BLKÖ:Hedwig, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Heeger, Ernst
Band: 8 (1862), ab Seite: 190. (Quelle)
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Hedwig, Johann (Naturforscher, geb. zu Kronstadt in Siebenbürgen 8. December 1730, gest. zu Leipzig 18. Februar 1799). Sein Vater bekleidete in Kronstadt eine obrigkeitliche Stelle, der Sohn studirte zuerst in seiner Vaterstadt, kam dann auf die Schule nach Preßburg, später nach Zittau und begab sich 1752 nach Leipzig, um an der dortigen Hochschule die Medicin zu studiren. Früh schon zeigte sich bei ihm die Vorliebe zur Botanik; da es ihm an Mitteln fehlte, seinen Unterhalt zu bestreiten, schrieb er für die Pflanzen des botanischen Gartens der Leipziger Universität die Etiketten und verfertigte mehrere kleinere anatomische Präparate. Nach beendeten Studien kehrte er nach Kronstadt zurück; als er daselbst die ärztliche Praxis ausüben wollte, stellte ihm der Magistrat Hindernisse entgegen, da dieß nach dem Gesetze nur Jenem gestattet war, der die Doctorwürde an der Wiener Hochschule erworben hatte. Er kehrte nun nach Leipzig zurück, wo er seine Abhandlung über Anwendung von Brechmitteln bei acuten Fiebern herausgab. Auf den Rath eines seiner Freunde, eines Kaufmannes zu Chemnitz in Sachsen, ließ er sich in dieser Stadt als Arzt nieder. Daselbst beschäftigte er sich neben seiner wenig ergiebigen Praxis mit der Untersuchung kryptogamischer [191] Gewächse, besonders der Laubmoose, wobei ihn Schreber, mit dem er in Briefwechsel getreten war, freundlich unterstützte. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte er 1779 in dem Werke über die eigentlichen Befruchtungswerkzeuge der Moose. Da ihm bei seinen Studien das Zeichnen sich als unentbehrlich erwies, begann er, bereits 40 Jahre alt, sich darin zu üben und brachte es im Abbilden der Moose zu einer solchen Vollendung, daß seine Arbeiten über diesen Gegenstand noch heut’ als das Beste, was darüber besteht, angesehen werden. Um seine mißlichen Verhältnisse zu verbessern, begab er sich auf den Rath seiner Frau 1781 nach Leipzig, wo es ihm endlich gelang, eine Stelle im Stadthospital zu erhalten, bis er dann 1786 Professor der Medicin und 1789 Professor der Botanik und Inspector des botanischen Gartens wurde. Zu diesem Glückswechsel hatte vornehmlich seine in lateinischer Sprache geschriebene Naturgeschichte der Laubmoose beigetragen, welche in den Jahren 1782 und 1783 erschienen war und seinen Ruf in der Wissenschaft begründete; wie auch seine zwei Jahre später herausgegebene Abhandlung über die Befruchtungstheorie der kryptogamen Pflanzen, welche den von der Petersburger kais. Akademie ausgesetzten Preis erhalten hatte. Hedwig arbeitete nun auf dem Gebiete, welches ihm für seine Zeit wesentliche Entdeckungen verdankt, unermüdet fort. Ueber seinen Rath ließ der Churfürst von Sachsen den reichen botanischen Garten zu Pillnitz anlegen. Hedwig, der mit einem vortrefflichen Gedächtniß eine seltene Arbeitskraft und Ausdauer verband, bediente sich bei seinen botanischen Untersuchungen des Mikroscops, das er mit ungewöhnlicher Geschicklichkeit handhabte. Seine im Drucke erschienenen Schriften sind: „Epistola de praecipitantiae in addiscenda medicina noxis“ (Lips. 1755, 4°.); – „Dissertatio inauguralis de emesi in febribus acutis“ (ebd. 1759, 4°.); – „Ueber die eigentlichen Befruchtungswerkzeuge der Moose“ (1779); den Titel des Werkes gibt kein Büchercatalog, sondern Sprengel in der in Ersch und Gruber’s „Encyklopädie“ abgedruckten Lebensskizze an; fast scheint es mit der weiter unten angeführten „Theoria generationis ...