BLKÖ:Kulnek, Andreas Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 13 (1865), ab Seite: 362. (Quelle)
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Kulnek, Andreas Ritter von (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Komorn im Jahre 1732, gest. 11. März 1790). Sohn adeliger Eltern. Trat im Jahre 1751, 19 Jahre alt, in das Warasdiner Huszaren-Corps. Bereits im siebenjährigen Kriege galt er als ein unerschrockener und unternehmender Officier, und Feldmarschall Daun bediente sich seiner bei wichtigen und gefahrvollen Anlässen. So wählte er ihn, wenn es galt zwischen der kaiserlichen und russischen Armee, deren Communication durch die feindliche Aufstellung abgeschnitten war, wichtige Depeschen zu befördern. Bei einer derselben kam er auf dem Rückwege in große Gefahr. Von der ihn begleitenden Mannschaft war bereits ein Reiter gefangen, sein Pferd und das eines zweiten seiner Leute erschossen und ihm der Feind auf der Ferse. Da gelang es K., sich noch rechtzeitig in die Sümpfe zu verbergen, welche das landeinwärts dringende und sich stauende Wasser der Oder in jener Gegend bildete. Zwei Stunden lag K. versteckt, dann durchschwamm er die Oder und machte sich zu Fuß auf, das Hauptquartier des Feldmarschalls Daun aufzusuchen. dem er nun glücklich die Depeschen aus dem russischen Lager überbrachte. Später erhielt K. den Auftrag, den Marsch des Markgrafen Karl zu [363] recognosciren. Als Huszaren-Corporal verkleidet, löste K. seine Aufgabe. Er wurde zwar gefangen, befreite sich aber noch am nämlichen Tage und brachte die verläßlichsten Nachrichten über die Bewegungen des Feindes in unser Hauptquartier. Bald darauf zu ähnlichem Zwecke in die Niederlausitz entsendet, löste er auch dieses Mal trefflich seine Aufgabe. Im Jahre 1762 war er bereits Rittmeister und zeichnete sich als solcher am 258. Juni g. J. im Gefechte bei Horne aus. Im Jahre 1776 rückte K. zum Major vor. Im bayerischen Erbfolgekriege, 1778–1779, gab K. zu wiederholten Malen neue Proben seines bewährten Muthes. Im Gefechte bei Mönchswalde, 1778, brachte er die Sachsen zum Weichen; im October d. J. brachte er bei Zittau eine große Contribution ein; besonders that er sich aber im Türkenkriege 1788 und 1789 hervor. Schon im Feldzuge des Jahres 1788 befehligte er als Oberst das Ottočaner Grenz-Regiment, im folgenden Jahre aber übernahm er die Brigade des Generals Baron Wallisch. Als am 27. Mai g. J. das Liccaner Grenz-Regiment von den Türken mit Uebermacht angegriffen wurde, eilte er mit einem Ottočaner Feld-Bataillon und einem Theile der Landesvertheidigungs-Division den Bedrängten zu Hilfe und schlug neun Angriffe der Türken auf unsere Schanze mit Erfolg zurück. Die Türken, 10.000 Mann stark, waren unserer Besatzung weit überlegen; aber K. traf so gute Anordnungen und leitete überall mit solchem Erfolge die Vertheidigungsmaßregeln, daß die Türken endlich unverrichteter Dinge abzogen. Als am folgenden Tage unsere auf dem Rückzuge begriffenen Truppen von den Türken angegriffen wurden, nahm K. auf dem Berge Oblay Angesichts des Feindes eine vortheilhafte Stellung. Als nach glücklichem Ausgange dieses Feldzuges auf Befehl des Kaisers Leopold II. unter Vorsitz des Erzherzogs Franz, der bei Belgrad Proben seines Muthes gegeben, und des Feldmarschalls Daun, ein Capitel auf den 21. December 1789 zusammen trat, erhielt K. in demselben das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens und wurde zugleich zum General-Major befördert. Aber nicht lange genoß der Held diese verdienten Auszeichnungen; denn schon im folgenden Jahre erlag er seinen mehrfachen Blessuren.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 265 u. 1733.