BLKÖ:Knoblecher, Ignaz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Knobloch, Aaron
Band: 12 (1864), ab Seite: 154. (Quelle)
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Knoblecher, Ignaz[BN 1] (apostolischer Generalvicar für Central-Afrika, geb. zu Sanct Kanzian im Bezirke Nassenfuß [155] in Unterkrain 6. Juli 1819, gest. zu Neapel 13. April 1858). Der Sohn schlichter Landleute, die in seinem Geburtsorte eine kleine Landwirthschaft besaßen. Im Alter von sieben Jahren kam er zur Schule nach Kostainovica, im nächsten Jahre nach Cilli; die dritte Normalclasse und das Gymnasium besuchte er in Neustadt in Unterkrain, worauf er im Jahre 1837 an das Lyceum in Laibach kam. Schon als Gymnasiast regte sich in ihm der Wunsch, einst als Glaubensbote unter die Ungläubigen zu gehen, und er verlegte sich als Studirender der Philosophie, so wie während des zweijährigen Aufenthaltes im Priester-Seminarium zu Laibach, mit großem Eifer auf die Erlernung fremder Sprachen. Aufgemuntert durch den damaligen Nuntius am k. k. Hofe zu Wien, Cardinal Altieri, bei dem er sich brieflich angefragt hatte, verließ er Laibach, nachdem er den zweiten theologischen Jahrgang beendet, am 27. August 1841 und trat die Reise nach Rom an, wo er am 7. September anlangte. Er hatte gehofft, in der Propaganda Aufnahme zu finden, allein diese wurde ihm auf unbestimmte Zeit verweigert und nur der Besuch der Jesuiten-Collegien, wie auch die Sprachstudien in der Propaganda wurden ihm gestattet. Trotzdem, daß er schon die erste seiner Hoffnungen scheitern sah, ließ er sich nicht abwendig machen, den betretenen Weg zu verfolgen, und keine Sorgen, kein Kummer entmuthigten den entschlossenen Jüngling. Knoblecher’s Briefe aus Rom (vom 24. November 1841 und vom 11. Februar 1842) gewähren uns einen tiefen Einblick in die äußerlich höchst drückenden Verhältnisse, in sein unbegrenztes Gottvertrauen, seine feurige Begeisterung. „Oft ist es geschehen – schreibt er – daß ich eine Woche, auch ganze vierzehn Tage keine warmen Speisen genossen und Brot und Wein fast meine ganze Nahrung ausmachten; dennoch bin ich viel lebhafter als ich es in Krain gewesen, habe eine blühendere Gesichtsfarbe und fühle mich stärker als je. Als diese kümmerliche Lage Knoblecher’s in Krain bekannt ward, ermangelte der Fürstbischof von Laibach, A. A. Wolf, nicht, ihm eine ergiebige Geldunterstützung zu senden, was später noch zu wiederholten Malen geschehen ist. Auch unter der Landgeistlichkeit wurde eine Sammlung veranstaltet und deren Ertrag abgeschickt. Obwohl jedoch diese Geldbeträge zu rechter Zeit in Rom eintrafen, gelangten sie dennoch nicht in die Hand des Adressaten, und während das Geld auf dem Postamte lag, mußte Knoblecher buchstäblich „Hunger leiden“; erst nach acht Monaten kam er in den Besitz dieses Geldes. Mittlerweile hatte ein Freund ihm eine Stelle als Erzieher bei einer dänischen Familie gefunden. Nachdem er die Erlaubniß von seinem Vorgesetzten eingeholt hatte, begleitete er im Sommer 1842 diese Familie über Florenz, Verona, München, durch Böhmen, Sachsen, Preußen nach Hamburg und von da nach Kopenhagen. Hier blieb er bis zum October, denn er hatte die Erlaubniß zur Reise nur unter der Bedingung erhalten, daß ihm diese für seine Berufsbahn zu keinem Nachtheile gereiche, und deßhalb mußte er zum Beginne des neuen Schuljahres wieder in Rom eintreffen. Die Rückreise machte er über Hamburg, Havre, Paris, Marseille, Civitavecchia, kam Ende November zu Rom an, wo er zuletzt auch die im Frühlinge aus Laibach abgesendete Geldsumme erhielt und somit weiterer Nahrungssorgen überhoben war. Im Jahre 1843 wurde er unter die Zöglinge der römischen Propaganda aufgenommen [156] und gelobte als unerläßliche Bedingung am 29. Juni 1844 feierlich, den Vorstehern der Propaganda pünctlich zu gehorchen und ihnen aus den europäischen Missionen jedes Jahr, aus denen in anderen Welttheilen aber jedes zweite Jahr über das Gedeihen seiner Mission Bericht zu erstatten. Im März 1845 erhielt er die h. Weihen und las in der Kirche des Profeßhauses S. J. die erste heilige Messe. Er war anfänglich für eine Mission nach Hindostan bestimmt. Bereits reisefertig, zählte er nur noch wenige Tage bis zur Abreise. Allein