“ identisch zu sein; – „Fundamentum historiae naturalis muscorum frondosorum, concernens eorum flores, fructus, seminalem propagationem, adiecta dispositione methodica, iconibus illustratum“, Partes 2 (Lipsiae 1782/83, mit 20 K. K., gr. 4°.) [Ebert, Bibliogr. Lex., Nr. 9358]; es gibt auch Exemplare mit illuminirten Kupfern; – „Theoria generationis et fructificationis plantarum cryptogamicarum Linaei, mere propriis observationibus et experimentis superstructa“ (Petropoli 1784, mit 37 K. K., auch Leipzig 1798, mit 42 ill. K. K., 4°.), von der kais. Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg mit dem Preise gekrönt [Ebert, l. c., Nr. 9356]; – „Abbildungen neuer und zweifelhafter kryptogamischer Gewächse nebst ihrer analytischen Geschichte“, 4 Bde. (Leipzig 1787–1797, jeder Band 40 K. K., gr. Fol.); auch mit dem lateinischen Titel: „Stirpe cryptomanicae: Descriptio et adumbratio microscopico-analitica muscorum frondosorum nec non aliorum vegetantium e classe cryptogamica Linaei novorum dubiisque vexatorum“ (ebd. 1785 et seq., Fol.) [Ebert, l. c., Nr. 9360; – „Programma de fibrae vegetabilis et animalis ortu“, Sectio I (Lipsiae 1789, 8°.); – „Belehrung, die Pflanzen zu trocknen und zu ordnen, sie frisch nach dem Linné zu untersuchen und ein System ausfindig [192] zu machen; für junge Botaniker“ (Gotha 1797, 8°.); – „Einige Zusätze zu G. C. Fischer’s[WS 1] Uebersetzung von F. A. von Humboldt’s Aphorismen aus der chemischen Physiologie der Pflanzen“ (Leipzig 1794, gr. 8°.); – „Filicum genera et species recent. meth. accomod. icon. ad naturam pict.“ Fasc. I–IV (Leipzig 1799–1803, Fol. maj. [Ebert, l. c., Nr. 9357], die zwei letzten Hefte von seinem Sohne Roman herausgegeben. Seine zerstreuten naturwissenschaftlichen Abhandlungen in der „Leipziger Sammlung zur Physik“, im „Leipziger Magazin“, in den „Schriften der Leipz. ökonom. Gesellschaft“, in Riem’s „Oekon. Schriften“, und in desselben „Auserlesene Sammlung vermischter Schriften“, und endlich in Usteri’s „Annalen der Botanik“ gab er in dem Werke: „Sammlung meiner zerstreuten Abhandlungen und Beobachtungen über bekannte ökonomische Gegenstände“, 2 Bdchn. (Leipzig 1793–1797, gr. 8°., mit K. K.) gesammelt heraus, sie enthalten unter Anderem die interessanten Aufsätze über den wahren Ursprung der männlichen Begattungstheile der Pflanzen, Beobachtungen über die Ausdünstungswerkzeuge der Pflanzen, über die lebendigen Geburten derselben und den Versuch eines genauen Unterscheidungskennzeichens zwischen Thier und Pflanze. Außer den bisher angegebenen selbstständigen Werken veröffentlichte H. auch folgende Uebersetzungen: „Dr. Christ. Gottlieb Ludwig’s Einleitung in die Pathologie. Aus dem Lateinischen“ (Erlangen 1777, 8°.); – und „Karl Bonnet’s Werke der natürlichen Geschichte und Philosophie. Aus dem Französischen“, 4 Bde. (Leipzig 1783–1785, 8°.). Nach seinem Tode erschien herausgegeben