BLKÖ:Mayr, Simon (Tonsetzer)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 169. (Quelle)
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108. Mayr, Simon, hie und da auch Johann Simon (Tonsetzer, geb. zu Mendorf bei Ingolstadt in Bayern 14. Juni 1763, gest. zu Bergamo 2. December 1845). Sein Vater, Schullehrer und Organist in Mendorf, ertheilte dem Knaben den ersten Unterricht in der Musik, und dieser erregte schon mit sieben Jahren durch seinen Gesang und sein Clavierspiel allgemeine Bewunderung. Ein hochgestellter Mann, dessen Theilnahme der Knabe gewonnen, machte dem Vater das Anerbieten, den Knaben in Wien ausbilden zu lassen, der Vater lehnte jedoch diesen Antrag ab. Wenige Monate vor der Unterdrückung des Jesuitenordens erhielt M. einen Freiplatz im Jesuiten-Collegium zu Ingolstadt. Nach Vollendung seiner Studien in diesem Seminar begann er an der Ingolstädter Universität das Studium der Rechte, während er sich seinen Lebensunterhalt durch Unterrichtsstunden und Orgelspiel in einigen Kirchen verdiente. Im Jahre 1787 begleitete er den Baron Thomas von Bassus, der das nur eine halbe Stunde von Mayr’s Geburtsort Mendorf gelegene Schloß Sandersdorf besaß, auf einer Reise nach Graubündten und in der Veltlin. Mit dieser Reise trat ein entscheidender Wendepunct in Mayr’s Leben ein. Auf einem Ausfluge nach Bergamo wurde er mit dem dortigen Capellmeister Carlo Lenzi [Bd. XIV, S. 372], der in ganz Italien als Musicus einen bedeutenden Ruf genoß, bekannt. Unter Lenzi’s Leitung setzte nun Mayr seine Musikstudien fort; aber Mayr, der mit Armuth und Dürftigkeit zu kämpfen hatte, fand in Bergamo auch einen Gönner und Wohlthäter, der sich seiner in großmüthiger Weise annahm; es war der Graf Pesenti, Canonicus am Dome zu Bergamo, der, Mayr’s Talent würdigend, für dessen weitere Ausbildung sorgte und den Kunstjünger nach Venedig schickte, damit er dort unter Ferdinand Bertoni’s [Bd. I, S. 339] Leitung, der an der Basilica di San Marco angestellt war, seine Kunststudien vollende. In Venedig gab sich M. den angestrengtesten theoretischen und praktischen Studien hin, wozu ihm die Conservatorien, Kirchen und Theater der alten Lagunenstadt die reichsten Quellen darboten. Nun trat er nach mehreren in ausdauerndem Fleiße zugebrachten Lehrjahren mit einigen Arbeiten in die Oeffentlichkeit, welche alsbald seinen Ruf begründeten und die Aufmerksamkeit auf den tüchtigen Maestro richteten. Nachdem einige Oratorien und kleinere Compositionen vorangegangen waren, feierte er mit einer größeren Arbeit, mit der Opera seria „Saffo“, welche im Carneval 1794 im Teatro Fenice gegeben wurde, einen glänzenden Erfolg. Mehrere Opern, die nun rasch aufeinander folgten [das Verzeichniß seiner Compositionen folgt auf S. 172], steigerten seinen Ruf, und nun erging die Einladung seines Wohlthäters, des Canonicus Pesenti, an ihn, nach Bergamo zu kommen, um dort an seiner Seite als Kirchencomponist zu wirken. M., derselben folgend, begab sich sofort auf den Weg, aber ehe er noch seinen neuen Bestimmungsort erreichte, erhielt er die Nachricht von dem plötzlichen Hinscheiden seines Mäcens. M. kehrte nun nach Venedig zurück, wo er bis zum Jahre 1802 als Componist lebte. Im Herbste des Jahres 1792 vermälte er sich mit Angiola Venturali, der Tochter eines wohlhabenden Venetianer Kaufmannes, die seine Schülerin gewesen, verlor sie aber schon im ersten Jahre seiner Ehe, wie auch das Kind, dessen schwere Geburt die Ursache [170] ihres Todes