BLKÖ:Janku (Parteigänger)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Jankowsky, Joseph
Band: 10 (1863), ab Seite: 79. (Quelle)
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Janku, ... (Parteigänger im Jahre 1848). Sein eigentlicher Name soll Hora, und Janku nur sein Taufname sein. Jedoch hat er sich unter Letzterem bekannt gemacht und ist ihm derselbe auch geblieben. Er ist der Sohn eines Popen aus Bisztra und war für die Advocatur bestimmt. Nachdem er zu Nagy-Enyed seine Studien beendet, begab er sich nach Hermannstadt, wo er einige Jahre bei der siebenbürgischen obersten Gerichtstafel als Kanzellist diente. Die Ereignisse des Jahres 1848 rissen ihn aus diesem amtlichen Berufe und Janku stellte sich an die Spitze des walachischen Landsturmes, welcher sich den Ungarn entgegenstellte. Lange vor der entscheidenden Blasendorfer Versammlung, bereits im September, hatte er einen Haufen von mehreren Tausend rumänischen Jünglingen, sogenannte Burzen oder Motzen, um sich versammelt. [80] Es sind dieß die Bewohner des wilden hochgelegenen Gebirgslandes, welches im Westen von Unteralba beginnt und über Zaránd hinaus bis zum Bihár reicht. Kräftigeren, höheren Schlages als die übrigen Rumänen, ist ihre Wildheit sprichwörtlich. Janku, der selbst diesem Stamme entsprossen ist, und von dem das Volk behauptet, seine Familie stamme von dem alten Rebellen Horja [Bd. IX, S. 272], hatte seine politische Wirksamkeit schon in den Maitagen begonnen. Nachdem Ungarn im Aufstande gegen seinen rechtmäßigen König begriffen war, stand Janku mit seinen Walachen, die sich täglich zahlreicher um ihn schaarten und bald einen Heereshaufen von vielen Tausenden, man gibt deren 40.000 an, bildeten, zum Kaiser. Den Walachen war längst das ungarische Joch verhaßt und nun glaubten sie, sei der Augenblick gekommen, es abzuschütteln. Janku’s Auftreten in jenen denkwürdigen Tagen war entscheidend und für die Ungarn verhängnißvoll. Hohen schlanken Wuchses, starken energischen Geistes, besaß er neben der Gewalt der Rede einen mächtigen Einfluß auf seine Schaaren, deren Raub- und Mordsucht er, soweit es in seiner Macht stand, Einhalt zu thun bemüht war. Janku genießt das Vorrecht, unter den blutdürstigen Führern der walachischen Horden im Jahre 1849 der menschlichste gewesen zu sein. Er selbst nannte sich „König der Wälder“ und seine Walachen nannten sich mit Stolz „die Männer des Kaisers“. Czetz in dem in den Quellen citirten Werke berichtet (S. 316), daß nach der Katastrophe von Villagos Janku Rang und Würde eines kais. österr. Obersten und von zwei Kaisern Ordenskreuze erhalten habe, und an einer andern Stelle (S. 350), daß er mit den Ungarn durch Sendlinge aus der Walachei in Lugos am 8. August 1849 unterhandelt, und für sich das ungarische Generalpatent, die Befugniß, seine Officiere selbst zu ernennen und die Unabhängigkeit im Commando verlangt habe. Die ungarische Revolutionsregierung sei auch darauf eingegangen und habe Bem beauftragt, Janku zum General zu ernennen und ihn nach Facsét zu beordern. Jedoch sei es nicht mehr zur Erfüllung dieser Bedingungen gekommen, da die walachischen Anführer, von dem Stande der ungarischen Verhältnisse unterrichtet, nicht mehr recht trauen mochten. Weder für die eine noch für die andere Angabe von Czetz – es müßte denn der im Jahre 1850 mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone belohnte Abraham Janku, Landwirth in Ober-Vidra, mit dem in Rede stehenden Janku eine und dieselbe Person sein – sind irgendwo Belege vorhanden, wenigstens ist es mir nicht gelungen, etwas Näheres darüber aufzufinden.

Czetz (Joh.), Bem’s Feldzug in Siebenbürgen in den Jahren 1848 und 1849 (Hamburg 1850, Hoffmann und Campe, 8°.) S. 36, 39, 291 bis 293 [bemerkenswerth ist, daß die S. 292 und 293 von Czetz gegebene Charakteristik Janku’s mit einer in einem neueren, anonym herausgegebenen Werke: „Reminiscenzen. Als Manuscript gedruckt“ (Wien 1861, Geitler), fast Wort für Wort übereinstimmt], 316, 350. – Oesterreichische Zeitung 1862, Nr. 385 [m Feuilletonartikel „Reminiscenzen“). – Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850, Heckenast, 8°.) Bd. II, S. 304. – Rittersberg, Kapesní slovníček, d. i. Kleines Taschenwörterbuch (Prag 1850, 12°.) Bd. I, S. 660 [unter Hora].