plötzlich erfuhr er, daß die Propaganda ihn zu der katholischen Gemeinde nach Stockholm schicken wolle, da man von dort um einen der deutschen und der französischen Sprache kundigen Priester gebeten hatte. Er trennte sich schwer von seiner Lieblingshoffnung, unter den Heiden zu wirken; allein auch nach Schweden sollte er nicht gehen und in kurzen Zwischenräumen wurde er „für drei eben so interessante als von einander weit entfernte Missionen“ vorgeschlagen, nämlich: für eine neu zu eröffnende in Australien; für eine zweite in Hindostan und für eine dritte in Persien. Er wurde für Persien bestimmt. Eilig brachte ihm sein väterlicher Freund Cardinal Mezzofante die persische Grammatik, und mit der bekannten Energie und Ausdauer verlegte sich Knoblecher auf das eingehende Studium von Sprache, Lebensart, Sitten und Gebräuchen des seiner Thätigkeit bestimmten Wirkungsplatzes. Mittlerweile hielt Knoblecher mit noch neun Collegen unter Leitung des Rectors P. Ryllo Missionen im Apenninengebirge der Sabina. Hier feierten diese Freunde auch ihr Abschiedsmahl, da dieselben kurze Zeit darauf in alle fünf Theile der Welt hinaus zerstreut werden sollten. Während sich der Glaubensapostel für seine Mission vorbereitete, erhielt er die Nachricht, daß er auf eine baldige Abreise aus Rom verzichten sollte, indem die Propaganda ihn in Rom behalten wolle. Es war nämlich im Plane, ein griechisch-ruthenisches Collegium in Rom nebst einer altslavischen Lehrkanzel in der Propaganda zu errichten; Knoblecher sollte nun diese Lehrkanzel und die Stelle eines Vice-Rectors im neuen Collegium übernehmen. Diese angebotene Auszeichnung, diese hohe Anerkennung seiner Tüchtigkeit und seines Glaubenseifers von Seite der Vorgesetzten nennt er „seine härteste Probe“. Der lang gehegten Hoffnung auf eine Mission entsagen zu sollen, hätte ihn einen harten Kampf gekostet, und er entschied sich endlich, seine Oberen dringend zu bitten, die ihm zugedachte Auszeichnung einem Andern zuzuwenden, ihn aber in eine Mission zu schicken. Nur ungerne wurde ihm die Bitte gewährt und er sollte „nach freigestellter Wahl“ in das große Vicariat von Agra nach Indien gehen. Allein auch bei dieser Bestimmung blieb es nicht, er schien für größere Zwecke vorbehalten zu sein. Die Mitglieder der h. Congregation der Propaganda hatten in ihrer Versammlung am 26. December 1845 die Sahara mit ganz Inner-Afrika, von Senegambien bis Abyssinien, zu einem ausgedehnten apostolischen Vicariate erklärt, wählten einen apostolischen Vicar mit bischöflicher Würde für dasselbe und bestimmten P. Ryllo und Knoblecher als Missionäre, mit der Weisung, in diese neue Mission zu gehen und an Ort und Stelle zu untersuchen, wie und mit welchen Mitteln man dieselbe begründen könne. So war seine Leidensgeschichte mit den schwankenden Bestimmungen und vielfältigen [157] Aenderungen seiner Mission doch zuletzt beendet. Am 3. Juli 1846 verließ er Rom, nachdem er vorerst das Doctorat der Theologie erlangt, und reiste vor Antritt seiner Mission auf den Libanon, damit er sich dort mit den Gebräuchen der orientalischen Kirche und mit der Lebensart der dortigen Christen näher bekannt mache. In Alexandria machte er die Bekanntschaft mit dem Consul Ritter von Laurin, ebenfalls einem Landsmanne, sowie mit dem bekannten d’Arnaud, welcher ihm wichtige und interessante Aufschlüsse über die Negerstämme, die von demselben früher wiederholt besucht worden waren, ertheilte, und dadurch dessen wichtiger Aufgabe wesentlich Vorschub leistete. Am 24. Juli 1847 schiffte sich die Missionsgesellschaft auf dem „Mahmudic“, einer sehr niedlichen Barke, ein und fuhr nach Cairo. Die Missionsgesellschaft bestand aus dem Monsignor Casolani, P. Ryllo, Dr. Knoblecher, P. Pedemonte (ehemals Officier unter Napoleon) und Angelo Vinko. In Cairo beschäftigte sich die Gesellschaft einen ganzen Monat mit den Vorbereitungen für die Weiterreise. Chartum sollte die erste Missions-Station und für die Folge der Hauptsitz für die Mission in Central-Afrika werden. Ueber diese Reise, sowie über die segensreiche Wirksamkeit K.’s in seiner Stellung als General-Vicar enthält eine Schrift nähere Aufschlüsse, welche sein Biograph Dr. Klun herausgegeben hat. Bei seinem ersten