BLKÖ:Pálffy von Erdöd, Ferdinand Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Pálffy, Samuel
Band: 21 (1870), ab Seite: 202. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Ferdinand Pálffy in der Wikipedia
GND-Eintrag: 11601847X, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Pálffy von Erdöd, Ferdinand Graf|21|202|}}

Pálffy von Erdöd, Ferdinand Graf (Kunstfreund, Director des Theaters an der Wien, geb. zu Wien 1. Februar 1774, gest. daselbst 4. Februar 1840). Vom mittleren Ast der älteren (Nikolai’schen) Hauptlinie. Ein Sohn des Grafen Leopold aus dessen Ehe mit Therese Gräfin Daun. Der Graf, der eine sorgfältige Erziehung erhalten und aus dieser eine besondere Vorliebe für Kunst und Wissenschaft gewonnen hatte, benützte das bedeutende Vermögen, welches er besaß, um seinen Neigungen für die Kunst zu leben und in das Getriebe derselben selbstthätig einzugreifen. Früher schon hatte er mit einer Gesellschaft von Cavalieren die Direction der beiden Hoftheater übernommen und einige Zeit mit vieler Umsicht und Kenntniß geführt. Später, 1813, um selbstständig zu wirken, kaufte er das Theater an der Wien, in welchem unter seiner genialen Leitung sich eine künstlerische Thätigkeit entfaltete, wie noch nicht vor und nicht mehr nach ihm. Die Genüsse, welche der Graf den Wienern bot, machten seinen Namen bald zu einem populären in Wien, und die Epoche der Pálffy’schen Direction lebt noch heute in der Erinnerung manches älteren Theaterbesuchers, abgesehen davon, daß er sich durch den für das Theater an der Wien gegründeten, nach seinem Namen benannten Theater-Pensionsfond auch humanerseits ein bleibendes Andenken gegründet hat. Hingerissen von seinen Ideen, ließ der Graf eben nur von diesen und nicht auch von den Mahnungen der Klugheit sich leiten, minder verschwenderisch zu sein. Er opferte, schreibt H. Börnstein, der einige Skizzen über die Wiener Theater aus der Zeit der Dreißiger-Jahre geschrieben, seinen Ideen und Bestrebungen Alles, falsche Freunde mißbrauchten ihn, heuchlerische Creaturen beuteten seine Gutmüthigkeit aus und nach einer Reihe von Jahren hatte Graf Pálffy sein ganzes väterliches Vermögen bei dem Theater an der Wien verloren. Noch einmal rettete ihn eine große Erbschaft, die er machte, aber auch diese ging desselben Weges und der edle kunstsinnige Graf, dessen viele gute Seiten vielleicht ein allzugroßer Aufwand verdunkelte, sah sich plötzlich verarmt, sein Theater geschlossen. Er rettete aus seinem Sturme nichts als seinen heitern Humor, seine feine Bildung und eine erprobte Lebensphilosophie, die ihn zum gesuchten Gesellschafter Aller und im Besitze einer kleinen geretteten Rente es ihm möglich machte, nach wie vor die Seele seiner Gesellschaften zu sein. Aber nicht die dramatische Kunst allein war es, die den Grafen anzog, er war überhaupt ein Freund der Künste und sein Palais in Hernals, dessen Beschreibung, und zwar der in den Gemächern aufbewahrten Kunstschätze, im Gräffer’schen Conversationsblatt“ 1821, S. 1177, der bekannte Tourist Weidmann geliefert hat, war selbst eine kleine und mit Geschmack zusammengestellte Kunstgallerie. Um zu zeigen, wie sein Edelmannsinn [203] dafür sorgte, dem Publicum Außerordentliches zu bieten, sei bemerkt, daß er in dem biblischen, von melodramatischer Musik begleiteten Drama „Noah“ in der Scene, in welcher das Paradies dargestellt ist, allabendlich über hundert Gulden bloß für das Verbrennen wohlriechender Specereien verwenden ließ. An dem Krönungszuge in Schiller’s „Jungfrau von Orleans“ nahmen über vierhundert Personen Theil und der Zug war in Costume und sonstigem Beiwerk mit einer Pracht ohne Gleichen ausgestattet. Für den Schauspieler Klein, der in Grillparzer’s „König Ottokars Glück und Ende“ die Hauptrolle spielte, ließ er zu einer Zeit, als die Unternehmung schon sehr zur Neige ging, noch eine prachtvolle vollständige Rüstung für sechshundert Gulden anfertigen, die er dem Künstler später zum Geschenke machte. Von dem Personale, welches an Pálffy’s Theater beschäftigt war, seien nur nebenbei genannt: Heurteur, Küstner, Wilhelmi, die Familie Demmer, die Botta, die Tenore