BLKÖ:Gastl, Franz de Paula

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Gasteiger, Anton von
Band: 5 (1859), ab Seite: 101. (Quelle)
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Gastl, Franz de Paula (Buchhändler u. Industrieller, geb. zu Brünn 24. Nov. 1798, gest. ebenda 25. Febr. 1855). Sohn des (am 5. Jänner 1814 verstorbenen) Buchhändlers und Buchdruckers Johann Georg G., der sich in Mähren auf dem Gebiete industriöser Gewerbsthätigkeit mannigfache Verdienste erworben hat. Der Sohn Franz, welcher sich in Wien für den Buchhandel gebildet hatte, übernahm 1821 die zum Nachlasse des Vaters gehörige Buchhandlung in Olmütz, welche im J. 1829 von Joh. Neugebauer gekauft wurde. Im October des gen. J. übernahm er von seinem Bruder Johann die Buchhandlung in Brünn und leitete sie durch 17 J., bis sie 1846 durch Kauf an Wimmer, von diesem später an Hauptmann überging. Nunmehr behielt er nur das Buchdruckerei- und Verlagsgeschäft, die Lithographie und Schriftgießerei. Nach allen diesen Richtungen hin entwickelte G. eine energische Thätigkeit und besitzt um das Emporblühen dieses Industriezweiges in Mähren unbestrittene Verdienste. Im J. 1831 begründete G. zu Brünn die erste öffentliche Leihbibliothek in Mähren mit 4000 Bänden, welche im J. 1855 schon über 36000 Bände zählte; auch war sie bis 1848 die einzige im Kronlande Mähren. Die im J. 1824 von seinem Bruder Johann errichtete Steindruckerei und Schriftgießerei kaufte Franz im J. 1836 und brachte dieses Institut zu einer den Erfordernissen der Gegenwart entsprechenden Höhe. Das in der Gastl’schen Druckerei erscheinende Prachtwerk: „Die mährische Landtafel von 1348–1480“ kann den besten Erzeugnissen der Typographie an die Seite gestellt werden. Auch andere werthvolle Druck- und Verlagswerke gingen aus dieser Druckerei hervor, in deren Verlag unter andern die amtliche Brünner Zeitung, die Provinzial.-Gesetzsammlung für Mähren und Schlesien (1819–1848), das Landesgesetz- und Regierungsblatt und mehrere andere periodische Werke erschienen sind und theils noch erscheinen. Franz G. war ein Menschenfreund und Wohlthäter der Armen und lieferte Hunderte von kostspieligen Arbeiten, wenn sie für wohlthätige Zwecke bestimmt waren, unentgeltlich. – Sein Bruder Johann errichtete, nachdem er im J. 1829 an Franz das Druckerei- u. Verlagsgeschäft überlassen hatte, für sich in Brünn eine Großhandlung und verband mit dieser zugleich ein Etablissement für den Wiener Platz. Auch ist Johann der Stiftungsrepräsentant der Freih. v. Rothschild’schen Stiftung einer Aussteuer von 200 fl. für ein unbemitteltes, aus Brünn gebürtiges Mädchen.

Posel Morawsky, d. i. Der mährische Bote. Kalender für das J. 1856. – Die Neuigkeiten (Brünner polit. Blatt, Fol.) 1855, Nr. 57. [102]Oestr. Nat.-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 278. – Frankl (Dr. L. A.), Sonntagsblätter (1843) II. Jahrg. S. 462. – Porträte. 1) des Franz de Paula G. Unterschrift: Franz Gastl, geb. 24. November 1798, gestorben 25. Februar 1855. Artist, lith. Anst. von Reiffenstein u. Rösch in Wien (Holzschnitt mit Farbendrucks 4°.). – 2) von seinem Vater Johann Georg. Unterschrift: Johann Georg Gastl, geb. am 25. Sept. 1766, gest. am 5. Jänner 1814. Blaschke sc. 4°.