu Trient; – „Die h. Dreifaltigkeit“ in Bergamo; – „Matzathias“ in der Kirche S. Maria Maggiore zu Bergamo; – „Die Kreuzabnahme“ zu S. Alessandro della croce ebenda; – „Das h. Abendmahl“ in der Kirche des Campo santo zu Ferrara; „Der Gab des h. Joseph“ in der Kathedrale zu Mantua. C. war aber auch ein kenntnißreicher, ja man kann sagen, ein gelehrter Künstler; Belege dafür sind seine: „Serie de pittori veronesi“ im 3. Bande der Cronaca dello Zagata abgedruckt und seine Anmerkungen zu Pozzo’s „Vite de’pittori, degli scultori e degli Architetti Veronesi“. C. las die lateinischen Classiker, war in der Physik bewandert und liebte die Dichtkunst, in derer sich auch, nicht ohne Glück, versuchte. Durch die Stiftung der in Verona noch bestehenden „Academia di pittura“, deren Director er war, so lange er lebte, und welcher er seine zahlreichen über die Kunst gesammelten Bücher vererbte, erwarb er sich ein schönes Verdienst, in Anerkennung dessen seine Büste im Sitzungssaale der Akademie ausgestellt wurde. Als Künstler wurde er zu seiner Zeit sehr hoch gehalten, ja überschätzt. Als Kaiser Joseph II. sein Atelier in Verona besuchte, soll er ausgerufen haben: „in Verona ho veduto due cose varissime, l’Anfiteatro e’I primo pittore di Europa“. Die architekton. Beiwerke und die Landschaft sind in seinen Bildern auf eine nicht alltägliche Weise angebracht. In seinen heil. Compositionen – welche den größern Theil seiner Arbeiten bilden – flicht er Engelscherze u. allerlei erheiternde Vorfälle ein. C. hat auch eine schlafende Venus nach D. Valesi geatzt. Als Mensch suchte er den im Plato gelesenen Satz, daß die Glücksgüter nöthig seien, um die Tugend zur Geltung zu bringen, zu verwirklichen.Giandomenico (geb. 1722, gest. zu Verona im J. 1793), Bruder des Vorigen und sein Schüler, von dem sich in Bergamo mehrere Gemälde befinden.Felice (geb. zu Verona 1725, gest. 1795), zweiter Bruder Giambettino’s und auch sein Schiller in der Malerei, war Minorit und in der Bernardinerkirche zu Verona hängt noch sein bestes Bild: „Das Mahl zu Emaus“.

[Bevilacqua, Ippolito] Memorie della vita di G. Cignaroli eccellente dipintor Veronese (Verona 1771, 4°.) daselbst sein Porträt. – Pompei (Girolamo), Orazione in morte di Cignaroli pittore Veronese (Verona 1771, 4°.), auch im VI. Bande seiner Werke. – Lanzi, Storia pittorica dell’ Italia. Edizione IV. (Pisa 1815) III. Bd.Gamba (Bartholomeo), Galleria dei Letterati ed Artisti illustri delle Provincie Veneziane nel secolo XVIII (Venedig 1824, 8°.) [daselbst sein von Musitelli gestochenes Porträt]. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allg. Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., 8°.) II. Bd. S. 539. – Müller (Fr. Prof.), Die Künstler aller Zeiten u. Völker. Nach den neuesten Quellen bearbeitet (Stuttgart 1857, Ebner und Seubert, Lex. 8°.) I. Bd. S. 327. – Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni. Studii storici (Venedig 1856). Giunte e correzioni ai cenni biografici, S. 124. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) X. Bd. Sp. 577 [gibt das Jahr 1772 als sein Todesjahr an; alle übrigen Quellen setzen das Jahr 1770 als Todesjahr, Dandolo den 1. Dec. als Todestag an].