BLKÖ:Diwisch, Procop

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 324. (Quelle)
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Diwisch, Procop[BN 1] (Erfinder des Blitzableiters, geb. zu Senftenberg, böhmisch Ziamberg, in Böhmen 1. Aug. 1696, gest. 21. Dec. 1765). Besuchte die Schule in Znaim, kam dann in’s Prämonstratenserstift Bruck, wo er die Philosophie hörte und später selbst in den Orden aufgenommen wurde. Nachdem er [325] die Theologie studirt, erhielt er 1726 die Priesterweihe und primicirte am 8. Dec. desselben Jahres. Nun wurde D. Professor der Philosophie im Stifte und begleitete der Erste seine Vorlesungen über Physik mit verschiedenen Versuchen. Am 5. Aug. 1733 erhielt er die theologische Doctorwürde. Als er später Pfarrer zu Prenditz bei Znaim wurde, trieb er in seinen Erholungsstunden physikalische Studien, namentlich die Eigenschaften des Wassers und Feuers erforschend. Im Jahre 1741 mußte er die Priorstelle im Kloster Bruck und später beim Eindringen der Feinde die Verwaltung des ganzen Stiftes übernehmen. Seine hydraulischen und electrischen Experimente setzte er fleißig fort. Nachdem die Ruhe in Mähren wieder hergestellt war, kehrte D. auf seine Pfarre Prenditz zurück, lag seinen physikalischen Studien ob und sein Ruf als geschickter Experimentator drang bis zum kaiserlichen Hofe. Kaiser Franz, der Gemal der großen Maria Theresia, ein Liebhaber der Naturkunde, berief D. nach Wien und er mußte bei Hof seine electrischen Versuche anstellen. Mit goldenen Medaillen reich beschenkt, kehrte D. in seine Pfarre zurück. Wie D. im J. 1750 bei den physikalischen Experimenten des Jesuiten und gelehrten Mathematikers P. Franz die mit Electricität geladenen Körper unelectrisch machte; wie er im J. 1753, als Professor Richmann in Petersburg bei einem Wetterexperimente mit eisernen Stangen vom Blitze erschlagen worden, in einer Abhandlung die Gefährlichkeit der Methode, welche Richmann anwendete, erörterte, zugleich aber die Methode angab, wie man das electrische Feuer aus den Wetterwolken ohne Gefahr leiten und der Erde zuführen könne; endlich die ganze Construction und Abbildung des am 15. Juni 1754 von D. unweit seiner Wohnung aufgestellten Blitzableiters, wo unter Einem für D. die Priorität der Erfindung des Blitzableiters, welche man allgemein Franklin zuschreibt, in Anspruch genommen wird; dies alles erörtert Pelzel ausführlich in seinem Werke: „Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler“ S. 175–181. Später mußte D. seine Versuche aufgeben, weil die unwissende Land-Bevölkerung den trockenen Sommer des J. 1756 dem von D. aufgestellten Blitzableiter zuschrieb, und denselben zerstörte. Ueber den Rath seiner Obern unterließ es D., den Ableiter neuerdings aufzustellen. Derselbe kam in’s Kloster nach Bruck. Auch hatte D. ein musikalisches Instrument erfunden, welches er Denis d’or nannte, und das die Töne aller Saiten- und Blasinstrumente nachahmte und mit Händen und Füßen wie die Orgel gespielt werden konnte. Prinz Heinrich von Preußen bot D. eine bedeutende Summe dafür an, aber während der Unterhandlungen starb der Erfinder und das Instrument blieb im Kloster Bruck. Näheres darüber theilen Gerber und Pelzel mit. Durch den Druck veröffentlichte D. folgende Schriften: „Tractatus de Dei unitate sub inscriptione Α et Ω“ (1733); – „Die längst verlangte Theorie von der meteorologischen Electricität“ (Tübingen 1765, 2. Aufl. 1768, 8°.). – Ein großes Werk über die Electricität ist Handschrift.

Kommt auch öfter als Diviss vor. – Pelzel (Franz Martin), Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler (Prag 1777, J. K. Hruba, 8°.) III. Thl. S. 172 [nach diesem geb. 1. August 1696, gest. 21. Dec. 1765]. – Gerber (Ernst Ludwig), Historisch-biograph. Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790, Breitkopf, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 314 [nach diesem geb. 1796]. – Desselben Neues histor.-biogr. Lexikon der Tonkünstler (Ebend. 1812, Kühnel, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 906 [nach diesem geb. zu Senftenberg in Böhmen 1699]. – Porträt. Unterschrift: Procopius Diviss. Ohne Angabe des Zeichners und Stechers (in Pelzels Werke). – Wie [326] Diwisch seiner Zeit in Ehren gehalten worden, beweist das folgende, auf ihn gedichtete Distichon:

Non laudate Jovem gentes! Quid vester Apollo?
Iste magis Deus est fulminis atque soni.

(Höret doch auf zu prahlen mit Jupiter und mit Apollo;
Er ist des Tons und des Blitzstrahls größerer Gott!) –

Als Diwisch 1755 dem Kaiser Franz den Vorschlag machte, Wetterleiter zu errichten und der Monarch die Wiener Mathematiker in der Sache um ihre Ansicht befragte, sprachen sich diese dagegen aus, und Abt Marci schrieb an Diwisch: „Blasphemant quae ignorant.“ Erst im J. 1775 wurde auf dem gräflich Nostiz’schen Schlosse zu Micschitz der erste und 1776 auf dem Wyssehrad in Prag der zweite Blitzableiter errichtet.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Diwisch, Prokop [Bd. III, S. 324].
    Neuigkeiten (Brünner polit. Blatt) 1864, Nr. 184, im Feuilleton: „Prokop Diwisch, [391] der erste Erfinder des Blitzableiters“ [enthält nichts, was nicht schon der 10 Jahre früher erschienene Artikel meines Lexikons, der für Diwisch die Erfindung des Blitzableiters in Anspruch nimmt, gebracht hat]. – Presse 1867, Nr. 112: „Blitzableiter“. [Bd. 24, S. 390.]