BLKÖ:Goëß, Peter Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 245. (Quelle)
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6. Peter Graf (Staatsmann, geb. zu Florenz 8. Febr. 1774, gest. zu Wien 11. Juli 1846). Ein Sohn des Grafen Johann Karl Anton, Generalmajors u. Gardecapitäns des Großherzogs von Toscana, aus der Ehe mit der Gräfin Anna von Christallnigg (9. Mai 1809). Kam 1790 nach Wien, wo er die Rechte studirte und 1795 in Staatsdienste trat. 7. März 1797 ward er überzähl. Kreiscommissär, 1798 k. k. Kämmerer, 19. Nov. 1799 überzähl. Rath beim kärntnerischen Gubernium, 1800 war er als Oberlandescommissär im Condé’schen Corps und bei den späteren Armeebewegungen in Verwendung. Nun wurde er der Hofcommission zugetheilt, welche die Organisirung von Istrien, Dalmatien und Cattaro leitete, wirkte seit 1802 als selbständiger Hofcommissär in Dalmatien, wo er in der großen Hungersnoth des J. 1802 eine solche Umsicht und Thätigkeit entwickelte und so dem drohenden Uebel steuerte, daß der Adel von Zara zum Andenken an dieses aufopfernde Benehmen auf ihn eine Medaille prägen ließ (siehe weiter unten). Dabei hatte er aus eigenem Vermögen reiche Summen gespendet. 1804 wurde G. Landrechtspräsident und ständischer Chef in Kärnten, kam 1806 in ersterer Eigenschaft und als Vicepräsident des steiermärk. kärntnerischen Guberniums nach Graz, im Juli 1808 als Gouverneur nach Triest. Anfang 1809 wurde G. zum Generalintendanten für Italien und Tyrol, 1809 zum Gouverneur von Galizien und 1815 zu jenem der venetianischen Provinzen ernannt. August 1819 als Hofkanzler der lombardisch-venetianischen Hofkanzlei nach Wien berufen, bekleidete er diese Stelle, bis er im März 1823 erster Hofkanzler und Studien-Hofcommissions-Präsident wurde. Im Verein mit diesen Würden bekleidete er mehrere Ehrenämter, so wurde er 1824 Obersthofmeister Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs Franz Karl, 1834 Hofmarschall, nach des Fürsten Rudolph Colloredo Tode (28. Dec. 1843) Stellvertreter des ersten Obersthofmeisters und 1845 Kanzler des Ordens der eisernen Krone. Auch fungirte er von 1826–1842 als Präsident der niederöstr. Landwirthschafts-Gesellschaft und seit 1821 bis an seinen Tod als Obercurator der Sparcasse. Im J. 1830 verlieh ihm der Monarch den Orden des goldenen Vließes. Der Graf war zweimal vermält, zuerst mit seiner Nichte Karoline Freiin von Kaiserstein, die während der Entbindung (2/3. August 1800) in Klagenfurt starb; zum zweiten Male mit Isabella Gräfin v. Thürheim [s. d. Nr. 5], welche ihren Gatten mehrere Jahre überlebte. Der Graf starb im Alter von 73 Jahren, indem er bis in die letzte Zeit im Dienste thätig gewesen. Als Mensch von seltener Herzensgüte, wohlwollend, und wo er konnte helfend, war er als Staatsmann ein Feind der Neuerungen in der alten Staatsform. [Vergl. über ihn: Schulz (Joseph), Peter Graf v. Goëß als Mensch und Staatsmann (Wien 1853, Sollinger, 8°., mit dem in Kupfer gestochenen Porträte des Grafen). – Schreibers (Joseph Ritter von), Darstellung der Gründung und Entwicklung der [246] k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft in Wien, als Festalbum bei Gelegenheit der 50jährigen Jubiläumsfeier der Gesellschaft (Wien 1857, Lex. 8°.) S. 84. – Bergmann (am angez. Orte) II. Bd. S. 482. – Porträte. 1) Facsimile der Unterschrift: Peter Graf v. Goëss. [ohne Ang. des Zeichn. u. Lith. Wien 1857, Staatsdruckerei, Lex. 8°.). – 2) Unterschrift: Peter Graf von Goëss, k. k. Hof- und n. ö. Landmarschall. F. Biller sc. 8°. [schlechter und unähnlicher Nachstich einer 1836 von Kriehuber vollendeten trefflichen Lithographie in Folio. – Medaille. Der Adel Zara’s ließ dem Grafen zu Ehren folgende Denkmünze prägen: Avers: DALMATIA FELIX RECEPTO CAESARE. Innerhalb eines Kreises steht ein Dalmatiner in Morlakentracht mit umgeschnalltem Säbel, Czako auf dem Haupte und F. II. (Franciscus II.) auf der Brust, an der Küste von Zara, nach der Schiffe heransegeln: er richtet das Haupt nach dem aus Wolken niederschwebenden Adler, der in seinen Fängen ein Füllhorn hält, woraus Früchte niederfallen. Im Abschnitte LUIGI FERRARI F(ecit). Revers: Zwischen einem Kranz aus Oelzweigen und Eichenlaub in acht Zeilen folgende Inschrift:

Preside . Aulico
Petro. Comité . De . Goess .
Vere . Evergete .
Nobiles . Ladertini .
Aeternae . Devotionis .
M(onumentum) . D(edicant)
Anno MDCCCIV
.

Größe 2″ 5‴ W. M. in Bronce. (Abbildung auf Tafel XXV Nr. 128 von Joseph Bergmanns „Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des österr. Kaiserstaates vom 16.–18. Jahrhund.“ (Wien 1844 u. f.. Tendler, 4°.).]