gewesen. Als im Jahre 1803 Capellmeister Lenzi in Bergamo starb und man sich nach einem seiner würdigen Nachfolger umsah, fiel die Wahl auf Mayr, den nun die Deputation der Basilica di San Maria Maggiore nach Bergamo berief, damit er die Stelle seines früheren Lehrers einnehme. M. folgte diesem ehrenvollen Rufe, und noch im nämlichen Jahre, am Feste Corpus Domini, eröffnete er mit einer ersten großen Messe und Vesper seine Wirksamkeit an der berühmten Kathedrale, an welcher er durch volle vier Jahrzehnde in rühmlichster Weise, zur Ehre seiner deutschen Abkunft und seines deutschen Namens, thätig blieb. Aber nicht bloß als Componist – als der er freilich bereits etwas veraltet erscheinen mag – auch sonst noch war M. in hervorragender Weise thätig, und erwarb sich dadurch die achtungsvolle Theilnahme und Anerkennung seiner Mitbürger, die ihn, den Deutschen, nach seinem Tode noch in erhebender Weise durch Aufstellung eines auf Kosten der Commune beigeschafften, an dem Orte seiner vieljährigen Thätigkeit, in der Basilica selbst, errichteten Denkmals ehrten. Von seinen Bestrebungen und Erfolgen sind insbesondere zu erwähnen: die Begründung des Institutes der lezioni caritatevoli für arme Knaben. Bergamo, seit langer Zeit bereits die Pflanzschule der berühmtesten Opernsänger – besonders Tenoristen – wie David, Viganoni, Donzelli, Nozart u. A., sollte diesen Ruf nicht einbüßen, und M. arbeitete unablässig darauf hin, einheimische Sänger und Instrumentalisten für seine Capelle heranzubilden. Zu diesem Zwecke richtete er wiederholte Vorstellungen an die Regenza del luogo pio della Misericordia, die endlich mit Decret vom 12. März 1805 die Zustimmung zur Errichtung des oberwähnten Institutes der lezioni caritatevoli ertheilte, aus welcher in der That auch tüchtige Talente hervorgingen. Es seien nur beispielsweise genannt: die Trezzini, Giordani, Storti, Savj, Pagliaroli, sämmtlich Zierden der italienischen Oper, und Gaetano Donizetti [Bd. III, S. 359], der auf Mayr’s Kosten durch zwei Jahre in Bologna unter dem berühmten Mattei den Contrapunct studirte. Im Jahre 1809 gelang es Mayr, das pio istituto zu gründen, das zur Versorgung altersschwacher Musiker und ihrer armen Hinterlassenen bestimmt ist. Im Jahre 1822 begründete er in Bergamo die Unione filarmonica, einen Verein der trefflichsten Künstler und Dilettanten, zur Förderung der Musik und ihrer Kunstzwecke, durch den das Musikleben Bergamo’s einen nicht geringen Aufschwung erhielt. Solche Bestrebungen richteten von verschiedenen Seiten die Aufmerksamkeit auf den berühmten Maestro, den zu gewinnen manche Versuche gemacht wurden, so erhielt er im Jahre 1803 das Anerbieten zum Director des italienischen Hoftheaters in Wien; im Jahre 1806 jenes zum Director des Theaters und der Hofconcerte Napoleon’s I.; im Jahre 1808 zum Censor des neu errichteten Conservatoriums in Mailand, und bald darauf zum Hof-Capellmeister in Dresden, als Paër’s Nachfolger; im Jahre 1814 zum Director der königlichen Gesangschule und zum Consultore della Reale sopraintendenza dei teatri in Mailand, und im Jahre 1822 zum Capellmeister in Novara, welche Anerbietungen, so ehrenvoll und vortheilhaft sie für den Künstler auch waren, derselbe sämmtlich ablehnte. M., ein wissenschaftlich gebildeter Künstler, war auch und [171] zunächst im Hinblicke auf seine Kunst, literarisch thätig, so las er als wirkliches Mitglied und als Präsident der gelehrten Gesellschaft Ateneo in Bergamo mehrere