BLKÖ:Döbler, Georg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Dóby, Eugen
Nächster>>>
Döbler, Ludwig
Band: 14 (1865), ab Seite: 424. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 116152524, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Döbler, Georg|14|424|}}

* Döbler, Georg (Kupferstecher, geb. zu Prag 20. April 1788, Todesjahr unbekannt). Als er erst zwölf Jahre alt war, verlor er bereits seinen Vater. Da er gute Anlagen zum Zeichnen verrieth, kam er zu Professor Steinsky, einem geschickten Schriftstecher, in die Lehre; zum Kupferstecher bildete er sich anfänglich selbst heran. Nach einigen mißlungenen Versuchen begann er Blätter zu radiren und arbeitete für einen Kunsthändler, der ihm versprach, ihn das Aetzen zu lehren, mehrere Blätter für ein ABC-Büchlein und erhielt von seinem großmüthigen Mäcen 20 kr. C. M. für eine Platte!! und – was jedenfalls das Beste war – den Rath, die Akademie zu besuchen, die damals unter Bergler’s [Bd. I, S. 309] Leitung stand. B. befolgte diesen Rath, erhielt bald Beschäftigung und war so glücklich, die Aufmerksamkeit des Fürsten Isidor Lobkowitz auf sich zu lenken, der dem strebsamen Jünglinge eine monatliche Unterstützung zukommen ließ. Als bald darauf Professor Postl eine Landschaftsschule gründete, wurde auch D. sein Schüler und errang bald mit der Copie eines Gallerie-Gemäldes von Brand den Preis. Indessen übte er fleißig die Kupferstechkunst, erhielt zahlreiche Aufträge, freilich weniger zu rein künstlerischen Arbeiten, desto mehr zu solchen, welche ihm ein genügendes Einkommen verschafften, wie Neujahrskarten, Heiligenbilder u. dgl. m. Von seinen Stichen sind besonders anzuführen mehrere kleine, durch charakteristische Behandlung ausgezeichnete [425] Blätter mit Architectur und Landschaften, mit der Nadel und dem Grabstichel (1824) ausgeführt; mehrere Blätter in Aquatinta für die deutsche Uebersetzung von Forbin’s Reisen; die Blätter zur Klar’s und Ignaz Nowak’s Beschreibung des St. Veitsdomes und eine Ansicht von Neapel nach Goldstein. Als im Jahre 1820 der Buchhändler Haas in Wien das Kupferstichwerk: Die k. k. Belvedere-Gallerie herausgab, erhielt auch D. Auftrag, einige Platten zu stechen und seine Blätter: Viehstücke nach Berghem und H. Roos, Landschaften nach Everdingen, Moucheron und Pynaker, ein Blatt nach Saaftleven, der Seehafen nach Lingelbach, der Jahrmarkt nach P. de Laar, eine Dorfplünderung nach David Teniers dem Jüngeren, u. m. a. bekunden es, daß er geschickt mit dem Grabstichel umzugehen verstand. Die in jener Zeit in England mit Erfolg durchgeführte Benützung von Stahlplatten an Stelle der Kupferplatten, wodurch der Abdruck von den feinsten Stichen um viele Tausend Blätter vermehrt wurde, ließ D. auf ein Verfahren sinnen, auch Platten aus gewalktem Stahlblech zu erzeugen und diese dann, nachdem sie gehörig geschliffen waren, mit dem Grabstichel zu bearbeiten. Sein erster Versuch, „ein Christuskopf“, fiel über alle Erwartung gut aus; er setzte somit seine Versuche fort und fand, daß dasselbe Mittel, dessen man sich auf Kupfer bediente, nämlich Scheidewasser mit gutem Weinessig vermischt, auch auf Stahl vortheilhaft anzuwenden sei. Der glückliche Erfolg seiner Versuche war alsbald auch nach anderer Seite nutzbringend. Da sich von einer solchen Stahlplatte 40–50.000 gute Abdrücke abziehen ließen, nahm Graf Chotek Anlaß, statt der gewöhnlichen Neujahrsgratulationen die sogenannten Enthebungskarten einzuführen (es waren dieß in Stahl gestochene Blätter im Duodezformat mit einer sinnigen Vignette), durch deren Erlös den Armen eine namhafte Unterstützung zufloß. Solcher Neujahrskarten stach D. mehrere mit Bildern aus der Bibel, aus der böhmischen Geschichte nach Führich’s Zeichnung. Die angestrengte Beschäftigung in Ausübung seiner Kunst hatte aber D.’s Gesundheit angegriffen, wozu sich noch ein tieferer Schmerz durch den Verlust zweier hoffnungsvoller Kinder gesellte. Da nahm sich der Propst zu Neuhaus, Adalbert Juhn, des so schwer heimgesuchten Künstlers an und lud ihn ein, seine übrige Lebenszeit bei ihm in ländlicher Ruhe und Einsamkeit zuzubringen. D. nahm den Antrag an und lebte fortan seiner Kunst, die er ganz nach seinem Behagen ausübte. Zu Ende der dreißiger Jahre war D. noch am Leben.

Oesterreichischer Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1836, S. 1528: „Zur Kupferstecherkunst. Georg Döbler“. Von Phil. E. Holm. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, Fleischmann, 8°.) Bd. III, S. 426.