BLKÖ:Kablik, Josephine

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kaboga
Band: 10 (1863), ab Seite: 342. (Quelle)
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Kablik, Josephine[BN 1] (Pflanzenforscherin, geb. zu Hohenelbe in Böhmer 9. März 1787). Ihr Vater, David Ettel, war Papierfabrikant in Hohenelbe, wo sie bis zum 12. Jahre im Elternhause, dann aber bei den Ursulinerinen in Prag erzogen wurde. Im Jahre 1806, 19 Jahre alt, heirathete sie den Apotheker in Hohenelbe, Adalbert Kablik, mit dem sie in ungetrübter, jedoch kinderloser Ehe 47 Jahre lebte, bis er am 1. September 1853 starb. Eine schon in der Kindheit erwachte Liebe zu den Blumen erhielt Zweck und Bedeutung, als sie mit ihrem Gatten nach Prag übersiedelte und dort von Dr. W. Mann in der Botanik unterrichtet wurde. Unter Mann’s (gest. 1839 als praktischer Arzt in Böhmisch-Leipa) Anleitung begann sie Pflanzen zu sammeln und ein systematisches Herbar anzulegen. Ihr Mann, selbst Naturfreund, unterstützte sie in ihrem Eifer, sammelte mit ihr, aber nicht bloß Pflanzen, sondern sämmtliche Vögel Böhmens nebst ihren Nestern und Eiern, eine Menge Säugethiere, Amphibien, Fische, Reptilien, Insecten, Conchilien und Mineralien, und gründete ein förmliches Museum, ebenso reichhaltig als ausgezeichnet durch schöne Exemplare. Ihre Pflanzensammlung ward bald eine der bedeutendsten in Böhmen. Mit der Opitz’schen Pflanzentausch-Anstalt in Prag und mit dem botanischen Tauschvereine in Wien trat sie bald in Verkehr; für ersteres Institut wirkte sie bis zum Ende seines Bestehens in uneigennützigster Weise. Indem sie demselben jährlich Dritthalbtausend Pflanzenexemplare einsandte, hatte ihre Forderung an die Anstalt in Folge von Rückstanden und statutenmäßigen Prämien die ungeheure Summe von 250.000 Exemplaren erreicht. Ueberdieß bedachte sie Institute, Museen, Schulen und Vereine auf das Freigebigste mit Pflanzen. Mit zahlreichen Botanikern des In- und Auslandes trat sie in brieflichen Verkehr und förderte das wissenschaftliche Studium der Botanik mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln. Sie bereicherte die Flora Böhmens durch manche Funde interessanter Arten, deren mehrere von Botanikern nach dem Namen der Finderin benannt wurden [vergleiche die Quellen]. Ihrem Lehrer in der Botanik, Dr. W. Mann, lieferte sie zu seiner Inauguralschrift: „Lichenum in Bohemia observatorum diquisito“ (Prag 1825), das Materiale aus dem Riesengebirge. In Dr. J. N. Eiselt’s Abhandlung: „Der Johannesbader Sprudel und dessen Umgebungen“ (Prag 1846), stammt die Beschreibung der Flora des Riesengebirges von ihr. Viele wissenschaftliche Organe der Botanik gedenken ihrer und ihrer Verdienste um die Floren von Oesterreich und Deutschland; die botanische Gesellschaft in Regensburg nahm sie bereits 1841 unter die Zahl ihrer correspondirenden Mitglieder auf, dieser folgten 1851 der naturhistorische Verein „Lotos“ in Prag und 1853 die zoologisch-botanische Gesellschaft in Wien. In ihrer großen Pflanzensammlung bildet die Collection selbstgesammelter und selbstpräparirter Pflanzen aus dem Riesengebirge eine für sich bestehende Abtheilung, einzig in ihrer Art und für jeden das Riesengebirge besuchenden Botaniker von hohem Werthe.

Pluskal (F. S.), Biographie der berühmten, jetzt lebenden Pflanzenforscherin Oesterreichs, Frau Josephine Kablik, Mitglied u. s. w. (Brünn 1849, Franz Gastl, 8°.). – Oesterreichische botanische Zeitschrift (Wien, 8°.) X. Jahrgang (1860) S. 1 und 62. – Porträte. 1) Bei Pluskal’s Biographie, dessen Aehnlichkeit jedoch in Abrede gestellt wird; – 2) nach einem Gemälde lithographirt von E. Kaiser (auch beigelegt der Oesterr. botanischen Zeitschrift). – Nach Frau Kablik benannte [343] Pflanzen. 1) Polytrichum Kablikianum Mann , von ihr im Jahre 1824 an den Ufern der Elbe bei Fuchsberg gesammelt; – 2) Marchantia Kablikiana Corda, von ihr von Steinen des Stadtgrabens in Hohenelbe im Jahre 1830 gesammelt; – 3) Kablikia minima Opitz (in Berchtold und Opitz Oekonomisch-technischer Flora Böhmens, Bd. II, Abthlg. 2, S. 215–218), von ihr im J. 1826 im Riesengebirge gefunden; – 4) Acer Kablikianum Opitz, von ihr 1841 am Fuße des Milschauer Berges aufgefunden; – 5) Lycopodium Kablikianum Tausch – und 6) Lysimachia Kablikiana Opitz, erstere im Riesengebirge, letztere bei Marienbad von ihr im Jahre 1844 gefunden; – 7) endlich Petasites Kablikiana Tausch, von ihr 1845 an den Elbeufern bei St. Peters im Riesengebirge gesammelt.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Kablik, Josephine, Botanikerin [s. d. Bd. X, S. 342], gestorben zu Hohenelbe 21. Juli 1863. In ihrer letztwilligen Anordnung legirte sie unter dem Namen „Josefine Kablik-Stiftung“ eine werthvolle Realität, deren jährliches Erträgniß sie zu je einem Viertheile für acht arme fleißige Schüler und Schülerinen der Hohenelber Schule, für die jedesmaligen Pfründner des Hohenelber Bürgerspitals, für acht Kranke oder sonst arbeitsunfähige Hausarme aus dem Hohenelber Kirchsprengel und endlich für zwanzig der ärmsten und bedürftigsten Gebirgsbewohner bestimmte. Noch gründete sie eine Stiftung von 1000 fl. ö. W. für Studirende der Pharmacie. Ihr allgemeines Pflanzenherbar und die ornithologische Sammlung ihres Gatten vermachte sie dem k. k. Gymnasium zu Gitschin, das Riesengebirgsherbarium aber der Trautenauer Haupt- und Unterrealschule.
    Nekrolog (Prag 1863, Gottl. Haase Söhne, 1 Blatt in gr. 4°.). – Oesterreichische Wochenschrift für Literatur (Beilage der amtlichen Wiener Zeitung) 1863, Nr. 36 (Bd. II), S. 317. [Bd. 11, S. 434.]