BLKÖ:Radakovics, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 24 (1872), ab Seite: 169. (Quelle)
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Radakovics, Joseph, bekannt unter dem Pseudonym Vas Gereben (ungarischer Romanschriftsteller, geb. zu Fürged im Tolnaer Comitate 9. April 1823, gest. zu Wien 26. Jänner 1868). Sein Vater Michael war Hofrichter in Diensten des Fürsten Batthyány. Der Sohn besuchte die unteren Schulen in Veszprim und Stuhlweissenburg, dann in Fünfkirchen, und widmete sich für kurze Zeit der Oekonomie, begab sich aber darauf nach Raab, wo er die Rechte studirte. Nach Beendigung derselben gab er mit seinem Freunde Aladi ein Volksblatt heraus, das seines körnigen Inhalts wegen große Verbreitung fand. Nun übte R. die Rechtspraxis in Oedenburg aus und erhielt im Jahre 1846 das ungarische Advocaten-Diplom, trieb aber immer die Schriftstellerei fort, indem er damals für die beiden ungarischen Blätter „Életképet“, d. i. Lebensbilder, und das von Vahot redigirte „Pesti Divatlap“ arbeitete. Im Jahre 1847 begründete er selbst das Witzblatt: „Életképek és darázsfészek“, d. i. Lebensbilder und Wespennester, das er in Pesth herausgab. Zu Ende genannten Jahres übersiedelte er nach Raab, wo er seine Advocatur ausübte; dann übernahm er in Pesth im Jahre 1848 die Redaction des „Népbarát“, d. i. Volksfreund, nachdem er kurz zuvor die Broschüre: „Öreg ABC vén emberek számára“, d. i. Altes ABC für alte Leute, veröffentlicht hatte, welche durch das Ministerium in einer großen Menge von Exemplaren verbreitet wurde. Der oberwähnte „Volksfreund“ erschien etwas über ein Jahr, von Mai 1848 bis August 1849; das Blatt übte unter den damaligen stürmischen Verhältnissen einen nicht geringen, und zwar beschwichtigenden Einfluß, weil es gegen die von Tansics gepredigten communistischen Ideen, durch welche das Volk zum Haß gegen die besitzenden Stände aufgestachelt wurde, in erfolgreicher [170] Weise auftrat. Von nun an widmete sich R. fast ausschließend der Schriftstellerei und wurde der Gründer einer ungarischen Volksnovellistik, welche in kurzer Zeit große Verbreitung fand sowohl in den unteren Schichten des Volkes, sowie bei dem gebildeten Publicum. Die Titel der von Radakovics unter dem Pseudonym Vas Gereben herausgegebenen Schriften sind in chronologischer Folge: „Parlagi képek“, d. i. Haidebilder, 2 Bde. (Pesth 1851, 8°.); – „A falu könyv“, d. i. Das Dorfbuch (Pesth 1852) und „Falusi esték“, d. i. Dorfabende, 6 Hefte (Pesth 1853, 8°.). eine volksthümliche Monatschrift, die er in kurzer Zeit auf die für Ungarn ungeheure Auflage von 4000 Exemplaren brachte; – „Tormagyökerek“, d. i. Meerrettigwurzeln (ebd. 1855, 8°.); – „Nevessünk“, d. i. Lachen wir! (Pesth 1855) und „No még egyet nevessünk“, d. i. Lachen wir noch einmal! (ebd. 1856, 8°.); – „Ne busulj“, d. i. Sei nicht traurig! Eine Novellensammlung, 2 Bde. (ebd. 1856); – „Régi jó idők“, d. i. Die guten alten Zeiten, 3 Bände (ebd. 1857, 8°.); – „A nemzet napszámosai“, d. i. Die Taglöhner der Nation, 3 Bde. (ebd. 1857); – „Egy Alispan“, d. i. Ein Vicegespan, 3 Bände (ebd. 1858); – „Nagy idők, nagy emberek“, d. i. Große Zeiten, große Männer, 3 Bde. (ebd. 1859, 8°.); – „Régi képek“, d. i. Alte Bilder, 2 Bde. (ebd. 1859, 8°.); – „A porős atyafiák“, d. i. Die streitigen Verwandten, 2 Bände (ebd. 1860, 8°.); – „Életunt ember“, d. i. Der lebensüberdrüssige Mensch, 2 Bde. (ebd. 1863, 8°.); – „A tekintetes urak“, d. i. Die gnädigen Herren, 2 Bände (ebd. 1864, 8°.), erschien in der von Hartleben herausgegebenen „Ungarischen Original-Roman-Bibliothek“ (Magyar eredeti regénytár); – „Garasos aristokratia“, d. i. Die Groschen-Aristokratie, 2 Bände (Pesth 1865, 8°.), auch in der vorerwähnten Hartleben’schen „Roman-Bibliothek“; – „Dixi. Korrajz két kötetben“, d. i. Dixi. Zeitgemälde in 2 Bänden (ebd. 1865); – „Jurátus élet“, d. i. Juratenleben, 3 Bde. (ebd. 1866), gleichfalls in Hartleben’s „Roman-Bibliothek“; – „II. József czászár kora magyarországban. Korrajz“, d. i. Kaiser