BLKÖ:Knabl, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Knabl, Richard
Band: 12 (1864), ab Seite: 133. (Quelle)
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Knabl, Joseph (Bildhauer, geb. im Dorfe Fließ des Gerichts Landeck in Tirol 17. Juli 1819). Der Sohn zwar nicht armer aber so mit Kindern gesegneter Landleute, daß sie bei der Erziehung der Letzteren Alles scheuten, was ihnen eine größere Ausgabe zu machen drohte. Ueberdieß war K. in seiner Jugend sehr schwächlich und kränkelnd. Ein in der Heilkunde erfahrener Geistlicher, der Pfarrer Alois Moos, dessen Rath die Eltern betreffs des Knaben öfter einholten, erkannte zuerst das schöne Talent des Knaben, dessen Schnitzarbeiten ihm bei verschiedenen Gelegenheiten gewiesen wurden. Der Knabe, der ohne Anleitung diese Arbeiten vollendet hatte, berechtigte, wenn er einen geregelten Unterricht erhielt, zu schönen Hoffnungen. Der Pfarrer redete nun den Eltern zu, den Knaben für die Kunst ausbilden zu lassen und nach vielem Zureden gelang es ihm, daß die Alten seinen und des Sohnes inständigen Bitten nachgaben. Im Jahre 1834 kam K., damals 15 Jahre alt, zum Bildhauer Franz Renn nach Imst, einem in seinem Fache bewährten Meister, der schon manches Talent in seiner Kunst herangebildet hatte. Zwei Jahre lernte K. bei Renn und begab sich dann, mit den besten Zeugnissen versehen, nach München. Hinter dem in seiner einfachen Tirolertracht auftretenden Jünglinge suchte Niemand das schöne Talent, welches einige Jahre später zur vollen Geltung gelangen sollte. Im Gegentheil erschwerte sie ihm die Unterkunft und erst als ihm ein Landsmann zu einer schulgerechten Bekleidung verhalf, gelang es ihm, eine Empfehlung und in Folge derselben eine Arbeit zu erhalten. Als dieselbe vollendet war und keine neue Bestellung kam, fing die alte Noth von vorne an und der Besuch der Akademie wurde durch die Frage „wovon leben“ bedingt. In dieser Noth gerieth K. auf die Idee, Pfeifenköpfe zu schnitzen. Die Arbeiten gefielen, er fand Abnehmer und so gewann er das Nöthigste für seinen Unterhalt, während die Begeisterung für die Kunst die übrige Noth vergessen half. Bald aber wurde man auf das ungewöhnliche Talent des stillen Pfeifenschnitzers aufmerksam. K. wurde sofort vom Bildhauer Petz aufgefordert, bei ihm in Arbeit zu treten, später kam er in das große Atelier von Seckinger, und endlich erregten seine ungewöhnlich schönen Arbeiten solches Aufsehen, daß sich die Bestellungen von allen Seiten mehrten, jedoch erst seit 1855 konnte K. selbstständig zu arbeiten anfangen, auch erhielt er im genannten Jahre eine Professur an der Modellirschule des Vereins zur Hebung der Gewerbe in München, welche Stellung er aber im Jahre 1858 wieder aufgab. Endlich wurde er im Jahre 1863 zum Professor seines Faches an der kön. Kunstakademie ernannt. Vornehmlich sind es Madonnen und christliche Darstellungen, in welchen K. Vollendetes leistet [134] und an das Schönste erinnert, was ein Martin Schön in dieser Kunstrichtung geleistet. Von Knabl’s zahlreichen Arbeiten seien hier genannt: „Die Krönung Mariä“, im Auftrage des Bischofs von Passau für die Marianische Votivcapelle der dortigen Domkirche; – „Die H. Anna und Maria“, überlebensgroße Statuen, welche in der Münchener allgemeinen Kunstausstellung große Bewunderung erregten. Besonders war es bei der mit so übergroßem Reichthume bekleideten Statue der H. Anna, die Kühnheit der Draperie, welche von Kennern und Laien als einzig in ihrer Art gepriesen wurde, wenngleich Andere das Wagniß des Künstlers in der Ausführung anstaunend den Ausspruch thaten, K. sei in diesem Werke an jene Grenze gelangt, wo, wenn sie überschritten wird, die Caricatur anfängt. Nun aber hat der Künstler diese Grenze nicht überschritten, also fällt jede Besorgniß als überflüssig weg; – eine zweite „Krönung Mariä“, für den neuen Hochaltar der Münchener Frauenkirche, zu welchem die von dem Schnitzwerke unabhängigen Malereien Moriz von Schwind geliefert; dieses Werk wird von Kennern als eines, das bisher nicht seines Gleichen habe, gerühmt; – ein „Christus“ und mehrere Werke für die Kanzel der Kirche in der Au in München; – die „Reliefs“ an der St. Peterskirche ebenda; – ein „Christus, die Schlüsselgewalt übergebend“, mit 12 lebensgroßen Figuren; – die „H. Afra“; – der „H. Ulrich“ und das „Abendmahl“, für Augsburg; – eine „Madonna“ und ein „Stehender Christus“, für England; – die „Geburt Christi“, u. m. a. K. erhielt auf der Münchener Ausstellung den Preis unter jenen Plastikern, welche kirchliche Gegenstände im Anschlusse an die mittelalterliche Darstellungsweise behandeln; in der That findet man auch bei ihm dieselbe Tiefe des Gefühls, dieselbe Naivität der Motive und dieselbe individuell-charakteristische Bestimmtheit des Ausdruckes, aber ohne die Härten und Ecken, ohne die knitterigen Falten und statt dessen die Gestalten mit einem im Studium des Alterthums und der italienischen Meister geläuterten Formensinn durchgebildet.

Echo von den Alpen. Zeitschrift für Literatur, Kunst, Wissenschaft u. s. w. (Innsbruck, 4°.) 1857, Nr. 34: „Der Plastiker Joseph Knabl“. – Volks- und Schützen-Zeitung (Innsbruck, 4°.) 1858, Nr. 22 in der Beilage, und Nr. 106: „Die Tiroler Künstler im Glaspalast“; 1800, Nr. 141: „Landsmann Knabl, Bildhauer in München“; 1863, Nr. 157. – Neue Münchener Zeitung 1859, Abendblatt Nr. 138: „Der neue Hochaltar für die Münchener Frauenkirche“. – Innsbrucker Tageblatt (8°.) VI. Jahrg. (1855), Nr. 37: „Der Plastiker Jos. Knabl. Ein Beitrag zur Volksgeschichte“. – Hausbuch für christliche Unterhaltung (Augsburg 1853 u. f.) Bd. III, in Dr. Brühl’s Aufsatz: „Ueber christliche Kunst und christliche Künstler der Gegenwart“. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1855, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. II, S. 498. – Wiener Zeitung 1860, Nr. 59 Abendblatt [in der Münchener Correspondenz]. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, 4°.) 1858, Nr. 332.