BLKÖ:Heuglin, Theodor von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 456. (Quelle)
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Heuglin, Theodor von (Naturforscher und Reisender, geb. zu Hirschlanden im Königreiche Württemberg 20. März 1824). Wurde im Elternhause von einem Hofmeister erzogen, hatte sich ursprünglich dem Ingenieur- und Bergfache gewidmet und zu diesem Zwecke 10 Jahre hindurch die wissenschaftlichen Bildungsanstalten zu Stetten und Salon und die polytechnische Schule zu Stuttgart besucht und dann seit dem Jahre 1845 als Bergcadet, Prakticant und Ober-Hüttenassistent auf verschiedenen württembergischen und badischen Hüttenwerken gedient. Nach mehreren wissenschaftlichen Reisen in Süd- und Osteuropa begab er sich zur Erweiterung seiner Kenntnisse im Jahre 1850 in den Orient und durchreiste Egypten, Nubien, Arabien und das rothe Meer. Im October 1852 erhielt er von der österreichischen Regierung den Auftrag, sich als Secretär dem kaiserlichen Consulate in Chartum anzuschließen, und nach dem Tode des damaligen Consuls C. Reitz[WS 1] auf einer diplomatischen Reise nach Abyssinien wurde Heuglin selbst im Juni 1853 zum Leiter des kaiserlichen Consulats für den Ostsudan ernannt. Diesem Amte hat er nahezu 6 Jahre und zum großen Gewinn für die Wissenschaft vorgestanden, indem er Chartum zum Mittelpuncte für zahlreiche Ausflüge nach Kordofan und Abyssinien, längs der Küsten des rothen Meeres, nach der Siera-Halbinsel und dem Somali-Lande machte. In diese Zeit fallen auch seine naturwissenschaftlichen Mittheilungen und Reiseberichte an die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien, welche in den „Sitzungsberichten“ derselben abgedruckt wurden, als: „Ueber Nilfische“ (VII, 358); – „Ueber ein Cetaceum (Balaenoptera Lacep?) aus dem rothen Meere, mit 1 Taf.“ (VII, 449); – „Ueber afrikanische Fische“ (VII, 452); „Schreiben aus Asuan“ (IX, 235); – „Reisebericht aus Chartum vom 25. October 1852“ (IX, 915); – „Bericht über die von demselben mitgebrachten lebenden Thiere für die kais. Menagerie zu Schönbrunn“ (XVII, 242); – „Systematische Uebersicht der Vögel Nordost-Afrika’s, mit Einschluss der arabischen Küste, des rothen Meeres und der Nilquellen-Länder südwärts bis zum 4. Grade n. B.“ (XIX, 255). Im December 1858 legte H. sein Amt nieder um sich nach Europa zurückzubegeben und theils seine bisher gesammelten Materialien [457] zu verarbeiten, theils sich zu neuen wissenschaftlichen Reisen in das Innere Afrika’s vorzubereiten. Da traf ihn zu Anfang des Jahres 1860 der Ruf, der ein Unternehmen zur Rettung des unglücklichen Dr. Ed. Vogel oder wenigstens zur Aufklärung seines Schicksals forderte. Bereitwillig übernahm H. die Ausführung dieses Planes, zu dessen Verwirklichung sich ein Comité bildete und bei welcher Gelegenheit die deutsche Nation für eine der edelsten und stolzesten ihrer Thaten mit seltener Begeisterung einstand. Am 4. und 5. März 1861 waren die Mitglieder der Expedition, bei welcher sich auch der österreichische Reisende Martin Ludwig Hansal [Bd. VII, S. 324] befand, in Alexandrien versammelt und die „Mittheilungen aus Justus Perthes’ geographischer Anstalt über wichtige neue Erforschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie, von Dr. A. Petermann“, erstatten regelmäßig Bericht über die Expedition und ihren Fortgang. Auch sind in diesen „Mittheilungen“ mehrere Reiseschilderungen Heuglin’s aus früherer Zeit enthalten, u. z. seine „Erforschung der Bajuda-Landschaft zwischen Ab-Dom und Chartum im Jahre 1856“ (Jahrg. 1859, S. 468, mit 1 Karte); – „Reise in Nordost-Afrika und längs des rothen Meeres im Jahre 1857“ (Jahrg. 1860, S. 325, mit 1 Karte); – „Reise längs der Somali-Küste im Jahre 1857“ (ebd. S. 418, mit 1 Karte); – „Forschungen über die Fauna des rothen Meeres und der Somali-Küste“ (Jahrg. 