BLKÖ:Klun, Vincenz Ferrerius

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 12 (1864), ab Seite: 125. (Quelle)
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Klun, Vincenz (Vinko) Ferrerius (Schriftsteller, geb. zu Laibach 13. April 1823). Sein Vater war zur Zeit der französischen Occupation aus Istrien nach Krain eingewandert; seine Mutter gehörte der Familie des Mathematikers Vega an. Früh verwaist, hatte K. eine entbehrungsvolle Jugend durchzumachen und erhielt sich, während er die Gymnasialstudien zu Laibach beendete, vom Unterrichtgeben. Nach Beendigung der philosophischen Studien trat er bei der Staatsbuchhaltung in Laibach in den Staatsdienst (1843). In diesem Dienste sich wenig behaglich findend, benützte er die erste sich ihm darbietende Gelegenheit, ihn zu verlassen und ging als Erzieher nach Venedig. Die Muße seines Erzieherberufes benützte er zur eigenen weiteren Ausbildung, zu historischen Studien und literarischen Arbeiten, mit denen sich K. bereits zu jener Zeit beschäftigte. Zunächst sich für ein Lehramt aus der Philosophie vorbereitend, erwarb er zu Padua die philosophische Doctorwürde; der Gedanke an das Lehramt aber wurde durch die mittlerweile ausgebrochene Revolution zurückgedrängt. Im Juni 1849 kehrte K. in seine Vaterstadt Laibach zurück, wo er bald darauf die Redaction der Laibacher Zeitung übernahm, während ihn der dortige historische Verein zum Secretär und Geschäftsleiter, die Handels- und Gewerbekammer, deren Errichtung in jene Periode fällt, gleichfalls zum Secretär wählte. In dieser dreifachen Stellung bot sich ihm reiche Gelegenheit, in die materiellen und geistigen Verhältnisse und Bedürfnisse seiner Heimat und der Nachbarländer einen tiefen Einblick zu gewinnen. Immer aber noch den Blick auf ein Lehramt gerichtet, unterzog er sich im Jahre 1852, nachdem bereits die neue Organisation der Gymnasien in’s Leben getreten war, der Lehramtsprüfung für Gymnasien; konnte aber seinen Wunsch, eine Lehrkanzel für Geschichte zu erhalten, nicht erreichen. Was ihm die Heimat versagte, bot ihm die Fremde an. Aus der Schweiz, der Heimat seiner Gattin, erhielt er den Ruf zu einer Professur in Lichtensteig (Canton St. Gallen), welchen er annahm. Am 1. September 1856 verließ er Krain, um sich an den Ort seiner Bestimmung zu begeben. Als ihm aber die Aussicht sich darbot, eine Gymnasialprofessur in Oesterreich zu erlangen, legte er, nachdem ihm eine solche in Zara verliehen worden war, seine Stelle in der Schweiz um so freudiger nieder, als ihm das politische Leben daselbst nichts weniger als zusagte. K. kehrte nun nach Oesterreich zurück, trat sein Lehramt in Zara an, versah es aber nur kurze Zeit, weil bei der Eröffnung der in Wien begründeten Handelsakademie auf ihn die Wahl zum Professor für Geographie und Statistik gefallen war. Ende December 1857 kam K. nach Wien und trat sofort seine Stelle an, welche er noch [126] zur Stunde bekleidet. Mit diesem im Hinblick auf K.’s Alter wechselvollen Leben hält fast gleichen Schritt seine literarische Thätigkeit, welche sich auf den verschiedensten Gebieten, dem historischen, culturhistorischen, handelspolitischen, geographischen und publicistischen mit seltener Ausdauer und von Erfolgen begleitet, bewegt. Noch während seines Aufenthaltes in Venedig mit slavischen Studien beschäftigt, trat er in der von Pacifico Valussi redigirten Zeitschrift „Aleanza dei popoli“ mit einer Folge von zwölf „Il Panslavismo“ betitelten Aufsätzen vor die Oeffentlichkeit. Er bekämpfte darin das Phantom eines politischen Panslavismus und vermochte für einen literarischen keine rechten Anhaltspuncte zu finden. Zu jener Zeit Berichterstatter der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“, sammelte