Abhandlungen, unter andern (in der Sitzung vom 3. August 1820) über „Franchino Gasturio“, (in jener vom 3. April 1835) über „Michele Alberto da Carrara“, (in jener vom 7. Mai 1840) „Cenni storici intorno all’ oratorio musicale ed ai misteri che lo precedettero“. Selbstständig erschien im Drucke sein Werk: „Considerazioni del vecchio suonatore di viola dimorante in Bergamo, intorno ad un articolo di Sevelinger risguardante la vita et le opere di Luigi Palestrina“. Eine ungleich größere Anzahl von historischen Abhandlungen, Entwürfen, Plänen u. s. w. fand sich aber in seinem Nachlasse vor, darunter: ein „Piano per una riforma del Conservatorio di Napoli, particolarmente per i nuovi metodi dell’ istruzione istromentale, steso per quel ministero dell’interno“; – ein „Piano per l’istituzione d’una cattedra di Musica nell’ Università di Pavia scritto per ordine del Direttore generale della pubblica istruzione“; – ein „Parere intorno ad un apposito maestro per la composizione teatrale e particolarmente per l’istromentazione scritto pel Direttore del Liceo musicale di Bologna“; – dann „La vita di Clementi; – „La vita di Santa Cecilia in due parti“; – „Cenni biografici intorno a Francesco Calegari etc. etc.“ Mayr’s Verdienste um die Musik fanden vielfache Würdigung, so haben ihn das Institut von Frankreich und jenes von Neapel jedes zum Ehrenmitgliede der Section für die schönen Künste ernannt; das Conservatorium von Mailand, die philharmonische Gesellschaft di Santa Cecilia zu Rom, die Apolloneische Gesellschaft in Venedig, die philharmonischen Gesellschaften von Turin, Genua, Forli, Lodi, Cremona, das Ateneo von Bergamo u. a. zum Mitgliede gewählt. So hatte M. bis in sein hohes Alter gewirkt und geschaffen, und ist stets als Deutscher in fremdem Lande für den unvergänglichen Ruhm seines edlen Volkes thätig gewesen. Aber auch das fremde Land hat ihm, dem Deutschen, Ehren und Auszeichnungen der seltensten Art erwiesen. Im Jahre 1841 ließ die Unione filodrammatica, deren Präsident Mayr war, von Cossa in Mailand eine Medaille auf ihn prägen, die ihm an seinem Geburtstage (14. Juni) d. J. in einem feierlichen Concerte öffentlich überreicht wurde. Bei dieser Gelegenheit faßte der Vicepräsident des Athenäums, Daporta, die wichtigsten Lebensmomente Mayr’s in eine begeisterte Darstellung zusammen, und fügte derselben eine große Menge von Lobgedichten bei, die zu Mayr’s Ehren von Poeten und Kunstfreunden verfaßt wurden. Sein großes, von Diotti’s Meisterhand gemaltes Bildniß schmückt, von der Commune beigestellt, den Versammlungssaal der Congregazione della Carità zu Bergamo, und der Graf Giacomo Clemente Suardo ließ durch Mailands damaligen ersten Bildhauer Marchesi, Mayr’s kolossale Büste in carrarischem Marmor meißeln und sie im Ateneo von Bergamo, dem er sie zum Ehrengeschenke machte, in der Mitte jener großen Männer aufstellen, welche das Vaterland durch ihre Werke und Talente verherrlicht haben. Von Mayr’s erster Ehe wurde oben gemeldet. Einige Jahre nach dem Tode seiner ersten Gattin, im Jahre 1804, vermälte sich M. zum zweiten [172] Male mit seiner Schwägerin Lucrezia Venturali, aus welcher glücklichen Ehe eine Tochter Marietta entstammt, die später die Gemalin Luigi Massinelli’s wurde. In seinen letzten Jahren erblindete der Meister, behielt aber die Frische seines Geistes ungeschwächt bis an seinen Tod, der im Alter von 82 Jahren seinen Geist, der in seinen Werken fortlebt, von der gebrechlichen Körperhülle trennte.

