BLKÖ:Herbert Ritter von Heerbot, Leopold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 357. (Quelle)
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Herbert Ritter von Heerbot, Leopold (Feldmarschall-Lieutenant, geb. zu Neukirchen am Walde in Oberösterreich 1778, gest. zu Baden bei Wien 30. December 1856). Nachdem er die Gymnasialstudien zurückgelegt hatte, nahm er eine Fouriersstelle beim Bukowinger Beschäl- und Remontirungs-Departement am 6. Juni 1796 an, vertauschte diese nach Jahresfrist mit der Wachtmeisterscharge und ließ sich so vorzüglich verwenden, daß er schon am 1. Mai 1799 zum Adjutanten und am 1. Juli 1805 zum Oberlieutenant im Departement befördert wurde. Eingetretene Verhältnisse bestimmten Herbert zu Neujahr 1811 in die Pension zu treten. Er benützte diese Muße zu Reisen nach Rußland, Polen und den Donaufürstenthümern auf eigene Gefahr und Kosten, und die auf denselben erworbene Bekanntschaft mit den Sitten und Einrichtungen jener Länder sollte ihm später wohl zu Statten kommen. Nach seiner Rückkehr gelang es ihm, wieder in den activen Dienst aufgenommen zu werden. Als nun das kaiserliche Auxiliarcorps im Jahre 1812 zur Armee Napoleon’s stoßen sollte, wurde Herbert am 16. August 1812 als Oberlieutenant in den Generalstab eingetheilt und dem Feldmarschall Fürsten Schwarzenberg’schen Corps als Wegmeister beibeordert. In solcher Verwendung bei diesem Auxiliarcorps versah er dasselbe in dem schwierigen Lande, wie Russisch-Polen bekanntlich ist, stets mit guten und kundigen [358] Boten und erhielt am 1. September 1812 aus dem Hauptquartier Kossari in Volhynien vom Fürsten Schwarzenberg die erste geheime Sendung nach der Moldau, um über die Stärke, Organisation und die Bewegungen der russisch-kaiserlichen Armee unter Admiral Tschitschagoff, welche um jene Zeit auf dem Rückmarsch von der Donau nach Rußland begriffen war und die Bestimmung hatte, gegen das Auxiliarcorps zu operiren, Erkundigungen einzuziehen, Notizen zu sammeln und diese dem Feldmarschall zu überbringen. H. wurde nun am 18. August 1813 zum Hauptmann im General-Quartiermeisterstabe und zum Oberwegmeister in dem Augenblicke ernannt, als der Feldmarschall den Oberbefehl der verbündeten Heere gegen Napoleon im August g. J. übernommen hatte. Im Gefolge des Fürsten wohnte H. allen Gefechten und Schlachten dieser großen Periode bei und zeichnete sich namentlich bei Fêre Champenoise, 25. März 1814, so vortheilhaft aus, daß er mit dem Wladimir-Orden decorirt wurde. Nach Wien zurückgekehrt, ward ihm am 5. August 1814 die zweite wichtige Mission zu Theil zur Realisirung ähnlicher Zwecke, wie bei der ersten, welcher Fall auch stattfand, als ihn Feldmarschall Fürst Schwarzenberg am 26. April 1815 nach Andrichau sendete, die dort concentrirten sämmtlichen acht russischen Colonnen unter den Befehlen der Generale Langeron und Rajewski zu beaugenscheinigen. Nach hergestelltem Frieden kam H. am 1. Februar 1816 als Rittmeister in das 3. Chevauxlegers- und drei Jahre darnach in gleicher Eigenschaft in’s 3. Dragoner-Regiment. Im Jahre 1821 entwickelten die Verschwornen, die unter Alexander Ypsilanti, Sohn des früheren, nach Rußland geflüchteten Hospodars, Griechenland verlassend, in der Moldau bei Michael Suzzo, dem Hospodare, Schutz gefunden hatten, in dieser Provinz große Thätigkeit, da sie nicht nur dieses Land, sondern auch andere Gebiete der Türkei insurgirten und das Zeichen zum Aufstande gaben. Türkische Heere besetzten die Moldau, schlugen Ypsilanti beim Kloster Dragaschan, führten einige Monate den kleinen Krieg und verwüsteten das Land. Die Russen standen zum Einmarsch bereit, in ihrem Hauptquartier befand sich der Feldzeugmeister Philipp Prinz