BLKÖ:Koller, Marian Wolfgang

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 12 (1864), ab Seite: 346. (Quelle)
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Koller, Marian Wolfgang (Naturforscher, geb. zu Feistriz im Wocheiner Thale in Krain am 31. October 1792). Sein Vater war zu Feistriz Verweser der daselbst befindlichen Baron Zois’schen Eisengewerke. Der Sohn erhielt den ersten Unterricht im väterlichen Hause, kam dann auf das Lyceum in Laibach, wo er das Gymnasium und die philosophischen Studien beendete. Im Herbste 1811 begab er sich auf die Universität nach Wien, und widmete sich daselbst naturwissenschaftlichen und mathematischen Studien, zu welchen ihn seine Neigung hinzog. Da er während dieser Zeit das Stift Kremsmünster und seine wissenschaftlichen Institute, an welchen seit Jahrzehnden mathematisch-naturwissenschaftliche Zweige sorgsam gepflegt wurden, kennen lernte, so trat er im Herbste 1816 in das Stift ein. Nach zurückgelegtem Noviciate und beendeten theologischen Studien an der theologischen Lehranstalt in Linz wurde er im Jahre 1821 zum Priester geweiht, und von seinem Stiftsabte als Cooperator in die Seelsorge geschickt; im Jahre 1824 in das Stift zurückberufen, übernahm er an der dortigen philosophischen Lehranstalt mit dem Schuljahre 1825 die Lehrkanzel der Naturgeschichte, zu welcher im Jahre 1826 noch die Lehrkanzel der Physik kam. Im Jahre 1830 übernahm Koller nach dem Tode des Astronomen Schwarzenbrunner mit Beibehaltung der Lehrkanzel der Physik die Leitung der Sternwarte zu Kremsmünster, die er bis zum Jahre 1847 führte. In diese Zeit fällt seine größte wissenschaftliche Thätigkeit, welche sich durch die unten angeführten Arbeiten offenbarte und seinen Ruf begründete. Im Jahre 1848 wurde er von der Lehrkanzel der Physik enthoben, und übernahm als Director der Sternwarte zugleich die Direction des k. k. Convictes und das Prodirectorat der Studienanstalt. Nach dem Tode des Hofrathes Hallaschka wurde Koller nach Wien berufen, wo er als wirklicher k. k. niederösterr. Regierungsrath, Präses der philosophischen Facultät an der Wiener Universität, Director der philosophischen Studien, und Referent des philosophischen und technischen Faches bei der vormaligen Studienhofcommission seine Stellung einnahm, daselbst Directionsrath wurde, nachdem die Commission in das k. k. Cultus- und Unterrichtsministerium umgestaltet wurde, worauf im Jahre 1851 seine Ernennung zum wirklichen Ministerialrathe erfolgte. In dieser Stellung hatte Ministerialrath Koller Gelegenheit, seine durch langjährige Erfahrung gereiften Ansichten zur Geltung zu bringen; er, selbst einer der ausgezeichnetsten Lehrer, wußte und kannte am besten die Mängel des bisherigen Unterrichtssystems; er, der Mann der Wissenschaft, wußte, was den Wissenschaften Noth thue, er griff daher werkthätig ein bei dem großen so wohlthätigen Umschwunge, den das österreichische Unterrichtssystem überhaupt erfuhr; wesentlichen Antheil hat K. an der Organisation der Realschulen Oesterreichs, dieser ersten und sichersten Grundlage für einen gedeihlichen Aufschwung der Industrie Oesterreichs. Bei dieser großen Berufsthätigkeit blieb K. der Wissenschaft treu. So besuchte er selbst Vorlesungen, trat noch im Jahre 1849 als Docent an der Universität auf, indem er über sphärische Astronomie Vorträge hielt, die sich durch Schärfe, Eleganz und Klarheit auszeichneten, und ist auch als wirkliches Mitglied [347] der kais. Akademie der Wissenschaften thätig. Seine wissenschaftlichen Arbeiten, welche Astronomie, Meteorologie und Erdmagnetismus umfassen, sind: in den Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften mathem. naturwissenschaftl. Classe: „Ueber die Berechnung periodischer Naturerscheinungen“ (Bd. I, Jahrg. 