Jäger, Haitzinger, Wild, der Buffo Spitzeder, die Primadonna Schütz, die Capellmeister und Compositeure Seyfried, Franz Roser, Riotte, der Balletmeister Friedrich Horschelt, der Decorationsmaler Hermann Neefe, der Garderobier Luca Piazza, der Maschinist A. Roller, jeder Einzelne in seinem Fache ein großer Meister. Unter ihm fand das noch heute unvergeßne Kinderballet Statt, in welchem Fanny und Therese Elßler, Angioletta Mayer und Therese Heberle tanzten. Mit „König Ottokar’s Glück und Ende“ schloß die Pálffy’sche Directionsperiode. Noch ist anzuführen, daß der Liberalität und dem Kunstsinne des Grafen auch eine lithographische Anstalt, welche sich neben seinem Palais in Hernals befand, ihre Entstehung und längere Zeit ihre Erhaltung verdankte. Ein Herr Kuhn stand der Anstalt als Director vor, es wurden in derselben die zu ihrer Zeit stark bekrittelten Versuche mit Tonplatten gemacht, welche ganz vorzügliche Ergebnisse leisteten, u. A. einen Abdruck des berühmten Onyxes aus dem k. k. Antikencabinete. dann eine vortreffliche Abbildung des kunstvollen Holzplafonds aus einem der Zimmer des k. k. Ritterschloßes im Laxenburger Parke. Auch besaß der Graf seiner Zeit eine ungemein reichhaltige Mineraliensammlung, welche er nach einer Schätzung des Bergrathes Werner um 100.000 fl. an den Fürsten Eßterházy, jedoch mit dem Vorbehalt verkaufte, sie lebenslänglich benützen zu können. Welchen Antheil der Graf an der Wissenschaft nahm, dafür spricht seine Betheiligung an der 3. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Wien im September 1832, in welcher er öffentlich einen Vortrag hielt über den Nutzen solcher gelehrter Vereine im Allgemeinen und ihre Einwirkung auf die industrielle Wohlfahrt der Menschheit; dieser Vortrag steht in Franz Pietznigg’s „Mittheilungen aus Wien“ (1832, Sollinger, gr. 8°.) Bd. II, S. 42, abgedruckt. Als der Graf im Jahre 1840 im Alter von 66 Jahren starb, wurde Seiner, der Viele bereichert, Tausende beschenkt, unzählige Künstler unterstützt und gebildet, sein ganzes großes Vermögen künstlerischen Zwecken geopfert, kaum mehr gedacht. Von allen Stimmen, die ihm in den Tagen des Glanzes geschmeichelt, wurde auch nicht eine laut. Kein Nekrolog frischte die Erinnerung an seine Wohlthaten und Kunstbestrebungen auf. Er starb vergessen, aber der Undank der Welt, den [204] er bei Lebzeiten kennen zu lernen genug Gelegenheit gehabt, war nicht im Stande, seinen heiteren Sinn zu trüben, den er bis zu seinem letzten Augenblick bewahrt hatte. Noch sei bemerkt, daß der Graf, als einmal schon seine Vermögensverhältnisse in eine Krisis gerathen waren – es war dieß um das Jahr 1820 – sich durch eine Lotterie aus seiner bedenklichen Lage riß. Es wurden nämlich sein Theater, seine Villa und sein Schmuck ausgespielt. Der glückliche Gewinner, ein armer Einwohner aus Tyrnau an der ungarisch-mährischen Grenze, zog die Abfindungssumme von 300.000 fl. den obgenannten Gewinnstobjecten vor. – Ein Bildniß des Grafen in Miniatur von Stubenrauch und sehr ähnlich gemalt, befand sich seiner Zeit in der Villa des Grafen in Hernals. Wohin es später gekommen, ist nicht bekannt. Der Graf war unvermält geblieben, sein Bruder Leopold pflanzte diesen (mittleren) Ast der älteren Hauptlinie fort.

Der Ungar. Redigirt von Hermann Klein (Pesth, schm. 4°.) I. Jahrg. (1842), Nr. 259: Biographische Skizze von H. Börnstein. Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 141. – Lewald’s Europa (Stuttgart, schm. 4°.) 1840, I, Bd. 9. Lieferung. – Seyfried (Ferdinand Ritter von), Rückschau in das Theaterleben Wiens seit den letzten fünfzig Jahren (Wien 1864, 8°.) S. 1: „Graf Pálffy und das Kinderballet in seinem Theater an der Wien“; S. 7: „Doppeltes Glück und Ende“ [mit einzelnen interessanten Zügen aus dem Leben des Grafen]. – Conversationsblatt. Redigirt von Gräffer (Wien, gr. 8°.) III. Jahrg. (1821), Nr. 99: „Das Palais des Grafen Ferd. Pálffy in Hernals“. – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren (Wien 1843, Beck, 8°.) Bd. III, S. 24, im Artikel: „Neuere Grabenschau“ [Gräffer entwirft darin in seiner drastischen Weise ein treffendes Bild dieses Kunstmäcens].