I. Verzeichniß der größeren Compositionen Mayr’s in chronologischer Folge. [Die Partituren jener Compositionen, denen ein R beigefügt ist, befinden sich in Ricordi’s Besitz in Mailand; jene, von denen Ricordi das Original-Autograph besitzt, sind durch Beifügung eines * zum R, die im Drucke erschienenen Opern aber durch Angabe des Verlegers und Druckortes kenntlich gemacht.] 1791. Venedig. „Jacob a Labano fugiens“ Oratorium für das Conservatorium der Mendicanten. – „Femico“, Cantata a 3 voci. – Mehrere Duetten und Canzonetten.
1793. Venedig. „Sisara“, Oratorium für das Conservatorium der Mendicanten. – „Ero“, Cantata.
1794. Venedig. „Saffo ossia i Riti d’Apollo Leucadio“, Opera seria. – „Tobiae matrimonium“, Oratorium für das Conservatorium der Mendicanten. – Forli. „La Passione“, Oratorium.
1795. Venedig. „David in spelunca Engaddi“, Oratorium für das Conservatorium der Mendicanten. – „Temira ed Aristo“, dramatische Cantate. – Forli. R „Il sagrifizio di Jefte“, Oratorium.
1796. Venedig. „La Lodovisca“, Opera seria für das Teatro Fenice. – R „Un pazzo ne fa cento“, Opera buffa.
1797. Venedig. „Telemaco“, Opera seria für das Teatro Fenice. – „Il segreto“; R „L’intrigo della lettera ossia il pittore“, zwei Farsen für das Teatro S. Moisé. – Vicenza. R* „Le sventure di Leandro“, Cantate.
1798. Venedig. „Avviso à maritati“, Opera buffa. – R „Lauso e Lidia“, Opera seria. – „Adriano in Siria“, Opera seria. – R „Che Originali“, Farsa.
1799. Venedig. „Amor ingegnoso“, Farsa. – „L’ubedienza per astuzia“, Farsa. – R „Adelaide di Queselino“, Opera seria. Clavierauszüge dieser Oper sind bei Böhme in Hamburg und bei Schott in Mainz erschienen. – R „L’Avaro“, Farsa. – „Lubino e Carlotta“, Farsa. – „L’Accademia di musica“, Farsa.
1800. Mailand. R „Lodovisca“, Opera seria für das Teatro della Scala. Der Clavierauszug dieser Oper erschien bei Witzendorf in Wien [s. auch das Jahr 1796]. – Venedig. R „Gli Sciti“, Opera seria. – Vicenza. R „La Locandiera“, Opera buffa. – Venedig. R „Il caretto del venditore d’aceto“, Farsa. – Mailand. R „L’Equivoco“, Opera buffa. – Venedig. „L’ imbroglione ed il castiga-matti“, Farsa, für das Teatro S. Moisé.
1801. Triest. R* „Ginevra di Scozia“, Opera seria. Der Clavierauszug erschien bei Falter in München. – Mailand. R* „Le due giornate“, Opera semiseria. – Venedig. R „I Virtuosi“, Farsa.
1802. Venedig. „Argene“, Opera seria. – Mailand. R* „I misteri Eleusini“, Opera seria.
1803. Wien. „Ercole in Lidia“, Opera seria für das Wiener Hof-Operntheater. – Mailand. R „Le finte rivali“, Opera buffa.
1804. Mailand. R* „Alfonso e Cora“, Opera seria für das Teatro della Scala. – R „Amor non ha ritegno“, Opera buffa. – Venedig. R „Elisa“, Farsa sentimentale für das Teatro S. Benedetto. – Viacenza. „Famori ossia l’Eroe delle Indie“, Opera seria.
