BLKÖ:Karpe, Franz Samuel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Karpff, Anton
Band: 11 (1864), ab Seite: 14. (Quelle)
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Karpe, Franz Samuel (philosophischer Schriftsteller, geb. zu Laibach 17. November 1747, gest. zu Wien 1. September 1806). Verlor frühzeitig seinen Vater, und kam nach dessen Tode in das Haus des Grafen Lichtenberg-Ortenegg. Nachdem er die philosophischen Studien beendet, am 26. Juni 1768 die philosophische Doctorwürde erlangt hatte, begann er das Studium der Rechts- und politischen Wissenschaften, wendete sich aber damals bereits mit Vorliebe jenem der Philosophie zu, zu welchem er insbesondere durch die Vorträge des Hofrathes von Martini angeregt wurde. Die Leibnitz-Wolf’sche Philosophie nach den Werken des Alexander Baumgartner und Johann Georg Mayer und der damaligen Eklektiker: Baumeister, Feder, Ulrich, bildeten den Hauptgegenstand seiner Studien, auch ertheilte er nach diesen Quellen Privatunterricht in der Philosophie. Mittlerweile hatte die Aufhebung der Gesellschaft Jesu stattgefunden, und Martini, welcher Studienreferent war, suchte die philosophischen Lehrkanzeln mit weltlichen und vornehmlich solchen Candidaten zu besetzen, welche die Rechte gehört hatten. Sein Augenmerk fiel bald auf Karpe, den er probeweise während des Professors Joseph Mayer Erkrankung suppliren ließ, und als sich nach einem schriftlichen und mündlichen Concurse seine völlige Eignung zum Lehramte kundgab, im October 1774 zum Professor der Philosophie an der Universität zu Olmütz ernannte. In Kurzem wurde K. Beisitzer des akademischen Senates und entfaltete als solcher durch Abschaffung manchen Mißbrauches eine ersprießliche Thätigkeit; 1777 wurde er Director des philosophischen Studiums und Beisitzer der damaligen Provinzial-Studiencommission in Olmütz. Neben seinen philosophischen Vorlesungen hielt er 1778–1782 unentgeltlich Vorträge aus der Erziehungskunde. Als im Jahre 1778 die Universität von Olmütz nach Brünn, freilich nur auf die Dauer von wenigen Jahren (bis 1782), übersetzt worden war, kam K. in gleicher Eigenschaft dahin. Im Jahre 1786 erhielt er die Lehrkanzel der Philosophie an der Wiener Hochschule, wo er 1792–1802 auch als Director der philosophischen Studien thätig war, und auch da manchen Mißbrauch, der sich in der Reihe der Jahre eingeschlichen hatte, beseitigte. Die von Karpe veröffentlichten Schriften sind: „Argumentum tentaminis ex philosophia rationali in conspectu tabellari exhibitum“ (Olmütz, 1776, 8°.); – „Filum tentaminis ex philosophia speculativa“ (Olmütz, 1776, 8°.); – „Darstellung der Philosophie ohne Beinamen in einem Lehrbegriffe als Leitfaden zum liberalen Philosophiren“. 6 Theile (Wien 1802 und 1803, Beck, 8°.); die ersten 3 Theile enthalten die theoretische, die letzten 3 die praktische Philosophie. Der immer schlagfertige Studentenwitz hat aus obigem Titel den Witz der „Philosophie ohne Namen“ gemacht, welcher sich noch bis auf den [15] heutigen Tag als Bezeichnung von etwas Lächerlichen in Studentenkreisen erhalten hat; – „Institutiones philosophiae dogmaticae“. Tomi 3 (Wien 1804, 8°.); – „Institutiones philosophiae moralis“. Tomi 3 (ebd., 8°.). Karpe, der sich einer besonderen Neigung der Studirenden erfreute, die auch aus Dankbarkeit das Bild des geliebten Lehrers in Kupfer hatten stechen lassen, starb im Alter von 59 Jahren.

Neue Annalen der Literatur des österreichischen Kaiserthums (Wien, Ant. Doll, 4°.) I. Jahrg. (1807), Bd. 1, Intelligenzblatt des Monats Februar, Sp. 61. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 155. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bandes 1. Stück, S. 217 [nach diesem geb. 1748]. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Fantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, kl. 8°.) 1. (und einziger) Theil, S. 111 [schreibt über ihn: „Ein eifriger, standhafter und für die gute Sache unerschütterlicher Mann“.]. – Meusel (J. G.), Das gelehrte Teutschland (Lemgo 1783, 8°.) Vierte Aufl., Bd. II, S. 261. – Nach Kayser’s Bücher-Lexikon (Bd. III, S. 307) fällt sein Todestag auf den 19. Sept. 1806. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 707. – Porträt. Unterschrift: Franc. Samuel Karpe, öffentl. ord. Lehrer der Philosophie an der hohen Schule zu Wien, gewidmet von seinen Schülern, Zitterer & Schindelmayer sc. Viennae 1805 (Halb-Fol.).