BLKÖ:Hermann, Johann M. von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 386. (Quelle)
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Hermann, Johann M. von (Maler, Zeichner und Kupferstich-Restaurator, geb. in Oesterreich (wahrscheinlich in Wien) um 1790). Der Sohn eines Edelmannes, studirte in Wien und trieb mit besonderer Vorliebe Geschichte, Geographie und Naturlehre. Den Unterricht in der Musik, den er auf Anordnung des Vaters erhielt, verdrängte alsbald jener im Zeichnen, das er anfänglich heimlich, ohne Anleitung, aber mit solchem Erfolge betrieb, daß sich der Vater entschloß, den Bitten des Knaben nachzugeben und ihn auf die Akademie der bildenden Künste in Wien zu schicken. 1805 begann Johann den Besuch derselben und erhielt noch im nämlichen Jahre den ersten Preis aus der Ornamentik, welche Johann Hagenauer [s. d. Bd. VII, S. 193] lehrte. Die Kriegsereignisse der Jahre 1809 und 1811 schmälerten des Vaters Vermögen derart, daß ihn dieser nicht mehr unterstützen konnte und Johann bedacht sein mußte, nach eigenem Erwerbe auszuschauen. Indem er sich also auf die Kupferstechkunst verlegte, arbeitete er kleinere Zeichnungen und Bildnisse in Miniatur, zu gleicher Zeit sammelte er, so weit ihm dieß möglich war, Kupferstiche älterer Meister, welche er, wenn sie schadhaft waren, mit allem Fleiße wieder herzustellen bemüht war. Er erreichte darin allmälig eine solche Fertigkeit und einen Grad von Vollkommenheit, daß er auf den Rath von Kennern und Liebhabern von Kupferstichen sich als Kupferstich-Restaurator ankündigte. Der Zuspruch, den er erhielt, war nicht gering; die gelungene Wiederherstellung beschädigter kostbarer Blätter kleinerer Sammlungen verbreitete seinen Ruf und es wendeten sich alsbald Besitzer großer Kunstsammlungen mit Aufträgen an ihn, so z. B. Herzog Albert von Sachsen-Teschen, die k. k. Hofbibliothek, die Grafen Fries und Harrach, beide als Kunstsammler bekannt. Nun kamen auch und mitunter wichtige Aufträge aus dem Auslande und zwar aus Italien, Paris, London, Berlin und anderen Städten Deutschlands. Im Jahre 1821 unternahm er eine größere Reise theils zur Erweiterung seiner artistischen Kenntnisse, theils um neue Verbindungen anzuknüpfen. Später ließ er sich in München nieder und wurde daselbst Gründer der Hermann’schen Kunsthandlung, welche zur Zeit noch besteht. Als Zeichner arbeitete H. mit solcher Vollendung, daß man kein aus freier Hand gezeichnetes Blatt, sondern einen zierlich gestochenen Kupferstich vor sich zu haben glaubte, dabei wußte er die verschiedenen Arten des Grabstichels auf das Täuschendste nachzuahmen. Diese Fertigkeit setzte ihn in den Stand schadhafte Blätter aller Schulen so täuschend herzustellen, daß nirgend eine Spur seiner Nachhilfe, und oft bei sehr sorgfältiger Nachsuchung, aufzufinden war. Diese vollendete Art schadhafte Bilder zu restauriren wurde nach ihm hermanisiren genannt, und ist dieser Ausdruck noch heut’ in der Kunstwelt üblich. Als eines unter vielen Beispielen sei angeführt die Restauration eines Blattes von Marc-Anton (Raimondi), dessen Kopf herausgebrannt war. Er hatte dasselbe so trefflich ergänzt, daß das geübteste Kennerauge davon getäuscht wurde. Auch hatte er im Laufe der Jahre eine gewählte und interessante Sammlung kostbarer alter Kupferstiche aus der deutschen, niederländischen und italienischen Schule zu Stande gebracht, worunter sich Blätter von großer Seltenheit befanden. Ein Zeugniß des [387] berühmten Kupferstichkenners Adam von Bartsch [s. d. Bd. I, S. 171] sagt von ihm, daß „kein Restaurator, die er bisher kennen gelernt, der Vollkommenheit nahe gekommen sei, welche man in Hermann’s Werken bewundert, und die ihn auf die Stufe eines Künstlers erhebe, welcher in seiner Art als einzig angesehen werden könne“.

Kunstblatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) Jahrg. 1821, Nr. 74, S. 294: „Biographische Notizen über Johann M. von Hermann, Kupferstich-Restaurator. Von Prof. Spath“. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München, Fleischmann, 8°.) Bd. VI, S. 126. – Porträt. Lithogr. von H. Dragendorff 1838 (München, Fol.), Hüftbild.