er sorgfältig die Materialien der italienischen Revolutions-Literatur und an der Hand Nicolo Tomaseo’s waren seine Nachforschungen vom Glücke begünstigt. Das Ergebniß nach dieser Richtung hin ist in seiner „Geschichte der venetianischen Revolution“ niedergelegt, welche im 4. Bande der „Gegenwart“ (Fortsetzung des Brockhaus’schen Conversations-Lexikons und im nämlichen Verlage erschienen) abgedruckt ist. Ein dankbares Feld zu literarischer Thätigkeit bot sich in seiner dreifachen Stellung als Redacteur eines politischen Provinzialblattes, als Secretär eines gelehrten Vereins und einer durch die Bedürfnisse der Zeit in’s Leben gerufenen neuen Institution: „Der Handelskammer“. Sieben Jahre hindurch (1849 bis 1856) auf diesen drei Posten thätig, legte K. seine Beobachtungen über das sociale, geistige und handelspolitische Leben und Regen Krains in einer großen Reihe, theils zusammenhängender, theils loser Artikel nieder, welche in der Laibacher Zeitung, in der derselben angeschlossenen Unterhaltungsbeilage, dem Illyrischen Blatte, und nachdem dieses zu erscheinen aufgehört, im Feuilleton der Laibacher Zeitung, dann in Froman’s Deutsche Mundarten, in Robert Prutz Deutschem Museum, in mehreren Wiener Blättern, vornehmlich aber in der Gratzer Zeitung, abgedruckt waren. In letzterer ist ein Cyklus „Industrieller Briefe aus Krain“ durch sein gut geordnetes und reiches statistisches Material bemerkenswerth. Aber auch das Gebiet historischer Forschung zu pflegen, bot sich ihm als Secretär des historischen Vereins reiche Gelegenheit dar, und um so mehr, als er in dieser Eigenschaft auch mit der Redaction der von diesem Vereine ausgegebenen „Mittheilungen“ betraut war, welche er von 1850–1856 besorgte und deren fleißiger Mitarbeiter er zugleich war. Bis vor Kl. hatte man sich in Krain vorherrschend auf das Sammeln und Zusammensuchen des zerstreuten historischen Materials verlegt, ohne eben in eine weitere Prüfung desselben sich einzulassen. K. trat aber mit Hitzinger und Terstenjak, beide die fleißigsten und umsichtigsten Bearbeiter der vaterländischen Geschichte und Archäologie, in literarischen Verkehr, und gewann beide für die Interessen des Vereins, der während Klun’s siebenjährigem Secretariat eine Thätigkeit entfaltete, wie nicht vorher, aber leider auch nicht nachher, nachdem doch ein guter Weg zum Fortschreiten gebahnt war. Die übrigen, theils selbstständigen Arbeiten K.’s, welche aus dieser Periode stammen, sind: „Archiv für die Landesgeschichte von Krain“, 3 Theile (Laibach 1852 und 1854, mit topogr. u. numismatischen Karten, 8°.); – „Diplomatarum Carniolicum“ (ebd. 1855), [127] und in den Mittheilungen des historischen Vereins: „Beiträge zur Literaturgeschichte von Krain“ und „Beiträge zur Reformationsgeschichte in Krain“. Auch veröffentlichte er um diese Zeit aus dem Original-Tagebuche des katholischen Missionärs Dr. Knoblecher die „Reise auf dem weißen Nil“ (2. Aufl., Laibach 1852), wovon unter Einem eine slovenische Uebersetzung erschienen ist. Während seines Aufenthaltes in der Schweiz benützte er die Muße seines Lehramtes zur Bearbeitung mehrerer Materialien, die er noch während seines Aufenthaltes in Krain gesammelt hatte. So erschienen im Neuen Tagblatt von St. Gallen die „Südslavischen Bilder“, eine Folge von 10 Aufsätzen (1857); in den österreichischen Blättern für Wissenschaft und Kunst die drei größeren Abhandlungen: „Die Habsburger in Rappersschwyl“, „Die Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung in Krain“ und „Ueber die Rojenice, Schicksalsgöttinen der Slaven“. Auch kam er einer Aufforderung Koscheloff’s, an der Russkaja beseda, und Zschitschoff’s, an seiner Monatschrift, zwei literarischen Organen