BLKÖ:Ettingshausen, Andreas Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ettinger, Alois
Band: 4 (1858), ab Seite: 109. (Quelle)
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Ettingshausen, Andreas Ritter von[BN 1] (Mathematiker und Physiker, geb. zu Heidelberg 25. Nov. 1796). Sohn des General-Majors Constantin von Ettingshausen (s. d. Folgend.). Erhielt den ersten Unterricht zu Essek in Slavonien, und besuchte dann die Schulen in Zombor, Neusatz, Pesth und Erlau, den verschiedenen Standorten seines Vaters. Im J. 1809 kam E. nach Wien, wo er nach vollendetem Gymnasial-Unterrichte die Philosophie und Rechte studirte, zugleich aber in der Absicht, sich zum Generalstabs-Officier auszubilden, durch 5 Jahre die Elemente des Infanterie- und Cavalleriedienstes [110] sich eigen machte und auch die Bombardierschule besuchte. Mathematik ward Ettingshausens Lieblingswissenschaft. Als der Abschluß des allgemeinen Friedens die Absicht, in den Militärstand zu treten, vereitelte, bewarb sich E. um den Posten des Adjuncten der Mathematik und Physik an der Wiener Hochschule, den er 1817 erhielt. 1819 kam er als Professor der Physik nach Innsbruck, 1821 als jener der höhern Mathematik nach Wien zurück, welches Lehrfach er 1834 mit der Physik vertauschte, und bis 1848 inne hatte. In diese Zeit fallen E.’s populäre von allen Ständen reich besuchte Vorträge aus der Physik und seine Collegien der höhern mathematischen Physik, welche in Vollständigkeit des Gegenstandes und Tiefe der Behandlung keinem der gleichartigen Vorträge an andern deutschen Hochschulen nachstanden. Die ihm bei Errichtung der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, an deren Begründung E. wesentlichen Antheil hat, übertragene Stelle eines beständigen Generalsecretärs derselben, gab er aus eigenem Antriebe auf, als ihm bei der Reform, welche mit der kais. Ingenieurakademie vorgenommen wurde, die Leitung der mathematischen Studien derselben übertragen wurde. Als aber im Jahre 1852 diese Anstalt in eine rein militärische Genie-Schule verwandelt wurde, trat E. zum polytechnischen Institute über, wo er 1852 die Ingenieur-Wissenschaft vortrug. Im folgenden Jahre kam E. zur Universität, um die von Christ. Doppler (s. d. II. Bd. S. 370) begonnene Organisation des physikalischen Institutes daselbst durchzuführen, welche gegenwärtig eine Zierde der Wiener Hochschule bildet. Ettingshausens wissenschaftliche Schriften machen sich nicht durch ihre Menge, aber durch ihre Gediegenheit bemerkbar. Sie sind: „Die combinatorische Analisis, als Vorbereitungslehre zum Studium der theoretisch. höhern Mathematik“ (Wien 1826); – „Vorlesungen über höhere Mathematik“, 2 Bde. (Ebd. 1827); – „Anfangsgründe der Physik“ (Eb. 1844, 2. Aufl. 1845, 3. Aufl. 1853); – gemeinschaftlich mit A. Baumgartner, die 6. und 7. Aufl. der Naturlehre des Letzteren (1839 und 1842); und mehrere Abhandlungen in der in Verbindung mit Baumgartner herausgegebenen „Zeitschrift für Physik und Mathematik“, in Poggendorfs „Annalen“ und in den „Sitzungsberichten der mathematisch naturwissenschaftlichen Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften“. Am 14. Mai 1847 wurde E. zum wirkl. Mitgliede, am 29. Juni 1847 zum General-Secretär und Secretär der mathematisch naturwissenschaftlichen Classe ernannt, aber am 4. Mai 1850 auf sein Ansuchen beider Stellen enthoben. Viele wissenschaftliche Vereine haben E. zum Mitglied ernannt, der Monarch hat aber den Gelehrten für seine Verdienste durch das Ritterkreuz des Leopoldordens (Ende August 1856) ausgezeichnet und in Folge dessen im nächsten Jahre in den Ritterstand erhoben.

Gallerie ausgezeichneter Naturforscher, herausg. von Georg Andr. Lenoir (Wien 1854 u. f., gr. Fol., mit Porträt). – Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften für 1851 (Wien) [daselbst das Verzeichniß seiner selbständigen Werke und in Sammelwerken erschienenen Abhandlungen]. – Register zu den ersten 10 Bänden der Sitzungsberichte der mathemat.-naturwiss. Classe (Wien 1854). – Dasselbe zu den zweiten 10 Bänden (Ebd. 1856) [enthält die Uebersicht der in denselben enthaltenen Abhandlungen dieses Gelehrten vom J. 1848–1856]. – Porträte. Facsimile der Unterschrift: Andreas von Ettingshausen. (Dauthage 1853, n. d. Nat. gez. u. lithogr., gedr. bei Höfelich, Wien bei Jos. Bermann, Fol.) – 2) Facsimile der Unterschrift: A. v. Ettingshausen. Rud. Hoffmann 1856. Nach einer Photographie von C. von Jagemann. Verlag von G. A. Lenoir in Wien, Folio. (Gehört in die „Gallerie ausgezeichneter Naturforscher.“) – Ritterstands-Diplom vom 11. Febr. 1857. – Wappen. Ein gevierteter Schild. Oben im rechten rothen Felde ein Reiter auf weißem Pferde über grünem Boden [111] einhersprengend. Der Reiter trägt grünen Pelz und Dolman mit goldenen Schnüren und schwarzem Besatz, rothes Beinkleid und schwarze Halbstiefel mit goldenen Sporen; schwarzen Czako mit schwarzgelbem Federbusche, goldener Borte und Schnüren, und schwingt einen Säbel mit goldenem Gefäß über sich. Das Pferd hat eine rothe, goldenverbrämte Decke und ist schwarz geschirrt. Im oberen linken blauen Felde ist ein achtspitziger goldener Stern. Unten im rechten goldenen Felde zwei blaue Lilien über- und zwei grüne Kleeblätter nebeneinander in’s Kreuz gestellt. Im unteren linken rothen Felde ein Ritter auf weißem Pferde über grünem Boden einwärtssprengend. Der Ritter im blanken Harnisch mit offenem Helm und rothem Helmkamm, schwingt einen Säbel am goldenen Gefäße über sich. Das Pferd trägt eine rothe goldverbrämte Decke. Auf dem Schilde ruhen zwei gekrönte Turnierhelme, aus deren Kronen die entsprechenden Embleme des Wappens, und zwar aus der des rechten Helms der übergebogene, geharnischte, einen Säbel schwingende Arm, aus der des linken ein mit dem goldenen Sterne belegter, vorn blauer, hinten goldener Adlerflug hervorwachsen.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Ettingshausen, Andreas Freiherr von [Bd. IV, S. 109]. Erhielt mit Allerh. Entschließung vom 8. Mai 1866 Titel und Charakter eines Hofrathes, mit Allerh. Entschließung vom 1. October d. J. den Orden der eisernen Krone 2. Classe, welchem zu Folge im Februar 1867 seine Erhebung in den Freiherrnstand statthatte.
    Waldheim’s Illustrirte Blätter (Wien) 1862, Nummer vom 16. October. [Bd. 24, S. 407.]