BLKÖ:Fraccaroli, Innocenz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 311. (Quelle)
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Fraccaroli, Innocenz (Bildhauer, geb. zu Castel Rotto Comune di Negarine im Veronesischen 1805). Der Sohn unbemittelter Eltern. Durch Sorgfalt seines Onkels mütterl. Seite Franz Fagiuoli kam er 1822 an die Akademie der Künste nach Venedig, um daselbst die Bildhauerei zu erlernen, für die er seit früher Jugend nicht gewöhnliches Talent gezeigt hatte. Sechs Jahre besuchte er die Akademie, erhielt mehrere Preise und erwarb mit der Marmorgruppe „Dädalus, die Flügel dem Ikarus anhängend“, den von der Akademie zu Mailand ausgesetzten großen Preis. Nun wurden ihm von seinen Verwandten Mittel zur Reise nach Rom verschafft, wo er 5 Jahre zubrachte und sich unter Thorwaldsen u. Tenerani ausbildete. Unter seinen Arbeiten daselbst sind zu nennen: „Die Unschuld“. Modell, natürl. Größe, später in Marmor ausgeführt für den conte Erbestà in Verona, und „Der verwundete Achilles“. Für diese Statue, welche er 1851 in London zugleich mit seinem „David im Begriffe den Stein zu schleudern“ ausstellte, wurde ihm der Preis zuerkannt. 1845 besuchte er Neapel und wohnte dem ital. Gelehrten-Congresse als Archäolog bei; 1847 bereiste er Oesterreich und war in Wien, Pesth, Prag, besuchte auch Deutschland u. z. Dresden, München. Berlin, überall sich mit den Zuständen der Kunst nach allen ihren Richtungen bekannt machend und namentlich den Kunstsammlungen sorgfältige Aufmerksamkeit widmend. Außer den eben genannten Werken vollendete sein Meißel noch: „Eva nach der Sünde“, natürl. Größe, Eigenthum des Marchese Ambr. Uboldi in Mailand; – „Episode aus dem betlehemitischen Kindermord“, Marmorgruppe in Lebensgröße im Belvedere zu Wien; – „Monument der Herzogs Karl Emanuel II. von Savoien“, im Auftrage des Königs Karl Albert in Marmor, in der königl. Capelle zu Turin; – „Achilles und die sterbende Penthesilea“, für den Duca Litta im Palaste dieser Familie zu Mailand; – „Das Monument des berühmten Musikus Mayr“, im Auftrage der Stadt Bergamo in der Kirche Santa Maria maggiore daselbst; – „Maria Magdalena“ und „Apostel Johannes“, über Lebensgröße, beide [312] Statuen für die St. Martinskirche in Legnago; – die „Unbefleckte Mutter Maria“; – „Standbild der Stadt Brescia“ beide über Lebensgröße, letztere für die Capelle des Campo santo von Brescia; – „Cipariste beweint den Tod ihres Lieblingshirsches“, im Auftrage der Gräfin Somaïlloff; – „Atala und Chartos“, nach Chateaubriands Roman, war auf der Industrie-Ausstellung zu Paris Gegenstand allgemeiner Bewunderung; – „Peter Verri“, colossale Marmorbüste in der Brera zu Mailand. Manches befindet sich im Atelier des Künstlers, theils im Entwurfe, theils der Vollendung nahe, darunter „Die Kreuz-Abnahme“, Relief-Gruppe von 10 Figuren. F. erhielt in der Pariser Industrie-Ausstellung 1855 die große goldene Medaille erster Classe. In Folge seiner Leistungen wurde er zum Rathe der kaiserl. Akademie der bildenden Künste zu Mailand ernannt; und die Akademien von Venedig, Verona, Florenz überschickten dem Künstler ihre Diplome, letztere das eines Professors erster Classe an der dortigen Akademie.

La Specola d’Italia 1856, Nr. 16, S. 117. – Gazzetta ufficiale di Milano 1856, Nr. 125: „La Medaglia d’oro di prima cl. conseguita alla Esposizione universale di Parigi dallo scultore Veronese Innocenzo Fraccaroli.“Gazzetta uffiziale di Verona 1855, Nr. 350: „Innocenzo Fraccaroli alla Esposizione universale di Parigi.“Nouvelle Biographie générale ...publiée sous la direction de Mr. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XVIII. Bd. Sp. 420. – Müller (Fr.), Die Künstler aller Zeiten und Völker (Stuttgart 1857, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) II. Bd. S. 95. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allg. Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., 8°.) IV. Bd. S. 429 [erscheint daselbst als Fracarole Innocent]. – Revue franco-italienne (Paris) 1855. – Gemme d’arti italiane (Mailand, Verona, Venedig, 4°.) in den seit 1847 erschienenen Bänden. – Album. Esposizione di belle arti in Milano ed altre città (Mailand, Canadelli, 4°.) 1853 (XV. Bd.) S. 137.