BLKÖ:Jeitteles, Ignaz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Jeitteles, Fanni
Band: 10 (1863), ab Seite: 122. (Quelle)
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Jeitteles, Ignaz (philosophischer und schöngeistiger Schriftsteller, geb. zu Prag 13. September 1783, gest. zu Wien 19. Juni 1843). Sohn des Benedict J. [s. den Vorigen] und Enkel des Jonas [s. d. S. 124], erhielt eine sehr sorgfältige Erziehung, besuchte das Piaristengymnasium in der Neustadt zu Prag, später die Universität daselbst, wo er die Rechte hörte, da er sich der Jurisprudenz zu widmen die Absicht hatte. Mehrjähriger Verkehr mit A. G. Meißner, der damals in Prag Aesthetik und classische Literatur vortrug und für den jungen strebsamen J. ein besonderes Wohlwollen an den Tag legte, reifte in Letzterem die Neigung für Literatur und ästhetische Studien. Indessen veranlaßten ihn häusliche Verhältnisse das Studium der Rechte aufzugeben und J. begab sich nach Wien, wo er als Gesellschafter eines Großhandlungshauses eine neue Thätigkeit begann. Während sich J. ganz seinem neuen Berufe hingab und in demselben die glücklichsten Erfolge erzielte, setzte er seine wissenschaftliche Ausbildung auf das eifrigste fort und erwarb sich im Gebiete der Geschichte, Philosophie, Handelswissenschaft und Statistik umfassende und gründliche Kenntnisse. Zugleich betrat J. das schriftstellerische Gebiet und seine Journalartikel, voll Klarheit, Scharfsinn und Verständigkeit, bildeten in jener Zeit einen wahren Schmuck der Wiener Journale. Fragen, die ihm besonders an’s Herz traten, behandelte er mit aller Eindringlichkeit, namentlich aber fand Alles, was die Verbesserung der Lage seines gedrückten Volkes betraf, an ihm einen lebendigen, überzeugenden, wenn auch nicht immer siegreichen Vertreter. Seine „Gedanken an der Wiege eines Kindes jüdischer Eltern“ tragen ebenso das Gepräge tiefer Empfindung, als edler Einfachheit an sich. Der größte Theil seiner literarischen Arbeiten, über ein halbes Tausend, kritischen, historischen, satyrischen, poetischen Inhalts, von größerem und kleinerem Umfange, befindet sich bald mit seinem Namen, bald anonym oder pseudonym in den „Annalen der österreichischen Literatur“, im „Wiener literarischen Anzeiger“, im „Morgenblatte“ 1816–1820, in der „Eleganten Zeitung“ 1809–1812, in der „Dresdener Abendzeitung“ 1817, in dem Dessau’schen „Sulamith“ 1806–1818, in Hormayr’s „Archiv“ 1812 u. 1813, in der „Wiener Zeitschrift für Kunst und Literatur“ 1817–1820, in Becker’s „Deutschem Anzeiger“, in André’s „Patriotischem Tageblatte“, in Lewald’s „Europa“ und in verschiedenen Taschenbüchern, als in Castelli’s „Huldigung der Frauen“, in der „Ceres“, „Philomele“ u. a. abgedruckt. Mehrere seiner Satyren sind in’s Französische und Polnische übersetzt worden. Sein Plan, mit Bäuerle’s „Theater-Zeitung“ mit Beginn des Jahres 1838 ein unter seiner Leitung stehendes Literaturblatt herauszugeben, kam leider nicht zu Stande. Ebenso unterbrach sein Tod die Ausführung einer österreichischen Literaturgeschichte, zu welcher er seit Jahren eindringliche Studien gemacht und reiche Sammlungen angelegt hatte. Selbstständig hat er herausgegeben: „Die Kuhpocken-Impfung“ (Prag 1804), geschrieben zugleich mit seinem Vater Benedict und unter Leitung des [123] Großvaters Jonas; – „Biographische Skizze des Doctors Jonas Jeitteles“ (ebd. 1806); – „Analecten, Arabesken und Allegorien“ (ebd. 1807); – „Clio, eine Reihe welthistorischer Scenen“ (Wien 1834); – „Aesthetisches Lexikon. Alphabetisches Handbuch zur Theorie der Philosophie des Schönen und der schönen Künste nebst Erklärung der Kunstausdrücke aller ästhetischen Zweige“. 