BLKÖ:Göldlin von Tieffenau, Karl Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Göbel, Karl Peter
Band: 5 (1859), ab Seite: 235. (Quelle)
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Göldlin von Tieffenau, Karl Freiherr (Oberst und Ritter des Mar. Theresien-Ordens, geb. zu Luzern in der Schweiz 1759, gest. zu Graz 11. Febr. 1826). Entstammt einem alten Schweizer Geschlecht, welches sich nach seinem Stammschlosse Tieffenau schrieb. Mit Johann Jost, dem Vater des nachmaligen Freiherrn Peter Christoph (siehe weiter unten) kam die Familie nach Oesterreich. Karl wurde im Tyrnauer Knabenstifte erzogen, trat, 19 Jahre alt, als Fahnencadet in’s Inf.-Reg. Baron Terzi Nr. 16 ein, wurde am 10. Febr. 1779 Fähnrich, am 1. April 1783 zum Inf. Reg. Baron Bittermann übersetzt, wo er am 11. Sept. 1787 Unterlieutenant, und während des Türkenkrieges (6. Febr. 1790) Oberlieutenant wurde. Er kämpfte nun im bairischen Erbfolgekriege, dann in den Feldzügen 1788–90 gegen die Türken, und in den französischen Revolutionskriegen; im Sept. 1796 rückte er zum Hauptmann vor. Während des Feldzuges 1805 bei der Armee in Italien, wurde G. den 1. Sept. d. J. Major und 1808 Oberstlieutenant der neuerrichteten 9. Feldjäger-Division. 1809 ward er im 8. Armeecorps unter Feldmarschall-Lieutenant [236] Chasteler eingetheilt. Am 23. April d. J. schlug er mit seinem Bataillon und dem Tyroler Landsturme den französischen General Fontanella bei Bosco di Velo, so daß der Feind 600 Mann verlor. Am folgenden Tage griff er den mit 3000 Mann bei Ravazzona und Mori postirten Feind im Rücken an und schlug ihn ebenfalls. Am 5. Mai eilte er den in Strub und Kufstein aufgestellten Truppen über Wörgl als Unterstützung entgegen. Als nun am 11. d. M. 3000 Mann der bair. Division Wrede mit vier Zwölfpfündern und mehreren Haubitzen den Paß Strub angriffen, der nur von 1 Compagnie de Vaux mit 2 Kanonen, 4 Compagnien Tyroler Landesvertheidiger und einer halben Compagnie Jäger vertheidigt war, wußte G. durch sein Beispiel die kleine Schaar so zu enthusiasmiren, daß sie mehrere Stunden den stark überlegenen Feind aufhielt. Erst nachdem alle Artilleristen getödtet und in der Verschanzung selbst nur noch 17 Mann übrig geblieben waren, gelang es der Uebermacht des Feindes, der überdies große Verluste erlitten, sich des Passes zu bemächtigen. Für sein tapferes Verhalten wurde G. mit dem Maria Theresien-Orden belohnt. Im Jahre 1813 und 14 folgte er mit seinem Bataillon der Armee nach Innerösterreich, wo er am 19. August den General Belloti bei St. Leonhard so entscheidend schlug, daß sich Belloti bis Krainburg zurückziehen mußte. Im Feldzuge d. J. 1814 erhielt G. eine Wunde, die ihn nöthigte, am 1. Nov. 1815 mit Obersten-Charakter in den Ruhestand zu treten, den er noch 11 Jahre in Graz genoß, wo er im Alter von 67 Jahren starb. – Ein Großonkel oder doch naher Verwandter des Obigen ist Peter Göldlin von Tieffenau (geb. zu Luzern 1663, gest. bei Molwitz 10. April 1741). Schon sein Vater Johann Jost trat in östr. Kriegsdienste. Peter wurde auf Kosten Kaiser Leopolds I. erzogen, erhielt 1699 eine Compagnie in der Herberstein’schen Legion, wurde 1718 Oberstlieutenant, 1723 Commandant des Regiments Königseck; 1731 Generalmajor und Inhaber eines Inf.-Reg. Er war einer der vorzüglichsten Generale seiner Zeit und in Folge seiner Thaten erhielt er den Freiherrnstand. Im J. 1741 commandirte er bei Molwitz (10. April) den linken Flügel des östr. Heeres und starb auf dem Schlachtfelde den Heldentod.

Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden (Wien 1857, Staatsdruckerei, Lex. 8°.) S. 929 u. 1746. – Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien 1851) II. Bd. S. 747 [nennt ihn irrig Göldling von Tieffenau statt Göldlin]. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 389. – [Kneschke, Ernst Heinrich Prof. Dr.] Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien .. (Leipzig 1857, Weigel, 8°.) II. Bd. S. 189. – Wappen. Wie schon oben bemerkt wurde, war die Familie von altem Schweizer Adel. Peter Christoph wurde von Kaiser Karl VI. bei der Krönung zu Prag 1723 zum Ritter geschlagen und am 11. März 1732 in den Reichsfreiherrnstand erhoben. – Denselben Freiherrnstand erhielt auch sein Vetter Franz Jodok Hauptmann am 18. Aug. 1746 von der Kaiserin Maria Theresia. Das Wappen der Familie ist ein gevierteter Schild mit Herzschild. Dieser ist quergetheilt, oben in Silber zwei nebeneinanderstehende sechsblättrige, golden besäumte rothe Rosen; unten in Roth eine aus der Theilungslinie hervortretende halbe gestürzte silberne Lilie (Stammwappen). Im Hauptschild 1 u. 4 in Gold ein einwärtssehender schwarzer Adler, und 2 und 3 in Blau ein einwärtsgekehrter goldener Löwe, welcher in 2 mit der rechten, in 3 mit der linken Vorderpranke ein Schwert emporhält. Auf der Freiherrnkrone des Schildes erheben sich drei gekrönte Helme. Der mittlere trägt eine silberne Lilie, welche oben mit sechs schwarzen Hahnenfedern besteckt ist, von denen drei sich rechts, drei links kehren (Helm des Stammwappens); der rechte trägt den Adler des 1. u. 4. Feldes, der linke aufwachsend, den Löwen des 2. u. 3. Feldes mit dem Schwerte.