BLKÖ:Kobylica, Lucian

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Koch, Anton Ignaz
Band: 12 (1864), ab Seite: 179. (Quelle)
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Kobylica, Lucian (ruthenischer Bauer). Zeitgenoß. Bäuerlicher Grundwirth aus Ploska, ein Huzule, wie zum Gegensatze der sanfteren, in den westlichen Karpathen lebenden Gouralen die wilden räuberischen Bewohner des westlichen Gebirgsstockes heißen. Er wurde, als die Wahlen für den Reichstag im Jahre 1848 stattfanden, für Wischnitz in der Bukowina in den Reichstag gewählt, in welchem er in Wien seinen Platz auf der linken Seite einnahm. Als nach den October-Ereignissen der Reichstag nach Kremsier übersiedelte, fand sich Kobylica mit mehreren seiner Collegen daselbst nicht mehr ein, sondern war in seine Heimat zurückgekehrt, von wo über sein Verhalten mit einem Male in den Zeitungen die wunderlichsten Gerüchte laut und eine Zeit lang in ängstlichen Gemüthern die Besorgnisse rege wurden, es könnte sich die Geschichte von Horjah [Bd. IX, S. 272] und Klocska [S. 111 d. Bds.], entsetzlichen Andenkens, wiederholen. Ein Bericht aus Czernowitz vom 1. December 1848, welcher in der Zeitung „Zgoda“ abgedruckt war, meldete das Folgende: „Die wichtigste Person, die zur Stunde in der Bukowina weilt, ist L. Kobylica. Von Wien auf Urlaub angekommen, überredete er seine Huzulen, daß er vom Kaiser unumschränkte Macht über die Bukowina erhalten habe, daß [180] sie auf Niemanden zu hören haben, nicht auf die Obrigkeit, nicht auf das Kreisamt, nicht auf das Gubernium, noch sonst auf irgend Jemand, sondern nur auf ihn. Aus allen Dorfschaften seines Wahlbezirkes berief er einige Deputirte nach Wischnitz, worauf sich viele Bauern dort einfanden, denen er wieder einschärfte, daß sie Niemanden, als nur ihm zu gehorchen haben. Als sich mehrere Dorfrichter dessen weigerten, entfernte er die Widerspenstigen von ihrem Posten, setzte an ihre Stelle neue ein, umgab sich mit einer Menge bewaffneten Volkes und trug sein Abgesandten-Zeichen auf einer weißen Binde, welches er vom Kaiser für seine Verdienste erhalten haben will. Die Bauern ehrten ihn wie einen Gott, nannten ihn Imperator, und Kobylica räumte ihnen sofort Rechte auf Wälder und herrschaftliche Gründe ein. Die benachbarten Gutsbesitzer flüchteten vor Schreck vor dem aufgewiegelten Volke in die Stadt.“ Später wieder meldeten andere Blätter aus Czernowitz unter dem 20. April 1849: „In diesen Tagen wurden an zweihundert Bauern aus den ruthenischen Bergen eingebracht, man sagt, es seien Anhänger Kobylica’s und beschuldigt sie, den Aufstand in den Bergen angefacht und die herrschaftlichen Wälder und Gründe stark beschädigt zu haben. Der Schaden, den sie an Holz allein auf fremden Gründen angerichtet, ist ungeheuer groß und beträgt an 200.000 Baumstämme. Auch die Ortsobrigkeit im Vereine mit Militär war nicht im Stande, dieser Verwüstung Einhalt zu thun.“ Lange Zeit konnten die diesem Unfuge zu steuern auf das sorgsamste bedachten Behörden des Kobylica nicht habhaft werden. Unzählige Gerüchte, meist abenteuerlicher Gattung, waren über ihn im Gange. Endlich am 27. Mai 1850 wurde er unter starker militärischer Escorte nach Czernovitz gebracht und dem Kriegsgerichte übergeben. Die „Neue Zeit“, eine bei ihrer damaligen Haltung nicht eben sehr zuverlässige Quelle, wollte bei dieser Gelegenheit erfahren haben, es seien unter den Schriften Kobylica’s mehrere sehr compromittirende aus dem Reichstage (!) gefunden worden. Nach einer längeren mit Kobylica durchgeführten Untersuchung wurde er im Juni 1851 zu einmonatlichem Kerker verurtheilt, woraus klar hervorgeht, daß seine Frevel das Gerücht vergrößert haben, weil ja sonst seine Bestrafung hätte schärfer ausfallen müssen.

Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský i konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850 und 1851, 12°.) Theil II, S. 154.