BLKÖ:Daverio, Michael Paulus Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Dauthage, Adolph
Band: 3 (1858), ab Seite: 175. (Quelle)
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Daverio, Michael Paulus Franz (Geschichtschreiber, geb. zu Vergiata in der Nähe des Lago maggiore 4. Oct. 1770, gest zu Mailand 31. Dec. 1824). Im Hause seines Oheims – da er früh die Eltern verloren – erzogen, widmete er sich dem geistlichen Stande, trat 15 Jahre alt, in’s Seminar des helvetischen Collegiums und bezog 21/2 Jahre später die Universität Pavia. Mit Eifer verlegte er sich auf die philosophischen und theologischen Studien und erhielt nach 4 Jahren die theologische Doctorswürde. Nun begann er das Studium der Rechte und erhielt darin nach 2 Jahren auch die Doctorswürde. Seinem Oheim zu Liebe nahm er die Priesterweihe, übte einige Jahre kirchliche Verrichtungen, trat aber, als Bonaparte Mailand einnahm und von der cisalpinischen Republik der Aufruf an die jungen Geistlichen erging, ihren Stand zu verlassen, 1796 mit Bewilligung seines Onkels aus dem geistlichen Stande. In französische Dienste tretend, fungirte er zuerst als Secretär im Ausschusse für den öffentlichen Unterricht, nach Aufhebung desselben im Fremdenbureau der Polizei und später im Archive der Republik. Zugleich leistete er Dienste als Nationalgarde und verließ, als 1799 die Oesterreicher Mailand besetzten, mit französischen Truppen seine Vaterstadt. Im Kriegsdienste brachte er es zum Artillerie-Officier, machte mehrere Schlachten mit, diente einige Zeit als Adjutant des General Mainoni und erhielt in der Schlacht von Marengo eine Wunde, welche eine gänzliche Lähmung seines Fußes und seinen Austritt aus dem Militärdienste zur Folge hatte. Nun wurde er Oberaufseher des Archives in Mailand. Eine Wendung seines Geschickes trat ein, als 1814 die Oesterreicher neuerdings Besitz von Mailand nahmen. Auf dem Formular, welches allen Angestellten zur Einschreibung ihres Namens, der Religion u. dergl. m. vorgelegt worden, unterschrieb er sich als „Christ“. Man ließ diese Unterschrift nicht gelten, D. nahm seine Entlassung und übersiedelte nach Zürch. Dort lebte er in stiller Zurückgezogenheit der Erziehung seiner drei Kinder, beschäftigte sich mit Ertheilen des Unterrichtes in der italienischen Sprache und in der Diplomatik. Seine Gattin hatte ihn mittlerweile verlassen und war nach Mailand zurückgekehrt. 1819 trat er zur protestantischen Kirche über, wodurch er sich und seinen Kindern das Zürch’sche Indigenat erwarb. Als Geschichtschreiber seines Vaterlandes gab er heraus: „Memorie sulla storia dell’ Exducato di Milano risguardanti il dominio de Visconti, estratte dell’ Archivio di quei Duchi“ (Mailand 1804, Mainardi, 4°.). Davon erschien nur der erste Band. 6 andere Bände befinden sich in Handschrift in der Brera zu Mailand; sie behandeln die Regierungsepoche der Sforza. Ein anderes Werk D.’s ist: „Prospetto dello stato militare in Lombardia e particolarmente in Milano dal tempo dei Longobardi sino al principio del Secolo XV“ (Mailand 1813, 8°.). Auch sind zahlreiche dramatische Spiele in italienischer Sprache, welche D. für seine Kinder gearbeitet, in Handschrift vorhanden. Im Archiv des Vereins deutscher Geschichtforscher sind D.’s Nachweisungen über den Gebrauch italienischer Archive für die Zwecke dieses Vereins abgedruckt.

Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und [176] Künste (Leipzig 1822 u. f., Gleditsch, 4°.) I. Sect. XXIII. Bd. S. 207, von Escher. – Predari (Francesco), Bibliografia enciclopedica milanese ... (Mailand 1857, Carrara, 8°.) S. 139 und 525. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibliogr. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 3. Abth. S. 1036 und II. Suppl. S. 1306.