von Fr. Schwägrichen[WS 2]: „Species muscorum frondosorum. Opus posthumum“ (Leipzig 1801, Barth, mit 77 col. Tafeln, gr. 4°.) – und „Supplementum I–III ed. Fr. Schwägrichen“ (ebd. 1811–1830, 300 Tafeln, gr. 4°.) [Ebert, l. c., Nr. 9359]. Auf dem Gebiete der Botanik waren Hedwig’s Arbeiten, namentlich seine Entdeckungen bei Farrenkräutern, Flechten und Moosen, über deren Samenkapseln und Befruchtungsart, epochemachend, auch seine Eintheilung derselben, welche er von der charakteristischen Form und Lage der Befruchtungswerkzeuge hernahm, war neu. Noch bei seinen Lebzeiten begann Ph. Sirach Bridel die Herausgabe der „Muscologia recentiorum muscorum frondosorum cognitorum ad normam Hedwigii“ [vergleiche Ebert, l. c., Nr. 2977]. Seine rastlose Thätigkeit zog ihm ein Nervenfieber zu, dem er, 69 Jahre alt, auch erlag. Von 15 Kindern, aus zwei Ehen, überlebten ihn nur zwei Söhne und zwei Töchter. Von den Ersteren trat Roman Adolph (geb. 1772, gest. 1. Juli 1806) in die Fußstapfen des Vaters, wurde aber jung, erst 34 Jahre alt, durch den Tod hinweggerafft. Nach Vater und Sohn wurden mehrere Pflanzen bezeichnet, als Hedwigia balsamifera Swartz aus der Familie der Burseraceen; dann Anectangium Hedw. aus der Familie der Bryaceen, und Hedwigia Med. aus der Familie der Commelynaceen.

Deleuze (Jos. Phil. Franc.), Ueber das Leben und die Werke Joseph Gärtner’s und J. Hedwig’s (Stuttgart 1805, 8°.), – Annales du Museum d’histoire naturelle (Paris 1803, 4°.) Tom. II, p. 392 et 451: „Notice sur la vie et les ouvrages d’Hedwig“, par Deleuze. – Leipziger gel. Tagebuch 1797, S. 117 u. f.; – Dasselbe 1799, S. 25 u. f. – Siebenbürgische Quartalschrift, Jahrg. VII, Heft 3 (1801). – Denkwürdigkeiten aus dem Leben ausgezeichneter Teutscher des 18. Jahrhunderts, S. 154–168. – Meusel (J. G.), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1805, Gerh. [193] Fleischer d. J., 8°.) Bd. V, S. 279 [nach diesem geb. 8. December 1730, gest. 18. Februar 1799]. – Elvert (Joh. Kasp. Phil.), Nachrichten von dem Leben und den Schriften jetztlebender Aerzte (Hildesheim 1799, 8°.) Bd. I, S. 217–227. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste. II. Section, 4. Theil, S. 34 [nach dieser geb. 8. October 1730, gest. 7. Februar 1799]. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., 8°.) Bd XXIII, Sp. 726 [nach dieser geb. 8. December 1730, gest. 7. Februar 1799]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 532. – Wörterbuch der Naturgeschichte, dem gegenwärtigen Stande der Botanik, Mineralogie und Zoologie angemessen (Weimar 1824, Industrie-Comptoir, 8°.) Bd. VI, S. 425 [mit der irrigen Angabe des Jahres 1768 als Hedwig’s Geburtsjahr]. – Noehden (H. A.), Specimen inaugurale botanicum in quo de argumentis contra Hedwigii Theoriam de generatione Muscorum quaedam disseruit (Goettingae 1797, 4°.). – Schuler von Libloy (Friedrich), Kurzer Ueberblick der Literaturgeschichte Siebenbürgens von der ältesten Zeit bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts. Sylvestergabe (Hermannstadt 1857, Georg v. Closius), S. 83. – Porträt. V. H. Schnorr fec. (4°.) Rad.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Gotthelf Fischer von Waldheim (Wikipedia).
  2. Schwägrichen, Christian Friedrich (ADB).