1805. Mailand. „Eraldo ed Emma“, Opera seria. – Venedig. „Da locanda in locanda“, Farsa. – Padua. R*„L’ Amor coniugale“, Farsa. – Venedig. R „La roccia di Frauenstein“, Opera semiseria.
1806. Venedig. R „Gli Americani“, Opera seria.
1807. Mailand. R* „Adelasia ed Aleramo“, Opera seria. Der Clavierauszug erschien bei Witzendorf in Wien. – R „Ne l’uno ne l’altro“, Opera buffa. – „Cantata per la pace di Tilsit“. – Venedig. R* „Belle ciarle, tristi fatti“, Opera buffa.
1808. Rom. „I Cherusci“, Opera seria für das Teatro Argentina. – R „Il [173] vero Originale“, Opera buffa für das Teatro Valle.
1809. Venedig „Il ritorno d’Ulisse“, Opera seria. – Bergamo. „Alcide al bivio“, Cantata.
1810. Mailand. R*„Raoul di Crequi“, Opera seria. – Venedig. „Amore Non soffre opposizioni“, Opera buffa. Der Clavierauszug erschien bei Ricordi in Mailand. – Bergamo. „Cantata per le nozze di S. M. Maria Luigia arciduchessa d’Austria“.
1811. Brescia. „Il sagrificio d’Ifigenia“, Opera seria. – Venedig. „L’Amor filiale“, Farsa sentimentale. – Bergamo. „Cantata per la nascita del figlio di Napoleone I.“
1813. Mailand. R* „Tamerlano“, Opera seria. – Genua. R „La rosa rossa e la rosa bianca“, Opera seria. Der Clavierauszug erschien bei Ricordi in Mailand. – Neapel. R* „Medea in Corinto“, Opera seria für das Teatro San Carlo. Der Clavierauszug erschien gleichfalls bei Ricordi in Mailand.
1814. Neapel. R „Elena“, Opera semiseria. – Genua. R*„Atar“, Opera seria. Der Clavierauszug erschien bei Ricordi in Mailand. – Mailand. R* „Le due Duchesse“, Opera semiseria.
1815. Neapel. „Cora“, Opera seria.
1816. Bergamo. „Le feste d’Ercole“, Cantata. – Brescia. „Egeria“, Cantata.
1817. Neapel. „Il sogno di Partenope“, Cantata. – „Mennone e Zemira“, Opera seria. – Bergamo. „Arianna e Bacco“, Cantata.
1818. Venedig. „Tanassa“, Opera seria.
1819. Rom. R* „Le Danaidi“, Opera seria.
1820. Mailand. „Inno a Pallade“.
1821. Bergamo. R „AIfredo il grande“, Opera seria. Der Clavierauszug erschien bei Ricordi in Mailand. – „Atalia“, Oratorio. – Bergamo. „Samuele“, Oratorio. – „S. Luigi Gonzaga“, Oratorio.
1822. Mailand. R* „La Fedra“, Opera seria.
1824. Turin. „Demetrio“, Opera seria.
1825. „L’Armonia“, Cantata.
1827. „Cantata con cori in morte Beethoven.