1861). In jüngster Zeit wurden von einer Seite – vornehmlich von der „Preußischen Kreuzzeitung“ – verdächtigende Nachrichten über Heuglin’s Vorgehen veröffentlicht, zugleich aber von anderer Seite gewarnt, nicht übereilte Schlüsse zu ziehen und erst bestimmte Nachrichten abzuwarten. Diese Angriffe der „Kreuzzeitung“ veranlaßten H. zu einer Entgegnung, in welcher er es versucht hat, die österreichische Regierung für das Mißlingen seiner früheren Reise (1857) in Afrika verantwortlich zu machen, indem nach Heuglin’s Auseinandersetzung (Allgemeine Zeitung 1862, Beilage zu Nr. 7, S. 111) die österreichische Regierung ihn mit den erforderlichen Geldmitteln habe stecken lassen und ihm zuletzt dieselben nicht in ihrem vollen Betrage ausgezahlt habe. Diese unbegründeten Anschuldigungen wurden nun von der österreichischen Regierung auch in der „Allgemeinen Zeitung“ (1862, Beilage zu Nr. 15, S. 243) in einer „Zur Heuglin’schen Berechnung“ überschriebenen Erwiderung zurückgewiesen und die Munificenz der österreichischen Regierung, welche Heuglin mehr zahlte als er gefordert, mit sprechenden Zahlen nachgewiesen. Die Nachrichten aber über den Fortgang der Heuglin’schen Expedition, welche ihre Aufgabe: Erforschung der Schicksale Vogel’s, ganz aus den Augen verloren zu haben scheint – denn Heuglin veränderte eigenmächtig die ihm vorgezeichnete Route – mochten den regierenden Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha, unter dessen Aegide sich das oberwähnte Comité gebildet, veranlaßt haben, mit einem kleinen Gefolge, in welchem sich Gerstäcker und Brehm befinden, eine Reise nach Afrika zu unternehmen, welche er auch Anfangs März 1862 angetreten hat. Nach den neuesten Mittheilungen (Mitte März 1862) hat das Expeditionscomité dem Reisenden Heuglin wegen dieser Vernachlässigung des Hauptzweckes Vollmacht und Unterstützung entzogen. Auch will man den Schlüssel zu H.’s Betragen in starker Verschuldung und in der Absicht gefunden haben, seinen in Chartum [458] auf ihn wartenden Gläubigern zu entgehen.

Die Natur. Zeitschrift zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntniß und Naturanschauung (Halle, G. Schwetschke, 4°.) X. Jahrg. (1861), Nr. 15, S. 116; Nr. 16, S. 121; Nr. 26, S. 204. – Westermann’s Jahrbuch der illustrirten deutschen Monathefte. Ein Familienbuch (Braunschweig, Georg Westermann, 8°.) Bd. IX, S. 232. – Die Illustrirte Welt (Stuttgart, E. Hallberger, Lex. 8°.) 1861, S. 259 u. f. – Mittheilungen aus Justus Perthes’ geographischer Anstalt u. s. w. (Gotha, 4°.) Jahrg. 1861, S. 41, 83, 159, 169, 171, 173, 202, 226, 276, 308, 309, 347, 394; Jahrg. 1862, S. 15, 25. – Wiener Zeitung 1860, Nr. 251, S. 4276: „Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1858, Nr. 16. Daselbst wird im Feuilleton die Schrift: „Reisen in Nordost-Afrika von Theodor von Hauptin (sic), Geometer des k. k. österr. Consulates zu Chartum in Ost-Sudan“ angerühmt. Dieser österreichische Consulats-Geometer Hauptin ist Niemand anderer als unser Reisende Theodor von Heuglin. – Didaskalia (Frankfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) 1861, Nr. 125 und 126: „Zur Heuglin’schen Expedition“ [ein aus der „Berliner Kreuzzeitung“ nachgedruckter Schmähartikel voll von leider, wie es sich herausstellte, berechtigten Angriffen auf Heuglin]. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, 4°.) 1862, Beilage zu Nr. 7, S. 111: „Die Heuglin’sche Expedition in Inner-Afrika“ [Antwort Heuglin’s auf die Angriffe der „Kreuzzeitung“]; Beilage zu Nr. 15, S. 243: „Zur Heuglin’schen Berechnung“ [das Nähere in der Biographie H.’s]. – Triester Zeitung 1861, Nr. 134: „Deutsche Reisende in Afrika“ [gibt außer Nachrichten über Heuglin’s Expedition auch ein Bild der seit 1800 von Deutschen unternommenen Reisen in das für die Völkerkunde so wichtige Afrika, unter denen auch die zwei Oesterreicher, nämlich Russegger und Knoblecher, zu den bemerkenswerthesten zählen]. – Dieselbe 1858, Nr. 6–12: „Th. von Heuglin’s Reise nach Abyssinien 1852 u. 1853“. – Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen 1862, Beilage zu Nr. 3: „Die Heuglin’sche Expedition“ [nach einem Briefe aus Leipzig vom 15. December 1861]. – Die National-Zeitung (Berlin, Fol.) 1862, Nr. 63: „Die von Heuglin’sche Expedition nach Inner-Afrika“. [Die Literatur über diese Expedition Heuglin’s wächst mit jedem Tage. Die oben angeführten Quellen, unter denen die „Mittheilungen aus Justus Perthes geographischer Anstalt“ obenan stehen, umfassen die wesentlichsten Berichte über den Stand der Expedition und über die Bedenken, welche sich gegen deren Ausführung durch Heuglin bisher erhoben haben.] – Porträt. Dasselbe wohlgetroffen im meisterhaften Holzschnitte bringt die Zeitschrift: „Natur“ von O. Ule und K. Müller, 1861, S. 117, und die „Illustrirte Welt“ (Stuttgart, Hallberger) 1861, S. 260.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: D. Reitz.