Joseph II. Zeitalter in Ungarn. Zeitgemälde, 3 Bände (ebd. 1867) . Im Jahre 1864 begann die Buchhandlung Gustav Emich in Pesth eine Volksausgabe der Romane des Dichters unter dem Titel: „Vas Gereben munkái“, wovon bis 1866 achtzehn Bände erschienen sind. Aber nicht bloß auf die vorgenannten humoristischen und novellistischen Arbeiten beschränkte sich die Thätigkeit dieses ungemein fleißigen Schriftstellers, er war auch ein vieljähriger Correspondent der Wiener politischen Blätter „Der Wanderer“, „Neueste Nachrichten“ und der „Debatte“; redigirte außer den schon angeführten Journalen durch zwei Jahre den „Buda-Pesti Viszhang“, d. i. Das Pesth-Ofner Echo, und die magyarische illustrirte Zeitung „Képes ujság“, gab mehrere Volks- und illustrirte Kalender heraus, wie z. B. den „Peleskei Notarius“, d. i. der Volksnotar, „Kis és nagy képes Naptár“, d. i. der kleine und der große Bilderkalender, „Tárcza Naptár“, d. i. der Toiletten-Kalender, und „A vén harangozó naptár“, d. i. Des alten Glöckners Kalender; endlich bei der Popularität seines Namens und als praktischer Rechtsgelehrter von Beruf entsprach er dem Wunsche des Pesther Buchhändlers Lauffer durch Herausgabe eines Handbuches, betitelt: „Községi tanácsadó községi [171] elöljárók, jegyzők és ügy ködők számára“, d. i. Rathgeber für Gemeindevorstände, Notäre und Proceßführende, das zu Pesth im Jahre 1864 erschienen ist. Die Fachkritik schreibt über R. als Schriftsteller, daß seine Schriften sich durch treffliche Charakterzeichnung, echt humoristische körnige Sprache, Originalität und gesunden Humor auszeichnen. Ein Kind des Volkes, kannte er es, wie Wenige, liebte er es, wie Wenige, und sprach seine Sprache, wie vielleicht Niemand vor ihm, daher denn auch bei der Redaction eines ungarischen Wörterbuches auf seine Schriften ein um so größerer Bedacht zu nehmen sein wird, als sie eine Fülle origineller Volksausdrücke und Sprachwendungen enthalten. Er hat der Volksliteratur eine neue Richtung gegeben und ist sozusagen der „Bahnbrecher“ dieser Richtung. Der oben erwähnten Eigenartigkeit seines Styls wegen ist er aber auch sehr schwer übersetzbar. Jedoch sind einige seiner Romane in deutscher Uebersetzung bei Hartleben in Pesth erschienen. In den letzten Jahren war er vielfach politisch thätig. R. war zu Anfang des Jahres 1868 in seinem Berufe nach Wien gekommen, nämlich um für die Pesther Journale über die Delegations-Verhandlungen zu schreiben. Er stand, erst 45 Jahre alt, in voller Manneskraft; war wie gewöhnlich von heiterster Laune und verkehrte viel mit seinen Wiener Bekannten. Am Vorabende seines Todestages verspürte er eine leichte Magenbeschwerde. Am folgenden Tage – einem Sonntage – ging er in die Hofapotheke, um dort – statt ein Brausepulver zu nehmen, wie es seine Absicht war – zu sterben; denn plötzlich stürzte er dort zusammen und war eine Leiche. Der Wiener Schriftsteller-Verein „Concordia“ übernahm die Besorgung der Leichenfeier und lehnte die Anträge der ungarischen Regierung, wie jene der ungarischen Delegation, die Kosten der Beerdigung zu bezahlen, dankbar ab. R. wurde auf dem Währinger Friedhofe im eigenen Grabe beigesetzt. Er hinterließ einen Sohn.

Pannonia (Pesther Blatt), herausgegeben von Karl Groß, 1860 [nach diesem geb. 9. April 1823]. – Wanderer (Wiener polit. Blatt), 1868, Nr. 29, im Feuilleton [nach diesem geb. 7. April 1823]. – Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (Prag 1862, Steinhauser, 8°.) S. 186. – Neues Fremden-Blatt (Wien, 8°.) 1868, Nr. 29 [nach diesem geb. im Jahre 1821]. – Jelenkor. Politikai és társas élet Encyklopaediája, d. i. Die Gegenwart. Politische und Real-Encyklopädie (Pesth 1858, Heckenast, gr. 8°.) S. 308. – Danielik (József), Magyar irók. Életrajzgyüjtemény, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Zweiter, den ersten ergänzender Theil (Pesth 1858, 8°.) S. 361 [nach diesem geb. 9. April 1823]. – Porträt. Lithographie nach einer Zeichnung von Barabas (Wien 1856, Reiffenstein und Rösch).