BLKÖ:Hanthaler, Chrysostomus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hantschl, Joseph
Band: 7 (1861), ab Seite: 336. (Quelle)
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Hanthaler, Chrysostomus (Geschichtsforscher, Archivar und Bibliothekar des Cisterzienserstiftes Lilienfeld, geb. zu Marenbach bei Ried in Oberösterreich 14. Jänner 1690, gest. zu Lilienfeld 2. September 1754). Er hieß nach seinem Taufnamen Johann und war der Sohn armer Eltern, der unter drückenden Verhältnissen zu Salzburg die Philosophie beendete und dann in das dortige Stift St. Peter eintreten wollte. Nachdem ihm die Aufnahme verweigert worden, studirte er die Rechte und erwarb sich als Corrector einer Druckerei und durch Unterrichtgeben in Mathematik und Physik mühsam seinen Lebensunterhalt. Nach beendeten Rechtsstudien begab er sich nach Wien, um dort die Theologie zu studiren. 1716 gelang es ihm durch eine Empfehlung an den Abt Chrysostomus Wiser in das Cisterzienserstift Lilienfeld einzutreten, wo er am 15. August 1717 sein Gelübde ablegte, seines Abtes Namen Chrysostomus annahm und am 2. April 1718 die erste Messe las. Seine Kenntnisse und priesterlichen Eigenschaften machten ihn zu verschiedenen Klosterämtern verwendbar; 14 Jahre hindurch versah er das Amt eines Novizenmeisters, als Bibliothekar ordnete er die reiche Bibliothek, über welche er einen Katalog verfaßte, wurde dann Subprior, Administrator am Annaberge und erhielt nach seiner Rückkehr in’s Kloster von seinem Abte volle Muße, sich dem Studium der Geschichte zu widmen, wozu ihm das Klosterarchiv reiche Quellen darbot. Seine gedruckten Werke sind in chronologischer Folge: „Exercitationes faciles de numis veterum pro tyronibus in quibus Laconica Quiritum sapientia, et rei numariae veteris rudimenta facili methodo per exempla panduntur, ope numorum complurium pictorum et per dialogos familiariter expolitorum. Exercitatio procemialis ...“ [337] (Norimbergae 1735), Pars I–VI cum appendice (ibid. 1736, 1741, 1742, 1745, 1753, 4°. mit K. K.), in Form von Dialogen wird die Münzkunde des Alterthums in diesen Uebungen dargestellt; – „Verzeichniss bisher bekannter, alter und neuer wienerischer Denk- und Laufmünzen“ (Linz 1745, 4°., mit K. K.), dessen achte Abtheilung, die Münzen unter Kaiser Karl VI. und die neunte jene aus den ersten Regierungsjahren der Kaiserin Maria Theresia bis 1744 enthaltend, als eine Fortsetzung zu dem Werke von Heraeus [s. d.] angesehen werden können; – „Notulae anecdotae e chronica illustris stirpis Babenbergicae in Osterrichia dominantis, quam vir rever. Aloldus de Peklam, Ser. quondam Austriae Marchionis Adalberti ab a. 1034 usque ad a. 1056 Capellanus conscripsit. a. fr. Ortilone, uno e primis Monachis Campililiensibus sub finem saeculi XII. excerptae etc. etc. Edidit ex autographo et archivio domestico, atque observationibus etc. illustravit“ (Crembsii 1742, 8°.)[WS 1]; – „Grata pro gratiis memoria eorum quorum pietate munifica Vallis B. M. V. de Campo liliorum sacri et exemti Ordinis Cisterciensis Austriae inferioris cum initio saeculi XIII surrexit, crevit et in hunc usque diem feliciter floruit, seu Fasti Campililienses. Tom. I-III“ (Lincii 1747–1754, mit K. K., Fol.). Der erste Band enthält die genealogisch-historischen Elogien der ersten zehn Markgrafen Oesterreichs aus dem Hause Babenberg von 908–1200 und die Geschichte des ersten Jahrhunderts von Lilienfeld von 1201–1300; der zweite und dritte die Geschichte Lilienfeld’s im 14. und 15. Jahrhunderte von 1301–1500 und zugleich die Geschichte der Regenten des Landes und des Cisterzienser-Ordens. 