in Moskau, mitzuarbeiten, nach und erschienen u. a. im ersteren eine „Literaturgeschichte der Slovenen“ und eine ethnographische Studie „Die Slovenen“ in vielen Fortsetzungen. Nach seiner Rückkehr in den Kaiserstaat und vornehmlich nach Antritt seines Lehramtes an der Wiener Handelsakademie wendete sich K. von den bisher mit Vorliebe gepflegten culturhistorischen und ethnographischen Studien den geographischen zu, in welchen er sich Ritter, den berühmten Culturgeographen, zum Vorbilde nahm. Außer seinem Posten an der Handelsakademie versieht K. zugleich jenen eines Docenten für vergleichende Erdkunde an der Wiener Hochschule. In diese letzte Periode seiner Thätigkeit fallen nachstehende Druckschriften: „Allgemeine Geographie mit besonderer Aufsicht auf das Kaiserthum Oesterreich. Als Leitfaden für Mittelschulen bearbeitet“ (Wien 1861, Gerold, 8°.), welches Buch in neuer Auflage den Titel: „Leitfaden für den geographischen Unterricht an Mittelschulen“ (ebd. 1862, 8°.) führt’, – „Das Kaiserthum Oesterreich. Geographisch-statistischer Abriss nach dem neuesten Standpuncte“ (ebd. 1861, gr. 8°.); – „Allgemeine und Handels-Geographie. Ein Lehrbuch für commercielle und technische Lehranstalten für Kaufleute und Industrielle“, 1. Theil [auch unter dem Titel: „Allgemeine Geographie“] (Wien 1860, Gerold, gr. 8°.). In neuester Zeit endlich erschien das erste Heft von dem in Gemeinschaft mit dem tüchtigen Chartographen Dr. Lange herausgegebenen „Industrie-Atlas“ (Leipzig 1864, Brockhaus), welcher binnen Jahresfrist vollendet sein und in fünf Lieferungen 16 Karten mit 25 Druckbogen Text umfassen wird. Unter Einem wird davon eine französische und englische Uebersetzung vorbereitet. Von seinen zahlreichen kleineren literarischen Arbeiten, die er theils als Mitglied einiger literarischen Vereine, theils als Mitarbeiter an verschiedenen Fachblättern veröffentlicht hat, seien hier erwähnt: „Die Erforschungen in Central-Afrika“; – „Ritter und Humboldt, die Begründer der wissenschaftlichen Erdkunde“; – „Die Bevölkerung Rußlands“; – „Oesterreichs Betheiligung am Welthandel“, die genannten sämmtlich abgedruckt in den Verhandlungen der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien (1861–1863); – die „Statistik von Oesterreich“, im 7. Bande von Bluntschli’s Staatswörterbuch; – „Die Südslaven“, eine ethnographische [128] Skizze in Westermann’s illustrirten Monatsheften (1863), u. s. w. Die erstgenannte dieser kleineren literarischen Arbeiten: „Die Erforschungen in Central-Afrika“, hat sich seitdem ein höheres Interesse zu erringen gewußt. K. nämlich machte in dieser Darstellung (1861) auf Miani und sein Project einer Nilbereisung mit vieler Wärme aufmerksam, trat aber zwei Jahre später (1863) gegen ihn auf, und zwar in einer Weise, die nicht nur im Allgemeinen Befremden erregte, sondern auch die k. k. geographische Gesellschaft zu Wien, in deren Ausschusse er sein Wort gegen Miani gesprochen, dem fachgelehrten Auslande gegenüber in eine Situation verwickelte, die für eine gelehrte Gesellschaft keine erquickliche ist. Man vergleiche Petermann’s „Mittheilungen aus Just. Perthes’ geographischer Anstalt“ 1864, Heft III, S. 81.

Wanderer (Wiener polit. Journal, Fol.) 1856, Nr. 319. – Presse (Wiener polit. Journal) 1864, Nr. 32 Abendbl. – Wurzbach von Tannenberg (Const. Dr.), Bibliographisch-statistische Uebersicht der Literatur des österreichischen Kaiserstaates (Wien, Staatsdruckerei, gr. 8°.) II. Bericht (1855), S. 27, Marg. 1001; – III. Bericht (1856), S. 223, Marg. 6625; S. 646, Marg. 20.996; S. 647, Marg. 21.021; S. 763, Marg. 25.004; S. 1010, Marg. 33.074; S. 1118, Marg. 36.415, u. Marginal 36.420. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 707.