BLKÖ:Homberg, Herz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Homonnai, Emerich
Band: 9 (1863), ab Seite: 253. (Quelle)
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Homberg, Herz (Pädagog, k. k. Schulrath, geb. zu Lieben bei Prag 1749, gest. zu Prag 24. August 1841). Als H. 7 Jahre alt war, übersiedelten seine Eltern nach Prag, wo er bald das Studium des Talmud begann und dasselbe zugleich mit der jüdischen Dogmatik und Dialectik an den rabbinischen Schulen zu Prag, Preßburg und Groß-Glogau 1772, fortsetzte. Sprachen, darunter die deutsche, lernte er ziemlich spät; in Breslau, Berlin und Hamburg [254] studirte er die Literaturen fremder Völker und in letzterer Stadt faßte er, nachdem er Rousseau’s Emil kennen gelernt, den Entschluß, sich dem Erziehungsfache zu widmen. Er bereitete sich also für dieses Fach in Berlin insbesondere vor und hatte das Glück in Moses Mendelssohn’s Hause Erzieher zu werden. Als Lehrer des ältesten Sohnes des berühmten Philosophen wurde er selbst des Letzteren Schüler und erwarb sich dessen Theilnahme und Wohlwollen in solchem Grade, daß ihm Mendelssohn dasselbe auch bewahrte, nachdem H. in seine Heimat zurückgekehrt war. In dieser war mittlerweile unter Kaiser Joseph II. Regierung unvergeßlichen Andenkens ein Umschwung eingetreten, das Toleranzedict und andere das Geschick der Israeliten erleichternde Maßregeln waren kundgemacht und in Vollzug gesetzt worden. Homberg, dem ein günstiger Ruf vorausgegangen war, erhielt 1784 die wichtige Stelle eines k. k. Oberaufsehers der sämmtlichen deutschen Judenschulen in Galizien. In dieser Stellung entfaltete H. großen Eifer und führte entsprechende Reformen durch. Dadurch zog H. die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich, die, eben im Begriffe, in dem den Juden gegenüber bisher beobachteten Systeme zeitgemäße Aenderungen eintreten zu lassen, 1793 Homberg nach Wien berief, um den Rath und die Kenntnisse des erfahrenen Mannes einzuholen und zu benützen. An den die moralische und politische Verfassung der Israeliten in Oesterreich regelnden Normen, welche 1797 erschienen waren, hatte H. wesentlichen Antheil und wurde in Anerkennung seiner Verdienste mit der großen goldenen Medaille ausgezeichnet. H. blieb nunmehr in Wien, wurde zum Censor der jüdischen Bücher ernannt und überdieß von der k. k. Studien-Hofcommission mit der Bearbeitung moralisch-religiöser Lehrbücher für die Juden in Oesterreich beauftragt. Im Jahre 1818 wurde H. außerordentlicher Lehrer der religiösen Moral in Prag und erhielt zugleich den Titel eines k. k. Schulrathes. Er bekleidete dieses Amt bis in sein hohes Alter. H. starb. 92 Jahre alt. Im Drucke sind von ihm folgende Schriften in nachstehender Zeitfolge erschienen: „Commentar zum fünften Buche Mosis für die Mendelsohn’sche Uebersetzung“ (Berlin 1783); – „Vertheidigung der jüdischen Nation gegen die in den Provinzialblättern enthaltenen Angriffe“ (Görz 1785, 8°.). – „Sendschreiben an die Rabbiner und jüdischen Gemeindevorsteher in Galizien. Jüdisch und deutsch“ (Lemberg 1788, 8°.); – „Zwölf Fragen von dem Minister des Innern in Frankreich der israelitischen Deputation vorgelegt. Aus dem Französischen, mit Anmerkungen belegt“ (Wien 1806, 8°.); – „אמרישפר‎ Imre Schefer. Ein religiös-moralisches Unterrichtsbuch für die erwachsene Jugend, in hebr. und teutscher Sprache“ (Wien 1808 und später, 8°.); – „Ben Zion. Ein religiös-moralisches Lesebuch“ (Wien 1812, dann Prag 1814 und 1826, 8°.); – „Ben Jakir. Ueber Glaubenswahrheiten und Sittenlehren für die israelitische Jugend, in Fragen und Antworten. Nebst einem Anhange“ (Prag 1814, 2. Aufl. 1826, gr. 8°.); –„Hackorem; Commentar in den fünf Büchern Mosis, Hiob und Jeremias“ (Prag 1817, 8°.); – „Rede bei Eröffnung der religiös-moralischen Vorlesungen für Israeliten in Prag“ (Prag 1818, 8°.). Ueberdieß erschien in Hufnagl’s zu Frankfurt herausgegebenem Journal, 1796 seine Abhandlung „Ueber die moralische und politische Verbesserung der Israeliten in Böhmen“, und Mendelssohn’s Briefe an Homberg befinden sich zum ersten Male abgedruckt in der zu Wien 1838 in Einem Bande [255] erschienenen Gesammtausgabe der Schriften von Moses Mendelssohn.

Jüdischer Plutarch oder biographisches Lexikon der markantesten Männer und Frauen jüdischer Abkunft (von Gräffer) (Wien 1848, Eurich, 8°.) II. Alphabet, S. 88. – Oesterreichische National-Encyklopädie herausg. von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. VI, Supplement, S. 486. – Sartori (Franz Dr.), Historisch-ethnographische Uebersicht der wissenschaftlichen Cultur, Geistesthätigkeit und Literatur des österreichischen Kaiserthums nach seinen mannigfaltigen Sprachen (Wien 1830, Gerold, 8°.) S. 326, 334, 363.