BLKÖ:Faster, Peter

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 4 (1858), ab Seite: 152. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Faster, Peter|4|152|}}

Faster, Peter[BN 1] (Parteigänger aus dem Jahre 1848, geb. zu Domažlice in Böhmen 29. Juni 1801). Sein Vater, ein wohlhabender Bürger zu Domažlice, soll aus der Schweiz stammen. Die Mutter war eine Čechin, der Sohn besuchte die Schule seines Geburtsortes, wo der Unfug, daß jener Knabe, welcher in der Schule böhmisch sprach, das Signum, nämlich einen gemalten Eselskopf, umgehängt tragen mußte, gerade die entgegensetzte Wirkung hervorbrachte, das heißt, statt der beabsichtigten Unterdrückung der vaterländischen Sprache, für dieselbe die Liebe und den Eifer verdoppelte. Nachdem F. in Prag einige Jahre die lateinischen Schulen besucht, erlernte er die Müllnerei und durchwanderte Böhmen, Mähren, Oesterreich und Steiermark. 1823 kehrte er nach Prag zurück. Im folgenden Jahre heiratete er und betrieb in der Nähe Prags einen Kleinhandel, später pachtete er die Mühle zu Slatensk bei Karlstein. Um jedoch seinen Kindern eine bessere Erziehung zu geben, trachtete er in die Nähe Prags zu kommen und ging zuerst nach Smichow, bis er zwei Jahre später nach Prag übersiedelte, wo er 1840 das čechische oder slavische Kaffeehaus im Königsbade eröffnete, ein čechisches Schild vor das Haus hing, nur Zeitungen in slavischer Sprache hielt und so jene Elemente nährte, deren Ausbruch im J. 1848 Unheil über die Stadt und ihre Bevölkerung brachte. Mit diesem Jahre beginnt auch die politische Rolle Fasters, von deren Erfolgen seine Frau und zwei Töchter geleitet, mit ihren Nationalgewändern so zu sagen die Losung zum Anlegen der Nationaltracht gaben, in welcher sich nun die böhmischen Frauen der nationalen Partei öffentlich zeigten. Die politischen Blätter jener Tage sind reich an Mittheilungen „über Peter Faster, seine Frau und zwei Töchter“ und wir verweisen in Betreff der Rolle, welche diese Familie in jener denkwürdigen Epoche gespielt, auf dieselben wie auf die unten bezeichnet ausführliche aber keineswegs unbefangene Quelle.

Rittersberg, Kapesní slovníček, d. i. Taschen-Wörterbuch (Prag 1850, Pospišil, 16°.) I. Bd. S. 329–342.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Faster, Peter [Bd. IV, S. 152], der berüchtigte sogenannte „Herzog von Böhmen“, gestorben zu Prag 19. November 1868).
    Wochenblatt für Karlsbad 1868, Nr. 49. – Bohemia (Prager polit. u. Unterhaltungsblatt, 4°.) 1868, Nr. 281, Beilage. – Egerer Zeitung 1868, Nr. 48, Beilage. – Svoboda d. i. die Freiheit (Prager čechisches Blatt, schm. 4°.) 1868, Nr. 22. [Bd. 26, S. 376.]