BLKÖ:Heurteur, Nikolaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Heuglin, Theodor von
Band: 8 (1862), ab Seite: 458. (Quelle)
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Heurteur, Nikolaus (k. k. Hofschauspieler, geb. zu Wien 22. Mai 1781, gest. ebenda 8. März 1844). Der Sohn eines Wiener Hofbeamten erhielt er eine auf den Eintritt in den Stand seines Vaters abzielende Erziehung und trat nach beendeten philosophischen Studien in denselben. Seine Vorliebe für die Bühne ließ ihn jedoch in dieser Stellung sich wenig behaglich fühlen, er verließ dieselbe und wurde Schauspieler. Am 25. September 1802 betrat er zum ersten Male als Fähnrich Erlen in Kotzebue’s „Schreibepult“ das k. k. Hofburg-Theater und fand eine wohlwollende Aufnahme. Fünfthalb Jahre war er an dieser Bühne in untergeordneten Rollen beschäftigt, er verließ sie deßhalb, um erste Rollen zu spielen und ging 1807 nach Brünn, wo Emanuel Schikaneder die Leitung des Theaters hatte. In Brünn gefiel H. sehr, aber schon 1809 kam er auf ein Gastspiel im Leopoldstädter Theater nach Wien, wo sein glänzender Erfolg mit einem Antrage Hensler’s, an seiner Bühne zu wirken, endete. H. nahm ihn an und kehrte 1810 nach Wien zurück, wo sein Spiel die Aufmerksamkeit der Hoftheater-Direction rege machte und er noch im nämlichen Jahre als Nachfolger des berühmten Lange, der für H. seit erster Zeit das Vorbild gewesen, Mitglied der [459] Hofbühne wurde. Aber H. konnte seiner neuen Stellung nicht froh werden; Mißgunst, Neid, Cabalen verbitterten ihm dieselbe und er trat 1816 als Regisseur zum priv. Theater an der Wien über, welches damals unter des Grafen Palffy Leitung eine Anzahl ganz vortrefflicher Kräfte vereinte. Mit dem beginnenden Verfalle löste H. 1821 auch hier seine Verbindung und trat zum dritten Male bei der Hofbühne ein, der er nun bis zu seiner 1842 erfolgten Versetzung in den Ruhestand angehörte. Bis zum Jahre 1830 spielte H. heroische Charaktere, von da ab trat er in’s ältere Fach über. H., der eine hohe Heldengestalt und ein herrliches Organ besaß, in welch’ letzterem er nur von Eßlair und Lange übertroffen worden sein mochte, hatte ein reiches Rollen-Repertoir. Zu seinen trefflichsten Rollen in seiner ersten Periode zahlten: Montalban in „Lanassa“, Graf Savern in „Fridolin“, Karl XII. in „Sittah Mani“, Graf Hugo in der „Schuld“, Jaromir in der „Ahnfrau“, Orest in Goethe’s „Iphigenia“, Coriolan, Esseg, Ezzelino da Romano in „Bianca della Porta“, Roderich in „Leben ein Traum“, der Czar in den „Strelitzen“ und im „Mädchen von Marienburg“, Tell, Wallenstein, Karl Moor, Graf Dunois, Abällino, Macbeth. In seiner zweiten Periode, welche mit dem 1830 erfolgten Uebertritte in’s ältere Fach beginnt, sind: der Copist Müller in Töpfer’s „Ein Tag vor Weihnacht“. Glocester in „Lear“, Theramen in der „Phaedra“, Lorenzo in „Romeo und Julie“, Daniel im „Erbvertrag“, Rhamnes in „Sappho“, Davison in „Maria Stuart“, der arme Poet besonders hervorzuheben. Man nannte H. anfänglich nur einen Nachahmer Lange’s und sprach ihm die Fähigkeit selbstständig zu schaffen ab; er widerlegte diesen grundlosen Vorwurf glänzend mit den von ihm geschaffenen Rollen des Jaromir, Roderich, Graf Hugo, Glocester, des eigens für ihn geschriebenen König Yngurd und vielen anderen. Mit einer imposanten Erscheinung verband er ein herrliches, aller Modulationen fähiges Organ, glühenden Ausdruck im Emphatischen und eine ausgezeichnete, alle Tinten mit Feinheit, Klarheit und Wahrheit ausführende Declamation. Seinen Ruhestand überlebte er wenige Monate über ein Jahr, indem er noch in demselben am 19. April 1843 am k. k. priv. Theater an der Wien als Daniel im „Erbvertrag“ zum letzten Male die Bühne betreten hatte. Seit 1807 mit der Sängerin Sophie Hackel vermält, hinterließ er einen Sohn Friedrich, Haus- und Bade-Eigenthümer „Zur scharfen Ecke“ in der Leopoldstadt, und eine Tochter Sophie, welche im Jahre 1825 als Madame Schnell in den „Proberollen“ und als Toni im k. k. Hofburg-Theater ihre theatralische Laufbahn eröffnete, 1829 Mitglied dieser Bühne, später des Leopoldstädter Theaters wurde, nach einiger Zeit aber die theatralische Laufbahn verließ und sich mit einem Herrn Szelechowski vermälte.

Allgemeine Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle, 1844, Nr. 62, S. 260: „Nekrolog“ von Weidmann. – Der Wanderer (Wiener Unterhaltungsblatt, 4°.), redigirt von Ferd. Ritter v. Seyfried, 1844, Nr. 64, S. 255: „Nekrolog“. – Der Humorist. Redigirt von M. G. Saphir, 1844, Nr. 71 u. 73, S. 290: „Nekrolog“. – Realis, Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien. Herausgegeben von Anton Köhler (Wien 1846, gr. 8°.) Bd. II, S. 32. – Hormayr’s Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrgang XXV (1824), Nr. 82. – Oesterreichische National-Encyklopädie, herausg. von [460] Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 572. – Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg,1838, Bd. II, S. 612. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar 1846, Bernh. Friedr. Voigt, 8°.) XXII. Jahrg. (1844), S. 257, Nr. 80. – Castelli (I. F. Dr.), Memoiren meines Lebens. Gefundenes und Empfundenes, Erlebtes und Erstrebtes (Wien und Prag 1861, Kober und Marggraf, 8°.) Bd. I, S. 216. – Porträt. Adameck p., E. Blaschke sc. (Wien, 8°.). –