BLKÖ:Heß, Karl Adolph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Heß (Schlosser)
Band: 8 (1862), ab Seite: 425. (Quelle)
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Heß, Karl Adolph (Pferde- und Schlachtenmaler, geb. zu Dresden 1769, gest. zu Wilhelmsdorf bei Wien 3. Juli 1849). Er betrieb anfänglich die Kupferstecherkunst und die Anfangsgründe in derselben brachte ihm der sächsische Hofkupferstecher Krüger bei; später unterrichtete ihn Karl Christian Klaß, der Inspector des churfürstlichen Kupferstichcabinets in Dresden, und unter [426] dieser Leitung bildete sich H. bis zum 21. Jahre aus. Obwohl er in dieser Zeit vornehmlich dem historischen Fache oblag, brach doch endlich seine Neigung, die im Studium des Pferdes ihren Mittelpunct fand, an den Tag. Er studirte nun die besten Blätter und Bilder der Dresdener Gallerie und machte sich bald mit seinen Arbeiten als einen trefflichen Pferdezeichner bekannt; zugleich malte er in Oel. Ganz besonders erregte 1796 ein größeres Oelgemälde die allgemeine Aufmerksamkeit; es stellte einen „Angriff sächsischer Dragoner auf französische Infanterie“ vor; noch mehr gefiel ein zweites Bild: „Marsch uralischer Kosaken durch Böhmen“. Lange galt dieses charakteristische Bild für sein Hauptwerk, wozu es aber vornehmlich dadurch geworden, daß es der Künstler in eigenthümlicher Weise selbst vervielfältigt hat. Er ließ nämlich von Stölzel das Bild im Umrisse auf eine Quer-Folioplatte stechen und die Abdrücke malte er dann selbst in bunten Tusch- und Deckfarben aus. Er verschickte dieses Bild an mehrere Fürsten und wurde dafür fürstlich belohnt; die Berliner Kunstakademie ernannte ihn sogar zum Ehrenmitgliede. Indem er mehrere solche gemalte Copien verfertigt hatte, ließ er nun die Platte durch den Kupferstecher Senf in einer kräftigen Aquatinta ausfuhren. Noch in drei verschiedenen Arten wurde das zu seiner Zeit vielgesuchte Blatt behandelt. Im Jahre 1800, nach Anderen erst 1809, übersiedelte er nach Wien, wo er seinen bleibenden Aufenthalt nahm und in der Folge zum Lehrer an der Akademie der bildenden Künste ernannt wurde. Von Wien aus unternahm er seine Kunstreise in die fernsten Gegenden, nach Ungarn, Rußland, in die Türkei und 1829 nach England, um die verschiedenen Pferderacen an den besten Originalen zu studiren. H. hat eine große Fruchtbarkeit in seinen Arbeiten entwickelt; außer einem Werke: „Reitschule oder Darstellung des natürlichen und künstlichen Ganges des Campagnepferdes“, mit K. K., dann mehreren radirten Blättern mit Pferden und seinen in Wien 1825 herausgegebenen Pferdeköpfen in natürlicher Größe, als Ergebnissen seiner Reisen zur genauen Kenntniß des arabischen Pferdes, hat er zahlreiche Bilder und vornehmlich mehrere Schlachtenstücke gemalt, da er in den Kriegsjahren vielfach Gelegenheit gefunden hatte, Augenzeuge militärischer Evolutionen zu sein. Ueber seine Arbeiten schreibt Nagler: „daß darin ein sorgfältiges Studium der Natur herrscht; daß er verstand, sehr gut zu individualisiren, sei es, daß er Menschen verschiedener Länder oder Pferde darstellte“. Er malte in Oel, Pastel und mit Deckfarben, er zeichnete sehr schön in Bister und Kreide auf gefärbtes Papier. H. gilt als einer der bedeutendsten Pferdemaler der neuern Zeit; er besaß ein tiefes Verständniß der verschiedenen Racen dieses edlen Thieres in seinem Zusammenhange mit Volk und Land, so daß seine Bilder in allen ihren Theilen, in der Landschaft, wie in der Staffage gleich vortrefflich sind. Er hatte in Wien nahezu ein halbes Jahrhundert gelebt und ist zu Wilhelmsdorf, einem in Wiens nächster Nähe, zwischen Meidling und Schönbrunn gelegenen Dorfe, 80 Jahre alt, gestorben.

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Voigt, 8°.) XXVII. Jahrg. (1849), S. 1256. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. VI, S. 148 – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner und Seubert, Lex. 8°.) Bd. II, S. 374. – BrockhausConversations-Lexikon (10. Auflage) Bd. VII, S. 674. – Meyer (J.), Das große [427] Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, 8°.) Bd. XV, S. 633, Nr. 6, Supplementband III, S. 1388, Nr. 2.