BLKÖ:Kollonitz, Maximilian Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kollmeyer, Joseph
Band: 12 (1864), ab Seite: 356. (Quelle)
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Kollonitz, Maximilian Graf (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. 14. September 1761, gest. zu Obersiebenbrunn 4. März 1827). Sohn aus der zweiten Ehe des Ladislaus Grafen K., gebornen Freiherrn von Zay [vergleiche das Nähere über diese Adoption in der Genealogie S. 357], mit Walburga Josepha Gräfin von Hamilton, und Stiefbruder des Ladislaus Grafen K., Erzbischofs von Kolocsa [s. d. S. 361, Nr. 11], und des Grafen Karl [s. d. S. 360, Nr. 9]. So lange sein Vater Ladislaus lebte, konnte Graf Max seinen Wunsch, Soldat zu werden, nicht verwirklichen; als aber der Vater im Jahre 1780 starb, stand den Wünschen des Sohnes nichts mehr im Wege und er trat als Ex propriis Gemeiner in das 1. Chevaux-legers Regiment. Im Türkenkriege war er bereits Rittmeister bei Wurmser-Huszaren und erkämpfte sich als solcher am 22. October 1789 bei Lesznica in Serbien das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens durch folgende Waffenthat. Nach dem Falle von Belgrad war General-Major Csernel beordert worden, in das Innere Serbiens vorzudringen. In Vallievo aufgestellt, wollte er von da aus die an der Drino postirten Türken vertreiben, welche durch ihre Stellung zwischen Lesznica und Losnica das Vorrücken der Unseren sehr erschwerten. Oberst Davidovich, der ein Bataillon Brooder, ein Bataillon Peterwardeiner und zwei Escadronen Wurmser-Huszaren befehligte, überschritt am 20. October die Save, kam am folgen Tage bis zum Dorfe Pernjavor und am 22. durchschritt er das vom Feinde bereits geräumte Lesznica. Da dichtes Gebüsch jede Aussicht verwehrte, so erblickte die Colonne, die übrigens in der durchschnittenen Gegend im Reihenmarsche vorwärts drang, den Feind erst, als sie ihm schon sehr nahe war. An ein Vordringen war nicht mehr zu denken, und da der Gegner bedeutend stärker war und kampffertig dastand, so wurde Davidovich’s Lage sehr bedenklich. Die Scharfschützen und eine halbe Schwadron Huszaren dem bereits auf einen Angriff harrenden Feinde entgegensendend, wollte Davidovich vor der Hand nur Zeit gewinnen, um seine Truppen aufmarschiren zu lassen und sich kampffertig zu stellen. Die Huszaren – diese führte Rittmeister Kollonitz – griffen herzhaft an; aber die Uebermacht des Gegners war zu groß, sie wurden zurückgeworfen, drängten im Rückzuge auf das hinter ihnen aufgestellte Fußvolk, welches nunmehr auch in Unordnung gerieth und die ganze Situation noch stärker gefährdete. In diesem bedenklichen Augenblicke sprengte Kollonitz vor seine Huszaren, und mit dem Zurufe: „Seid ihr Wurmser-Huszaren, so folgt mir nach!“ führte er sie zu neuem Angriffe gegen den übermächtigen Gegner. Dieser, in seiner ordnungslosen Verfolgung der Unserigen durch die Huszaren unterbrochen, mußte sich nun selbst stellen, fand einen heftigen Gegner, verlor bald wieder die erst genommene Kanone, und mußte endlich selbst im Rückzuge sein Heil suchen. Während dieser Attaque hatte unsere Infanterie Zeit gehabt, ihre ordentliche Aufstellung zu nehmen; jedoch schien der Feind keine weitere Lust zu haben, [357] den Kampf fortzusetzen, denn er verließ die Gegend. In der ersten Promotion, welche nach dem beendigten Türkenkriege (19. December 1790) stattfand, und in welcher 4 Groß- und 56 Ritterkreuze in das Capitel aufgenommen wurden, fand K. den Lohn für seine Waffenthat; noch früher aber, im Februar d. J., war er zum Major befördert worden, kam mit seiner Division nach Luxemburg und gab im Gefechte bei Assesse an der Maas, im Treffen bei Florenne (23. Mai 1792) und in der Schlacht bei Aldenhoven neue Proben seiner Tapferkeit. Im Februar 1794 zum Oberstlieutenant bei Blankenstein-Huszaren, 1797 zum Obersten bei Lothringen-Kürassieren ernannt, stand er ununterbrochen bei der Armee, in Deutschland und zeichnete sich mit dem Regimente in der Schlacht bei Würzburg (3. September 1796) aus. Im Jahre 1800 zum General-Major und Brigadier in Ungarn ernannt, wurde er 1803 Premierlieutenant bei der ungarischen Garde, rückte in dieser Anstellung 1809 zum Feldmarschall-Lieutenant vor und blieb in derselben bis zu seinem im Alter von 66 Jahren erfolgten Tode. Der Graf war mit Karolina Gräfin Haugwitz vermält, aus welcher Ehe das gegenwärtige Haupt der Familie, Graf Maximilian, entstammt, dessen einziger Sohn Graf Ladislaus (geb. 1833) am 31. Jänner 1863 in der Vollkraft seiner Jahre zu Wien starb, und aus seiner Ehe mit Adalberta Gräfin Podstatzky-Liechtenstein nur drei Töchter hinterließ, so daß der Mannsstamm des Grafengeschlechtes Kollonitz im Erlöschen ist. Einer alten Bestimmung zufolge soll nach dem Aussterben des Hauses das Wiener Erzbisthum die Erbschaft des bedeutenden Familienvermögens antreten.

Wißgrill (Franz Karl), Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels vom Herren- und Ritter-Stande (Wien 1804, 4°.) Bd. V, S. 201. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 316 und 1734. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon von Hirtenfeld (Wien 1850 u. f., gr. 8°.) Bd. III, S. 580. – Waldheim’s Illustrirte Zeitung (Wien, Fol.) 1863, Nr. 59, S. 703, Rubrik: Todesfälle.