Außer den bisher angeführten Opern, Farsen, Cantaten und Oratorien führt die „Musica teatralis“, d. i. Verzeichniß sämmtlicher seit dem Jahre 1750 bis Ende des Jahres 1863 im deutschen und auswärtigen Handel gedruckt erschienenen Opern-Clavierauszüge mit Text u. s. w. (Erfurt 1864, E. Weingert, kl. 8°.) S. 26, unter dem Namen Simon Mayr, der übrigens dort unrichtig Mayer geschrieben erscheint, noch zwei Opern an, nämlich: „Il fanatico“, deren Clavierauszug bei Böhme in Hamburg erschienen ist, und „Ginevra di Monreale. Dramma con musica“, deren Clavierauszug Ricordi in Mailand herausgegeben. Beide fehlen im Verzeichniß der Werke, welches Mayr’s Freund Aiblinger zusammengestellt, und die letztere auch im Musikalien-Kataloge Ricordi, daher sie wohl irrthümlich Mayr’n zugeschrieben sein dürften. Von anderen Compositionen Mayr’s sind bei Ricordi im Stiche erschienen: „Miserere a quattro voci in Partitura“; – „Marcia funebre“; – acht Symphonien zu den Opern: „Alfred il Grande“, – „Atar“, – „Le due Duchesse“, – „Ginevra di Scozia“, – „Medea“, – „Il Ritorna d’Ulisse“, – „La Rosa bianca e la rosa rossa“ und „Tamerlan“. Vom Jahre 1816 hatte Mayr aufgehört, für die Bühne zu arbeiten und wendete sich nunmehr der Kirchenmusik zu. Die Schöpfungen M.’s auf diesem Gebiete befinden sich im Musik-Archive der Basilica S. Maria Maggiore in Bergamo. Sie bestehen aus 17 Messen, 4 Requiem, 25 Psalmen für Chor und Orchester, 13 Cantaten, einer großen Menge Vespern, kleineren Kirchenstücken, und hundert und mehr einzelnen Gesängen. Neben dieser schöpferischen Thätigkeit als Componist ist für M. noch ein anderes Verdienst in Anspruch zu nehmen. Seine Capelle besaß den Ruf der ersten in Italien, daher waren an ihn oft von außen bei Gelegenheit von Patrocinien und Säcularfesten Berufungen ergangen, um auch von musikalischer Seite diese Feste in glänzendster Weise auszustatten. So hatte denn M. bei den großen Kirchenfesten zu Novara, Oropa, Longiano in der Romagna, Castiglione delle Stivere, Mailand, Brescia, Crema mitgewirkt und bei musikalischen Wettkämpfen immer die Palme des Ruhmes davongetragen. Ja noch als Greis von 71 Jahren hatte er, im Jahre 1834, ein großartiges Musikfest in der dortigen Kathedrale veranstaltet, und dadurch den Impuls zu ähnlichen großen [174] Aufführungen, wie sie in Deutschland seit längerer Zeit üblich waren, gegeben. Was Mayr’s Stellung in der Musikgeschichte betrifft, so nehmen Fachmänner für ihn den Ruhm in Anspruch, daß er der erste war, welcher die italienische Oper mit einem interessanten, selbstständiger gehaltenen und künstlich figurirten Instrumentale bereicherte. Seine Werke, welche auch in Deutschland, Frankreich, England und in anderen Ländern mit vielem Beifalle aufgenommen worden sind, sind reich in der Melodie, mit deutscher Kraft ausgerüstet, originell an Modulationen, Harmonien und Orchestereffecten, und dienten als Prototyp allen Nachkömmlingen von Paër bis auf Bellini. Es wird ihm aber auch vorgehalten, die französischen Componisten zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts, auch deutsche, und unter diesen vornehmlich Haydn, und nicht eben sparsam benützt zu haben. Nichtsdestoweniger aber bleiben seine Leistungen in jeder Hinsicht sehr verdienstlich, und Gaßner räumt ihm den Anspruch ein, auf G. Weber’s Ausspruch: „Deutschland beschenkte England mit einem Händel, Frankreich mit Gluck und Italien mit Simon Mayr“, welcher Ausspruch auf die Gedenktafel seines Geburtsortes zu Mendorf eingemeißelt wurde.