1850); – in den Annalen der Wiener Sternwarte: „Sternschnuppenbeobachtungen im Jahre 1839“ (Jahrg. XX); – im Jahrbuch des oberösterreichischen Museal-Vereins Francisco-Carolinum zu Linz: „Meteorologische Beobachtungen zu Kremsmünster im Jahre 1839 und 1840“ (Jahrg. 1840 und 1841); – „Beiträge zu Ortsbestimmungen“ (ebd.); – „Bericht über die meteorologischen und magnetischen Bestimmungen zu Kremsmünster im Jahre 1842“ (ebd. 1843); – „Ueber den Gang der Wärme, ausvieljährigen Beobachtungen daselbst“ (ebd. 1841); – „Ueber die Feuchtigkeitsverhältnisse der Luft, aus zehnjährigen Beobachtungen daselbst“ (ebd. 1843). Ueberdieß enthalten Schumacher’s „Astronomische Nachrichten“ (Bd. VIII–XX), Lamont’s „Annalen für Meteorologie und Erdmagnetismus“ und Gauß und Weber’s „Resultate aus den Beobachtungen desmagnetischen Vereins“ noch andere Arbeiten Koller’s astronomischen, meteorologischen und magnetischen Inhalts. Koller zählt, wie Meynert schreibt, ebenso auf dem Gebiete der Wissenschaft, und zwar sowohl was theoretische als praktische Arbeiten betrifft, wie auf dem Gebiete des Staatslebens durch Geschäftskenntniß, Gewandtheit und namentlich durch seine einflußreiche Mitwirkung bei der Organisation der gewerblichen Unterrichtsanstalten Oesterreichs zu den Koryphäen des Kaiserstaates. Priester, Gelehrter und Staatsmann zugleich, bewies er sich stets bei seinem Wirken als Mensch im edelsten Sinne des Wortes; ist Humanität die Triebfeder seines Handelns, die Fortbildung derselben das Ziel seines Strebens. K. ist auch eine Zierde unter den Capitularen des uralten Stiftes Kremsmünster, dieses Hortes der Wissenschaft seit seinem Bestande, aus dem bereits so viele tüchtige Männer hervorgegangen, welches noch gegenwärtig einen reichen Kranz von Förderern der Wissenschaft besitzt und in welchem talentvolle Zöglinge für das Leben tüchtig gebildet wurden, zu einer Zeit, da unser Unterrichtswesen noch tief im Argen lag. Koller ist Mitglied mehrerer gelehrten Vereine, seit 1848 wirkliches Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften. Von Sr. Majestät aber ist K. für seine Verdienste mit dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens ausgezeichnet worden.

Die Jetztzeit. Herausgegeben von Dr. Herrn Meynert (Wien, gr. 8°.) Jahrgang 1855, Nr. 47. – Oesterreichischer Kalender. Herausgegeben von J. Auspitz (Brünn, Rohrer, gr. 8°.) II. Jahrg. (1856), S. 62. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Sp. 1302 [hier wird sein Geburtsort irrthümlich Bistriz statt Feistriz genannt; die also zu Ende der Skizze mitgetheilte Variante ist die richtige]. – Hagn (Theodorich), Das Wirken der Benedictiner-Abtei Kremsmünster für Wissenschaft, Kunst und Jugendbildung (Linz 1848, Haslinger, 8°.) S. 91, 96, 226, 230, 278, 279 und 308. – Kleines biographisches Lexikon, enthaltend Lebensskizzen hervorragender, um die Kirche verdienter Männer (Znaim 1862, F. M. Lenck, 8°.) S. 177 [läßt ihn auch in einem nach Illyrien versetzten Bistriz statt in Feistriz geboren sein]. – Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namens: Dr. Marian Koller. Dauthage 1853, n. d. Natur gez. und lith., gedruckt bei J. Höfelich’s Wtwe. (Wien, bei Jos. Bermann, Halbfolio) [treffliches Porträt].