BLKÖ:Fusinieri, Ambros

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 38. (Quelle)
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Fusinieri, Ambros (Naturforscher, geb. zu Vicenza 10. Febr. 1775, gest. ebenda 14. Jänner 1853). Besuchte die Schulen seiner Vaterstadt und dann die Universität in Padua, wo er die jurid. Doctorwürde erhielt und die jurid. Laufbahn in Venedig betrat. Die Mußestunden widmete er naturwissenschaftlichen Beschäftigungen, wozu er durch seine Bekanntschaft mit Vincenz Dandolo (s. d. III. Bd. S. 148), der eben damals die Chemie von Lavoisier übersetzte, vielfach angeregt wurde. F. fügte dieser Arbeit Dandolo’s, so wie später desselben Ausgabe der Physik von Poli viele erläuternde Anmerkungen hinzu. Die politischen Wirren trieben ihn aus Venedig und im Jahre 1798 übersiedelte er nach Mailand, wo er mit dem Mathematiker Gregor Fontana (s. d. IV. Bd. S. 283) in innigern Verkehr trat. Daselbst übernahm F. die Lehrkanzel des constitutionellen und bürgerlichen Rechts an der Brera. Als diese später aufgehoben ward, kehrte er in seine Vaterstadt Vicenza zurück, um nach dem Tode seines Vaters die häuslichen Geschäfte fortzuführen. In seiner übrigens unabhängigen Stellung [39] übernahm er bei dem damals üblichen öffentlichen Verfahren nicht selten die Rolle des Vertheidigers der Armen oder Angeklagten und erwarb sich einen glänzenden Ruf als Redner. In diese Zeit fällt die Herausgabe seiner Schrift: „Principj sociali“, welche unvollendet geblieben, doch aber immer als sein philosophisches Glaubensbekenntniß anzusehen ist. Als im J. 1814 das öffentliche Verfahren aufgehoben wurde, behielt er zwar seine Advocatur bei, übte sie jedoch nur für eigene Geschäfte aus und lebte im Uebrigen seinen wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungen. Er errichtete nunmehr ein astronomisches Observatorium, welches in Bestelltheit der Instrumente das zweite in den venetianischen Provinzen war. In dieser Zeit 1818 schrieb er seine 4 Jahre später gedruckte Abhandlung über die „Trisezione geometrica di qualunque arco di Cerchio“ (Vicenza 1822), worin manche neue Beobachtungen enthalten sind. Auch gab er durch mehrere Jahre hindurch die „Annali delle Scienze del Regno Lombardo Veneto“ heraus, deren Eigenthümer er war. Seine darin, ferner im „Giornale di Fisica e di Chimia di Pavia“ enthaltenen Abhandlungen veröffentlichte er in drei Bänden unter dem Titel: „Fondamenti di Filosofia nella Fisica“ (Padua 1844 u. f.), deren erster alle Aufsätze über die Molekular-Mechanik, der zweite jene über das Licht, die Wärme, die Elektricität, den Magnetismus, der dritte jene über die Meteorologie enthält. Der Grundgedanke seiner Abhandlungen über die Molekular-Mechanik, welche er selbst mehr eine Schöpfung der Fantasie, als die Frucht langer und vorbereiteter Beobachtungen nannte, ist: daß sich in der auf ein Minimum zurückgeführten Materie, d. i. den Molekülen, unter den einzelnen Theilen eine abstossende Kraft entwickele, welche die Quelle einer großen Menge von Molekularwirkungen und die Ursache mannigfacher Erscheinungen sei. Im Bande, welcher die Meteorologie behandelt, gab er auf Grundlage langjähriger Beobachtungen bei Tag und Nacht eine neue Erklärung für die Erscheinung des Reifes, welche von der bisher üblichen ganz abwich, und während außerhalb Italien seine Beobachtungen allgemeinen Beifall fanden, erfuhr er im Vaterlande heftigen Widerstand, der ihn öfter zu Schriften verleitete, worin jene Ruhe vermißt wird, die wissenschaftlichen Arbeiten nie fremd bleiben soll. Außer den bisher angeführten Schriften gab er noch u. z. in früherer Zeit heraus: „Ricerche meccaniche e diottriche sopra la causa della rifrazione della luce“ (Venedig 1797), worin er eine Hypothese Newtons, daß die Brechung des Lichtes, welches durchsichtige Körper durchdringt, von der Anziehungskraft, welche dieselben auf die Lichtstrahlen ausüben, hervorgebracht sei, bestreitet; – ferner „Del carattere morale, politico e letterario dei Francesi“ (Ebenda 1799), worin er, ungeachtet die Franzosen damals in Italien herrschten, unbefangen diese Nation beurtheilt; und „Memoria sull’ influenza dei segni nella formazione delle idee“, mit manchen neuen für den Psychologen interessanten Bemerkungen. F. starb im Alter von 78 Jahren, nachdem er sich in der Wissenschaft einen geachteten Namen erworben.

Elogio di Ambrogio Fusinieri letto all’ Accademia olimpica di Vicenza ... dal Dre. Franc. Secondo Beggiato (Vicenza 1855, Baroni, 4°.). – Elogio di Amb. Fusiniero esteso dall’ Abb. Caparozzo (Vicenza 1854, 8°.). – Cenni biografici... publicati dal Dre. Girolamo Venanzio (Vicenza 1855, 8°.). – Prospetto degli scritti publicati da Tomaso Antonio Catullo (Padua 1857, Sicca, kl. Fol.) S. 119. – Collettore dell’ Adige 1854, Nr. 79. – Gazzetta uffiziale di Venezia 1855, Nr. 136. – Sorgato (Gaet.), Memorie funebri antiche e recenti [40] offerte per la stampa (Padua 1856, Seminardruckerei, gr. 8°.) II. Bd. S. 70 [nach dieser geb. 10. Febr. 1775, gest. 14. Jän. 1853].