2 Bde. (Wien 1835 und 1837), sein Hauptwerk, welches, wenngleich nicht auf der Höhe der Zeitideen, doch Fleiß und Geschmack und philosophischen Geist beurkundet, noch heute treffliche Dienste leistet und bei seinem Erscheinen mit Recht als das Beste bezeichnet wurde, was in dieser Richtung geschrieben worden. „Sulzer hat angefangen, man baue weiter“, hatte Herder ausgesprochen. „Um zu diesem Fortbau beizutragen, so schreibt J. in seiner Vorrede: war mein Streben aus dem seit der Sulzer’schen Periode vielfach angehäuften, zerstreuten Materiale ästhetisch-scientifischer und realistischer Natur, aus den Lehrbüchern gediegener Aesthetiker und sachreicher Encyklopädisten das Gehörige auszuscheiden; das Beste nach einem festen Principe und mit kritischem Blicke auszuwählen und die Darstellung, fern vom Nebel der Schule, ohne der Würde der Wissenschaft Etwas zu vergeben, klar zu halten.“ Eine zweite verbesserte Auflage seines Werkes, die er im Sinne hatte, wurde durch seinen Tod vereitelt. In seinen letzten Jahren unternahm er eine Reise nach Italien. Die auf derselben gemachten Beobachtungen, deren Ergebniß nicht ein Reisehandbuch, wie solche die Fülle vorhanden, sondern ein Buch für Herz und Verstand bilden sollte, gab ein Jahr nach seinem Tode der ihm herzlich befreundete August Lewald unter dem Titel: „Eine Reise nach Rom“ (Siegen und Wiesbaden 1844, Friedrich, gr. 8°.) heraus. Neben der Achtung, welche die Welt dem gediegenen Charakter des Gelehrten zollte, wurde ihm auch die Auszeichnung, im Jahre 1838 von der Universität in Jena das Diplom eines Doctors der Philosophie zu erhalten. Noch bei seinen Lebzeiten war er mit einer Auswahl seiner theils gedruckten, theils ungedruckten vermischten Aufsatze, welche 3–4 Bände umfassen sollte, beschäftigt. Aber er war damit nicht zu Stande gekommen und Alles, wie auch andere Arbeiten ästhetischen und literarischen Inhalts, befindet sich in seinem reichen ungedruckten Nachlasse.

Dem nach seinem Tode erschienenen Werke: „Eine Reise nach Rom von Ignaz Jeitteles“ (Siegen und Wiesbaden 1844) hat August Lewald eine biographische Skizze von Ignaz J. vorausgeschickt. – Wiener Mittheilungen. Zeitschrift für israelitische Cultur-Zustände. Herausgegeben von Dr. M. Letteris (Wien, 4°.) Jahrg. 1858, Nr. 7, 8. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 628, 741, 796 [Todesnachricht, Nekrolog von Kuranda mit Berichtigung von Castelli]. – Dieselben, III. Jahrg. (1844), S. 1182. – Wanderer (Wiener Unterhaltungsblatt, gr. 4°.) 36. Jahrgang (1848), Nr. 58 [in Meynert’s „Gallerie biographischer Skizzen“, Nr. 6]. – Allgemeine Wiener Musik-Zeitung 1843, Nr. 76 und 77 [gibt irrig das Jahr 1793 statt 1783 als J.’s Geburtsjahr an]. – Allgemeine Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, 4°.) XXXVI. Jahrgang (1843), Nr. 147. – Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden (Leipzig 1833, Brockhaus, gr. 8°.) Bd. II, S. 581 [nach diesem geboren 1784]. – Oesterreichische National-Encyklopädie, herausg. von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 30. – Jüdisches Athenäum. Gallerie berühmter Männer jüd. Abstammung (Grimma und Leipzig 1851, br. 8°.) S. 112 [nach diesem gest. 1845). – Sartori (Franz Dr.), Historisch-ethnographische Uebersicht der wissenschaftlichen Cultur u. s. w. des österreichischen Kaiserthums [124] u. s. w. (Wien 1830, 8°.) S. 341, 342. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) Jahrg. 1845, Bd. I, S. 507. – Oesterreichischer Parnaß, bestiegen von einem heruntergekommenen Antiquar (Frey-Sing [Hamburg, Hoffmann und Campe], 8°.) S. 25 [charakterisirt ihn wie folgt: „Klein und lebhaft – sardonisches Lächeln, spricht sehr besonnen, immer satyrisch – treffender Witz – gewöhnlich boshaft – viel Wissen, aber noch mehr Scharfsinn; kritische Autorität, Titulardoctor der Philosophie“]. – Porträt. Lithographie von Kriehuber. –