Hessen-Homburg als österreichischer Bevollmächtigter. Es handelte sich darum, sowohl die Courierverbindungen mit dem Prinzen zu besorgen, als auch über Dislocation, Stärke, Lieferung, Stimmung, Verpflegung und Verstärkung der russischen Truppen in den Fürstenthümern, über der Donau, in Bessarabien und Podolien die sichersten Nachrichten zu haben, da hauptsächlich hiervon die Intervenirung der kaiserl. Behörden Galiziens in dem angrenzenden revolutionären Gebiete abhängig gemacht werden sollte. Der commandirende General, Feldzeugmeister Prinz Reuß, berief den Rittmeister Herbert und übergab ihm die Sendung in das unruhige Land, welche dieser mit vollständigem Erfolge ausführte. Am 16. October 1831 wurde H. als Rittmeister in das Militär-Fuhrwesenscorps übersetzt; am 8. April 1833 zum Major, am 3. October 1838 zum Oberstlieutenant, am 29. Mai 1840 zum Obersten, am 1. Juli 1848 zum General-Major und am 23. Juli 1849 bereits zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. Als Oberst des Fuhrwesens suchte H. dieses bis dahin wenig gewürdigte und nichts destoweniger wichtige Corps zu heben, und erwarb sich durch umsichtige energische Leitung in Ausrüstung der [359] Artilleriebespannungen sowohl für die in Italien, als vorzugsweise für die in Ungarn operirende Armee besondere Verdienste, welche auch durch die am 26. Juni 1849 erfolgte Verleihung des Ritterkreuzes des Leopold-Ordens und durch die mit Diplom vom 12. Jänner 1850 statutenmäßig geschehene Erhebung in den Ritterstand, mit Verleihung des Prädicates „von Heerbot“, anerkannt wurden. Im October 1850, kurze Zeit vor Herbert’s Uebertritt in den Ruhestand, erschien auf seine Anregung eine Ehrenhalle des von ihm befehligten Corps; es war dieselbe bestimmt durch Hinweisung auf die Auszeichnungen der Einzelnen in den Schulen den guten Geist der Mannschaft zu heben, und die Erinnerung an die Braven wach zu erhalten. In der That hatte auch dieses Corps namentlich in den Jahren 1848 und 1849 zahlreiche Beweise von Tapferkeit und Unerschrockenheit gegeben, und es hatten sich Officiere und Mannschaft in dieser Periode 1 Ritterkreuz des Leopold-, 3 des eisernen Kron-Ordens, 12 Verdienstkreuze, 7 goldene, 45 silberne Tapferkeits-Medaillen erster und 90 silberne Tapferkeits-Medaillen zweiter Classe erkämpft. Als Herbert im Alter von 78 Jahren starb hinterließ er zwei Söhne, beide in der kaiserlichen Armee dienend. Adolph, zur Zeit Major im Uhlanen-Regimente Nr. 5; – Leopold, Oberst beim Militär-Fuhrwesenscorps.

Militär-Zeitung (Fortsetzung des Oesterreichischen Soldatenfreundes, Wien, 4°.) Jahrg. 1857, Nr. 2, S. 15: „Nekrolog“. – Hirtenfeld (J.), Oesterreich. Militär-Kalender für das Jahr 1858 (Wien, kl. 8°.) Jahrg. IX, S. 244. – Ritterstands-Diplom vom 12. Jänner 1850. – Wappen. Gevierteter Schild. 1: von Gold, Blau, Silber und Roth viermal quergestreift, auf dem Fußrande steht ein mit einer Zacke versehener hoher Meilenstein, der sich durch alle Querstreifen bis nahe unter den Schildesrand erhebt; 2: in Silber ein blauer aufgerichteter einwärts schreitender Löwe mit ausgeschlagener rother Zunge, in der rechten Pranke eine halbgeöffnete Papierrolle emporhaltend; 3: in Gold ein sich vom Fußrande einwärts aufbäumendes schwarzes roth gezäumtes Pferd; 4: in Roth ein auf dem Fußrande gestelltes silbernes, mit schwarzen Mauerstrichen versehenes Castell mit verschlossenem silbernem Thore und einem Thurme, gleichfalls mit verschlossenem Fenster. Das Castell lauft in 4, der Thurm in 3 Zinnen aus. Auf dem Schilde ruhen zu beiden Seiten zwei gegeneinander gekehrte gekrönte Turnierhelme. Aus der Krone des rechten Helmes wächst der Löwe von 2, aus jener des linken das schwarze Pferd von 3 hervor. –