BLKÖ:Diesbach, Johann Friedrich Graf von, Fürst von St. Agatha

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 289. (Quelle)
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Diesbach, Johann Friedrich Graf von, Fürst von St. Agatha (kais. Feldzeugmeister, geb. zu Freiburg in der Schweiz 1677, gest. zu Freiburg 1751). Entstammt einem altadeligen Geschlechte der Schweiz, das mehrere hervorragende Glieder zählt. Erhielt eine sorgfältige Erziehung, trat 1695 in französische Kriegsdienste bei dem Schweizer Garderegiment, gab bei mehreren Gelegenheiten in den Niederlanden Proben seltener Tapferkeit, nahm aber, da man ihn bei militärischen Beförderungen zurücksetzte, seinen Abschied. Jetzt trat er in österr. Dienste, wurde 1714 Generalmajor und commandirte in dem 1716 begonnenen Türkenkriege die Avantgarde der österr. Armee. In diesem Kriege, insbesondere in der Schlacht bei Peterwardein und bei den Belagerungen von Temesvár und Belgrad, that er sich durch Heldenmuth und Einsicht so hervor, daß ihn Kaiser Karl VI. 1718 in den Reichsgrafenstand erhob. Im italienischen Feldzuge hielt er eine harte Belagerung in der Festung Melazzo ruhmvoll aus, wurde im Treffen bei Francavilla gefährlich verwundet, und noch nicht ganz genesen, wagte er bei der Einschließung von Messina zwei Stürme auf die Stadt mit beispielloser Bravour. Kaiser Karl VI. zeichnete ihn durch Erhebung in den sicilianischen Fürstenstand (22. Mai 1722) mit dem Prädicate von St. Agatha für ihn und seine erblichen Nachkommen aus und ernannte ihn zum Gouverneur von Syracus. In der Schlacht bei Parma 1734, in welcher er den rechten Flügel der kais. Armee befehligte, bewies er neuerdings so außerordentliche Bravour, daß ihn der Kaiser mit Lobsprüchen überhäufte. Auch wurde er bei dieser Gelegenheit wieder und schwer verwundet. Aus den Kriegsdiensten zog er sich in seine Heimat zurück, wo er von einer ansehnlichen Pension mit dem Charakter eines Ehren-, Kriegs- und Staatsrathes bekleidet lebte und den Freiburg’schen Rathsversammlungen beiwohnte. Als D. im Alter von 74 Jahren starb, ging nach seiner letztwilligen Anordnung das Fürstenprädicat mit einem Vermächtnisse von 70,000 Thalern, weil er kinderlos war, auf seinen Neffen Johann Joseph Georg Herrn zu Turney über, der sich aber nie des fürstlichen, sondern nur des gräflichen Titels bediente.

Moreri, Dictionnaire historique. – Chronique de la Suisse de Mich. Stetler (Berne 1623). – Oestr. Militär-Konversat.-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld u. Dr. Meynert (Wien 1851) II. Bd. S. 79. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 709. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften u. Künste (Leipzig 1822 u. f., Gleditsch, 4°.) I. Sect. 25. Bd. S. 76.