II. Zur Biographie Simon Mayr’s. Finazzi (Giovanni Canonico), Orazione funebre e Memorie di Giovanni Simone Mayr. Per la solenne inaugurazione del Monumento eretto alla Memoria del celebre Maestro G. S. Mayr nella Basilica di Santa Maria Maggiore in Bergamo. Orazione detta del – – (Bergamo 1853, kl. Fol.). – Nuova Enciclopedia popolare di Torino. Tomo VIII (1847). – Giornale dramatico. Anno II, fasc. XXI e XXII. – Neue Münchener Zeitung 1857, Abendblatt Nr. 23 [daselbst erscheint er irrig Mayer statt Mayr geschrieben]; – dieselbe Nr. 242, Morgenblatt. – Taschenbuch für die vaterländische Geschichte. Gegründet und herausgegeben von Joseph Freiherrn v. Hormayr und nach dessen Tode fortgesetzt von Dr. Georg Thomas Rudhart (München, Georg Franz, kl. 8°.) XLII. Jahrg. der gesammten, XXIV. der neuen, IV. der neuesten Folge (1856 u. 1857), S. 144 u. f. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. F. Voigt, kl. 8°.) XXIII. Jahrg. (1845), II. Theil, S. 929, Nr. 265. – Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst. Redig. von Dr. Ad. Schmidl (Wien, 4°.) II. Jahrg. (1845), Nr. 151, S. 1184: Nekrolog Mayr’s von Professor P. A. Dahm. – Europa, herausgegeben von August Lewald, 1846, Nummer vom 2. Februar. – Allgemeine musikalische Zeitung, herausgegeben von Fink, 1846, Nummer vom 18. Februar. – Wiener allgemeine Musik-Zeitung, herausgegeben von August Schmidt (4°.) VI. Jahrg. (1846), Nr. 15, 19, 22, 26, 29, 38, 46, 48, 54, 57, 63, 69 u. 70, 76, 78, 88, 89, 95, 96, 116. [Daselbst wird die in mehreren Biographien erwähnte Arbeit des Dr. Girolamo Calvi über Mayr in deutscher Bearbeitung mitgetheilt, sie ist aber nicht vollendet und reicht nur bis zum Jahre 1804, es fehlt also die beträchtliche Lebensperiode von 1805 bis 1845, als dem Todesjahre Mayr’s.] – Schilling (G. Dr.), Das musikalische Europa (Speyer 1842, F. C. Neidhard, gr. 8°.) S. 226 [schreibt ihn auch irrig Mayer statt Mayr]. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. 597 [gleichfalls mit der irrigen Schreibart Mayer]. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden 1856, Rob. Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 922. – Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 369.
III. Porträte. 1) Caporali sc. (4°.). – 2) Unterschrift: Gio. Simone Mayr. H. E. v. Wintter[WS 1] del. 1817, Lith. (Fol.) [eine der ersten Lithographien nach Erfindung der Lithographie, und selten].
IV. Denktafel. Auf dem Schulhause zu Mendorf, als dem Geburtshause Simon Mayr’s, wurde am 29. September 1857 feierlich eine Gedenktafel angebracht, mit nachstehender Inschrift: „Hier wurde der berühmte Componist Johann Simon Mayr am 14. Juni 1763 geboren. Was Händel für England, Gluck für Frankreich, das hat Er für Italien geleistet. Er starb den 2. December 1845 als Capellmeister der Basilica S. Maria Maggiore zu Bergamo und als Präsident des Athenäums daselbst.“
V. Mayr’s Denkmal in der Basilica San Maria Maggiore zu Bergamo. Am 12. Mai 1852 wurde das in der Basilica di S. Maria Maggiore zu Bergamo Mayr zu Ehren errichtete Monument in feierlicher Weise enthüllt. Das [175] Monument stellt eine Gruppe von drei auf einem Postamente sich erhebenden Statuen dar, welche Mayr’s Beziehungen zur Musik symbolisiren. Die Statuen sind aus Carrara-Marmor. Dem Postamente ist ein Medaillon von vergoldeter Bronze, mit dem Bildnisse des verewigten Meisters und einer Inschrift, eingefügt. Das Ganze ist ein Werk des berühmten Bildhauers Innocenz Fraccaroli [Bd. IV, S. 311] und im Auftrage der Stadt Bergamo gearbeitet.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: H. E. v. Winkler.