BLKÖ:Festetics, Georg Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 209. (Quelle)
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Festetics, Georg Graf (Humanist, geb. in Ungarn 1754, gest. ebenda zu Keßthely 2. April 1819). Sohn des Kammerpräsidenten Paul Festetics v. Tolna, dem die Kaiserin Maria Theresia seiner vielen Verdienste wegen um Hebung der Obstbaum-, Seidenzucht und Volkswirthschaft die Grafenwürde verliehen hatte, und Enkel Josephs, des Generals der Cavallerie (s. d. Folgd.). Im Geiste des Vaters fuhr der Sohn Graf Georg fort. Zuerst stand er in den Reihen der Vertheidiger des Vaterlandes; als Hußaren-Oberstlieutenant verließ er aber 1790 dieselben, die Verwaltung der großen Güter übernehmend, die er vom Vater ererbt. In dem von seinem Vater erbauten Schlosse zu Keßthely begründete er nun die landwirthschaftliche Anstalt Georgikon, in welcher fähige Leute zu wissenschaftlich gebildeten Oekonomen erzogen werden sollten, und wodurch er zur Hebung der Landwirthschaft in Ungarn wesentlich beigetragen. 1802 verband er mit dieser Anstalt einen 3jährigen Veterinär-Lehrkurs und stiftete im ehemaligen Franciskaner-Kloster eine lateinische Schule, das nachmalige fünfclassige Gymnasium, mit welchem er dann ein adeliges Convict verband, welches um 1809 nach Oedenburg übersiedelte; ferner eine Elementarschule, eine Bürgerschule, eine Zeichnen- und Musikschule, ein Landschulmeister-Seminar, ein Hospital zur unentgeltlichen Aufnahme von armen Kranken und ein Bad, das aus der natürlich warmen Quelle des Baches Héviz seinen Zufluß erhielt. Dem Reichstage von 1802 bot der Graf 40,000 fl. zur Errichtung einer Militär-Akademie in Ungarn an. 1803 stiftete er ein Convict in Pesth und 1814 eine Schafpockenimpfungs-Anstalt in Keßthely. Es ist dies nur die Erwähnung des allgemein Nützlichen, [210] das dieser edle Magnat in’s Leben gerufen. Leider ist die einst so blühende landwirthschaftliche Schule zu Keßthely im J. 1841 aufgelöst worden. Zur vollen Würdigung dieses liebenswürdigen Charakters verweisen wir auf die lebendige Charakterskizze von Vas Gereben in dem unten bezeichneten Werke, worin uns ein Aristokrat von reinstem Wasser und seltenster Art dargestellt wird.

Magyar néplap, d. i. Ungar. Volksblatt (Pesth, 4°.) 1856, Nr. 3, S. 20: „Gr. Festetics György“ [mit des Grafen wohlgetr. Xylogr.] Auch das Probeblatt des „Magyar néplap“ enthält eine Lebensskizze des Grafen F., beide sind von Emmerich Vahot, im Texte verschieden, in der Sache selbst einheitlich. – Vas Gereben, Regi képek, d. i. Alte Bilder (Pesth 1856, Geibel, 8°.) I. Bd. S. 65–94 [eine in novellistischer Form gehaltene Charakterskizze des Grafen]. – Dieselbe in deutscher Sprache im „Oedenburger Intelligenz- und Anzeigeblatt“ 1856, Nr. 95 u. 96 – und im „Pesther Lloyd“ 1856, Nr. 238. – Oesterreichs Pantheon (Wien 1831, 8°.) III. Bd. S. 105: „Das adelige Convict zu Oedenburg.“ – [Kneschke, Ernst Heinr. Dr.] Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart (Leipzig 1854, Weigel, gr. 8°.) III. Bd. S. 117. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser auf das Jahr 1855 (Gotha, 32°.) XXVIII. Jahrg. S. 235. –