70 und mehr Jahre nach seinem Tode veranstaltete Abt Ladislaus, der nachmalige Erzbischof und berühmte Dichter Oesterreichs, Pyrker, die Herausgabe eines Theiles von Hanthaler’s Nachlaß unter dem Titel: „Fastorum Campililiensum Chrysostomi Hanthaler continuatio seu recensus genealogico-diplomaticus archivi Campililiensis“, 2 Bde. (Wien 1818, Fr. Beck, Fol. mit 49 Taf.). Die Kupfertafeln zu diesen zwei Bänden, deren Herausgabe nur durch Hanthaler’s Tod unterblieb, waren schon zu seiner Zeit gestochen worden; mit Küchengeräth und Küchengeschirr auf den Trödelmarkt gerathen, wurden sie durch Abbé Neumann, den Director des k. k. Münz- und Antikencabinetes, der sie um 72 fl. angekauft, von dem Untergange gerettet. Diese Fasti Campililienses sind H.’s Hauptwerk; zugleich mit den Begebnissen des Stiftes erzählt H. darin die Geschichte des Landes und der hervorragendsten weltlichen und geistlichen Personen. Ueber 900 adelige Familien, viele bereits erloschen, viele ausgewandert, viele noch blühend, sind darin urkundlich erläutert. So z. B. finden sich darin die Stammbäume, Wappen und Siegel der Fünfkirchen, Gìlleis, Hager, Hardegg, Jörger, Kuenringe, Liechtenstein, Merkenstein, Neidegg, Ochsenburg, Pillichsdorf, Pottendorf, Rogendorf, Sinzendorf, Trautmansdorf, Wildek und vieler Anderer. Außer diesen gedruckten Werken ist aber noch ein großer handschriftlicher Nachlaß Hanthaler’s vorhanden, von dem Hormayr’s Archiv (in den, in den Quellen angegebenen Jahrgängen) eine ausführliche Darstellung enthält. Es befinden sich darunter vornehmlich viele numismatische Werke, denn H. hatte die reiche Sammlung des Lilienfelder [338] Stiftes, die mit dessen Aufhebung (25. März 1789) unterging, beschrieben; ferner „Nummi moderni memoriam Summorum Pontificum exhibentes“; „Historischer Apparatus, bestehend aus etlichen Tausend Copien von modernen Medaillen“; „Collectio siggillorum in usum Historiae, Genealogiae et Heraldicae“; „Verzeichniss der Salzburger erzbischöflichen Gold- und Silbermünzen“. Alle diese und viele andere Werke Hanthaler’s bewahrt die Stiftsbibliothek zu Lilienfeld; diese Werke sind sämmtlich von Hanthaler selbst geschrieben und mit seinen eigenhändigen Zeichnungen der Münzen und Siegel versehen. Durch seine Fasti Campililiensis hat sich H. ein unvergängliches Andenken gesichert; wie alle seine Arbeiten zeichnet sich auch dieses durch Natürlichkeit des Styles, methodische Klarheit und Quellengiltigkeit aus[WS 1].

(Hormayr’s) Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (Wien, 4°.) VII. Jahrgang (1816), Nr. 151–154; IX. Jahrg. (1818), Nr. 60, – und X. Jahrg. (1819), Nr. 135: „Hanthaler’s diplomatischer Nachlaß in Lilienfeld“. – Bergmann (Joseph), Pflege der Numismatik in Oesterreich im XVIII. Jahrhundert mit besonderem Hinblick auf das k. k. Münz- und Medaillen-Cabinet in Wien (Wien 1856, Staatsdruckerei, gr. 8°.) Heft I, S. 12 [nach diesem und den meisten übrigen Quellen geb. 14. Jänner 1690]. – Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, 8°.) Bd. XIX, S. 31. – Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1805, Fleischer, 8°.) Bd. V, S. 154. – Kirchliche Topographie Oesterreichs (Wien 1825, 8°.) Bd. VI (verfaßt von Ambros Becziezka), S. 212, 216 und 306 [nach dieser geb. zu Marbach in Bayern 16. April 1698]. – Saxii, Onomasticon litterarium, P. IV, p. 520. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, 4°.) IL Section, 2. Band, S. 223. – Oesterreichische National-Encyklopädie, herausg. von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 500.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. a b Vergleiche dazu auch Hanthaler, Chrysostomus (ADB) und Chrysostomus Hanthaler (Wikipedia).