Besuche in Europa im Winter 1850/51 hatte Dr. Knoblecher dem Dr. Klun sowohl das auf der Reise (von Cairo nach Chartum, und später von hier bis zum 4° 10′ n. Br.) geführte Tagebuch, als auch eine Copie seines ersten Berichtes an die Propaganda zur Benützung gegeben, auf deren Grundlage Dr. Klun die Beschreibung der „Reise auf dem weißen Nil“ u. s. w. in deutscher und dann in slovenischer Sprache zum „Besten der Mission in Central-Afrika“ herausgab. In der Folge sind die Berichte Knoblecher’s durch den „Marienverein“ in Wien zur Oeffentlichkeit gelangt, aus welchen die allseitige Bedeutung dieser Mission hervorleuchtet. Seit dieser Zeit sind das Leben und Wirken dieses Mannes fast ein Gemeingut aller Gebildeten geworden. Knoblecher’s genaue Beobachtungen und Aufzeichnungen sind für die Wissenschaft nicht minder schätzenswerth, als seine Berichte über die Culturverhältnisse von Inner-Afrika für den österreichischen Handel nicht unbedeutend sind. Knoblecher hat so Manches durch die Wirklichkeit bestätigt, was Johannes von Müller dunkel ahnte, indem er sagte: „In Central-Afrika gibt es Paradiese, welche die Civilisation aufsuchen wird zum Besten der Menschheit“. Besonders sehenswerth und zum Theile sehr interessant sind die zahlreichen Geschenke, die er dem Landesmuseum in Laibach gemacht hat, und welche uns fast das gesammte häusliche Leben, die Lieblingsbeschäftigungen der verschiedenen von ihm besuchten Negerstämme daheim und im Felde recht anschaulich vorführen. Diesen schließen sich eine werthvolle numismatische und eine ornithologische Sammlung an. Im Herbste 1858 unternahm K. im Interesse seiner Mission eine zweite Reise nach Europa, war aber bei seiner Ankunft in Neapel schwer erkrankt und dort nach längerem Leiden trotz der sorgfältigsten Pflege im Alter von erst 38 Jahren seinem Uebel erlegen. Steht K. schon als Glaubensapostel in einer seltenen Größe da, so glänzt er nicht minder durch die Liebe zu seinem Vaterlande und den Einfluß, [158] den er Oesterreich in jenen wenig bekannten Ländern zu begründen und zu sichern bestrebt war. Ein kenntnißreicher, eifriger Förderer der Wissenschaft, ist sein Verlust für dieselbe um so empfindlicher, als er die klimatischen Verhältnisse und auch alle jene Schwierigkeiten in seiner Ansiedlung überwunden zu haben schien, denen die meisten Missionare gleich im Anbeginne zum Opfer fallen.

Wiener Zeitung 1858, Nr. 90: Nekrolog von Dr. Klun. [Dieser Nekrolog wurde mit nur wenigen Veränderungen nachgedruckt in der Preßburger Zeitung 1838, Nr. 92; – Salzburger Kirchenzeitung d. J., Nr. 17, S. 131; – im Katholischen Wahrheitsfreund, herausg. vom Paulusvereine zu Gratz, 1858, Nr. 20; – in den Katholischen Blättern aus Tirol 1858, Nr. 18; – im Volksblatt für Tirol und Vorarlberg 1858, Nr. 18; – in der Laibacher Zeitung 1858, Nr. 91; – im Deutschland, herausgegeben von G. H. Hedler, 1858, Nr. 93 der belletristisch-literarischen Beilage.] – Böhmisch-Leipaer Wochenblatt 1861, Nr. 47: „Die neuesten Nachrichten über die Erforschung der Nilquellen durch den österreichischen Missionär P. Ign. Knoblecher“. Von K. G. Meyer. – Volksblatt für Tirol und Vorarlberg 1858, Nr. 24, S. 188: „Knoblecher’s letzte Tage“. – Der Sammler. Beilage zur Tiroler Zeitung 1851, Nr. 4: „Knoblecher“. Von Dr. Mitterrutzner. – Ergänzungsblätter, herausg. von Dr. Fr. Steger (Leipzig u. Meißen, gr. 8°.) Bd. VI, S. 703. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Tome XXVII, p. 908. – Porträt. Mit dem Facsimile: Svojim rojakam v spomin Dr. Ignaci Knoblecher Gen. Vic. v. Sredni Afr. (d. i. Seinen Landsleuten zum Andenken Dr. Ign. Knoblecher, General-Vicar in Central-Afrika). Kriehuber 1850 (lith.), gedr. bei J. Höfelich (Halb-Fol.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Knoblecher, Ignaz [Bd. XII, S. 154].
    Mitterrutzner (J. C. Dr.), Dr. Ignaz Knoblecher, apostolischer Provicar der katholischen [359] Mission in Central-Afrika (Brixen 1860, A. Weger, 43 S. 8°.). – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) XXIV. Bd. (Jahrg. 1855, I. Thl.), S. 179: „Des General-Vicars Dr. Knoblecher Reise von Chartum nach den oberen Gegenden des weißen Nil“ [mit K.’s Porträt und anderen Illustrationen]. [Bd. 28, S. 358.]