BLKÖ:Lang, Joseph Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 84. (Quelle)
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Lang, Joseph Freiherr von (k. k. Platzoberst in Wien, geb. zu Wien im Jahre 1765, gest. ebenda 18. September 1827). Er ist ein Neffe des Hofrathes Johann Baptist Freiherrn von Lang [s. d. S. 93, Nr. 5]. Die militärische Ausbildung erhielt er in der Wiener-Neustädter Akademie, aus welcher er im Jahre 1784 als Fähnrich zu Erzherzog Karl von Toscana-Infanterie-Regiment Nr. 3 ausgemustert wurde. Bis zum Jahre 1793 machte L. alle Rangstufen bis zum Hauptmann durch, focht in den Feldzügen gegen die Türken und bis [85] 1795 gegen die Franzosen. Schon bei Belgrad, 1789, hatte er sich hervorgethan. Als am 30. September g. J. die Bestürmung der Vorstädte stattfand, vollführte L. mit sehr geringer Mannschaft einen Auftrag, wodurch der Feind gehindert ward, einem Theile der stürmenden Truppen in den Rücken zu fallen; wäre dieß geschehen, so hätte die Unternehmung der Unseren leicht vereitelt oder doch sehr erschwert werden können. Bei dieser Gelegenheit erhielt L. eine tödtliche Schußwunde in den Kopf und verlor sein rechtes Auge. Im Jahre 1790 beauftragte ihn Feldmarschall Loudon mit der Errichtung eines Stabs-Infanterie-Regiments, welches er von wenigen hundert Mann innerhalb vier Monaten auf die Höhe von viertausend gebracht und marschfertig gemacht hatte. Im Jahre 1793 stand L. mit dem Regimente im Elsäßischen. Am 22. November g. J. vertheidigte er eine zwischen Kielstätt und Pettenkofen mit einer Batterie versehene Brücke durch mehrere Stunden. Als der Artillerie die Munition ausgegangen war und diese zum Rückzuge Anstalten machte, war es L., der die Ausführung dieses Vorhabens entschieden hinderte und so lange Stand hielt, bis frische Kugeln und Munition nachkam. So hatten L.’s Geistesgegenwart und Standhaftigkeit diese wichtige Brücke gehalten, was für die ferneren Bewegungen der Unseren entscheidend war. Noch zeichnete er sich am 6. November 1796 im Treffen an der Brenta aus. Die Wirkungen seiner Kopfwunde machten ihm jedoch das Fortdienen im activen Dienste unmöglich. L. kam nun auf Ansuchen des Feldzeugmeisters Grafen Kinsky [Bd. XI, S. 290] in die Wiener-Neustädter Militär-Akademie, wo er 14 Jahre mit der Bildung der Jugend beschäftigt war. Im Jahre 1809, kurz vor Ausbruch des Krieges mit Frankreich, wurde er, der bereits in der Akademie zum Oberstlieutenant vorgerückt war, bei dem Platzcommando in Wien zur Aushilfe dem alternden Platzobersten Niemann zugetheilt. In der kritischen Epoche des Jahres 1809, als Wien von den Franzosen eingeschlossen und beschossen wurde, fiel auf ihn die Wahl als Parlamentär. Als solcher ging er unter den Schüssen des Feindes, der, obgleich er den Parlamentär nahen sah, das Feuer nicht eingestellt hatte, bis an die Vorposten, den Commandanten derselben von seinem Vorhaben unterrichtend. Nun bekam er Gelegenheit zu erfahren, wie diese ritterliche Nation Kriegssitte in Ehren hielt. Obgleich L. sich als Parlamentär documentirt hatte, wurden er und seine Begleiter als Kriegsgefangene erklärt und sofort nach Landshut abgeführt, wo sie erst nach viermonatlicher Haft entlassen wurden. Im Jahre 1811, nach des Platzobersten Niemann Tode, wurde L. sein Nachfolger auf dem Posten und bekleidete denselben in der denkwürdigen Epoche des Wiener Congresses. Er diente bis an seinen Tod; schon im Jahre 1817 wurde er für seine Verdienste vor dem Feinde und als militärischer Lehrer dadurch ausgezeichnet, daß der Freiherrnstand von seinem Oheim Johann Baptist Freiherr von L., der keinen männlichen Leibeserben besaß, auf ihn übertragen wurde.

Freiherrnstands-Diplom vom 6. März 1817. – Leitner von Leitnertreu (Th. Ign.), Ausführliche Geschichte der Wiener-Neustädter Militär-Akademie (Hermannstadt 1852, Steinhauser, 8°.) Bd. I, S. 452. – Wappen. Gevierteter Schild. 1 und 4: in Schwarz über einem schrägrechts liegenden silbernen Flügel ein Strom, der mit einem Kometen belegt ist; 2 und 3: in Silber ein schwarzer Drache. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich drei gekrönte Turnierhelme erheben. Auf der Krone des [86] mittleren in’s Visir gestellten Helms steht ein goldgekrönter schwarzer Doppeladler mit ausgebreiteten Flügeln. Aus den Kronen der beiden äußeren zueinandergekehrten Helme wachsen drei wallende Straußenfedern, eine silberne zwischen zwei schwarzen, hervor. Die Helmdecken der zwei äußeren Helme sind schwarz mit Silber; jene des mittleren schwarz mit Gold belegt. Die Schildhalter sind zu beiden Seiten aufrechtstehende goldene Löwen, welche mit beiden Vorderpranken den Schild anfassen.