BLKÖ:Jüttner, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Jüstel, Sigismund
Band: 10 (1863), ab Seite: 309. (Quelle)
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Jüttner, Joseph (k. k. General-Major und Chartograph, geb. zu Barzdorf in Oesterreichisch-Schlesien 12. September 1775, gest. zu Prag 27. April 1848). Trat nach beendeten Gymnasialstudien, 8. April 1792, als Gemeiner in das O’Donnel’sche Freicorps, kämpfte in demselben in Flandern gegen die Franzosen und wurde bei Dünkirchen gefährlich verwundet. In Gent geheilt, befand er sich mit demselben Corps in den Feldzügen von 1794 und 1795. Im Jahre 1796 kam er zum 2. Feldartillerie-Regimente und kämpfte in demselben in Tirol und am Rhein. Als er mit einer Abtheilung des Regiments nach Ingolstadt kam, benützte er die Gelegenheit, in den Jahren 1799 und 1800 die mathemalischen und naturwissenschaftlichen Vorlesungen [310] an der dortigen Universität zu besuchen. Auch wurde er in dieser Zeit Feuerwerker. Nach hergestelltem Frieden wurde Jüttner im Jahre 1801 Lehrer an der mathematischen Schule des 1. Feldartillerie-Regiments zu Prag, deren Direction er 1808 übernahm, indem er das Jahr früher im October zum Unterlieutenant war befördert worden. 1813 zum Oberlieutenant ernannt, ging er 1814 mit der Armee nach Frankreich. Aus Mainz, wo er längere Zeit in Garnison gelegen, kam er 1818 als Capitän nach Prag, wurde am 21. November 1820 wirklicher Artillerie-Hauptmann, am 27. Juni 1830 Major im Feuerwerkcorps, am 30. Mai 1833 in gleicher Eigenschaft zum Bombardiercorps übersetzt, in welchem er am 13. November 1835 zum Oberstlieutenant vorrückte. Am 23. November 1840 zum Obersten ernannt, wurde er zuerst Commandant des 3. Feldartillerie-Regiments, mit 24. Jänner 1842 aber jener des Bombardiercorps. Am 4. Februar 1848 zum General-Major und Artillerie-Brigadier in Prag befördert, überlebte er diese Beförderung nur mehr einige Wochen. J., ein ausgezeichneter Mathematiker, hat sich als Chartograph einen ehrenvollen Namen erworben. Schon im Jahre 1811 hatte er in Prag einen Grundriß dieser Stadt begonnen und denselben, als er im Jahre 1818 nach mehrjähriger Abwesenheit als Capitän zurückgekehrt, vollendet und unter dem Titel: „Grundriss der königlichen Hauptstadt Prag, trigonometrisch, geometrisch und topographisch beschrieben in den Jahren 1811–1815“. Zwei große Blätter in Imperial-Fol. (Prag, Kronberger u. W.) herausgegeben, an welchen „Grundriß“, ihn gleichsam ergänzend, die „Trigonometrischen Vermessungen der königlichen Hauptstadt Prag und ihrer Umgebungen von 1804–1812. Sammt einem Dreiecknetze“ (Prag 1824, gr. 8°.) sich anschließen. Dieser Arbeit folgten ein Erdglobus, im Durchmesser von einem Schuh und dann ein Himmelsglobus, beide von den erläuternden Schriften: „Anweisung für den Gebrauch eines neu verfertigten Globus. Mit 1 Kupfer“ (Prag 1822, gr. 8°.) und „Anweisung zum Gebrauche der Himmelskugel“ (Prag, gr. 8°.) begleitet. Die nächste Arbeit, welche J. 1828 vollendete, war eine das Weltsystem darstellende Ringkugel, zu welcher die Schrift: „Anweisung zum Gebrauche der Ringkugel (Sphaera armillaris). Als Anhang zum Gebrauche der Himmelskugel“ (Prag 1828, gr. 8°.) erschien. Hatte schon früher das königl. böhmische Museum den Grundriß der Stadt Prag in seinen Verlag genommen, so verhielt sich auch die königl. böhmische Gesellschaft der Wissenschaften diesen Arbeiten gegenüber nicht theilnahmslos und ehrte ihren Verfasser, indem sie denselben am 4. November 1832 zu ihrem außerordentlichen Mitgliede erwählte. Noch im selben Jahre übergab er der Gesellschaft sein neuestes Werk: „Theoretische practische Anleitung zur Verzeichnung im Netze für Erd-, Himmels- und Ringkugeln, zur Erzeugung der Kugeln selbst, zum Aufziehen der Netze auf dieselben, und zur gänzlichen Vollendung der Globen“, welches auch in den Abhandlungen der Gesellschaft abgedruckt ist. Im Jahre 1832 begann er seine neue, noch einmal so große, als die bereits 1822 vollendete Erdkugel, welche er, nachdem er 6 Jahre daran gearbeitet, mit folgender erläuternder Schrift: „Erdkugel von 2 Wiener Schuh im Durchmesser, nach den neuesten geographischen Bestimmungen entworfen. In Kupfer gestochen von B. Biller und J. David“, veröffentlicht. Am 29. April 1840 zeichnete ihn die Gesellschaft des böhmischen Museums durch Ernennung zum Ehrenmitgliede aus. Es [311] war dieß die letzte größere Arbeit, mit welcher er die Wissenschaft bereichert hatte. Zu Anfang des Jahres 1846 erhielt J. den kaiserl. russischen St. Annen-Orden 2. Classe. Indem J., wie bereits bemerkt worden, nur ein paar Monate seine Beförderung zum General-Major überlebte, starb er im Alter von 73 Jahren.

Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (Prag, 4°.) Fünfte Folge, Bd. VI (1851), S. ¬¬¬97. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon (Wien 1850, gr. 8°.) Bd. III, S. 408 [nach diesem geb. 1773; nennt den Geburtsort irrig Bazdorf statt Barzdorf). – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 376: „Jüttner’s Dienstesjubiläum“. – Libussa, Taschenbuch, herausgegeben von Al. Klar. Jahrg. 1851, S. 466. – Rittersberg (J.), Kapesní slovníček novinářský a konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850, 12°.) Theil I, S. 895. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1857, J. Ambr. Barth, Lex. 8°.) Sp. 1208.