BLKÖ:Liechtenstein, Heinrich (I.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 125. (Quelle)
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25. Heinrich (I.), ein Sohn Ditmar’s (S. 121, Nr. 11] und ein Bruder des Sangeshelden Ulrich [S. 135, Nr. 58] Einer der tapfersten Kriegshelden seiner Zeit und seines Hauses. Im Jahre 1245 schickte ihn der österreichische Herzog Friedrich II. dem deutschen Ritterorden in Preußen wider Swatopluk von Pommern zu Hilfe, den er auch in die Flucht schlug. Es wird hier auf die herrliche Schilderung dieses Kampfes in Hormayr’s „Taschenbuch“ (1822, S. 47 bis 50) ausdrücklich hingewiesen. Als im Jahre 1246 Friedrich II., der letzte Herzog von Oesterreich und Steiermark aus dem Hause Babenberg, ohne Erben starb, hielt Heinrich von L. mit den ersten des Landes einen Tag zu Trübensee, um über einen Nachfolger in diesen Landen zu berathen, worauf sie sich einigten, einen der Söhne von Friedrich’s jüngerer Schwester Constantia, die an Heinrich den Erlauchten von Meissen, vermält war, zum Herrn zu wählen und ihn zu holen. Mit Friedrich Schenk von Hausbach und den Aebten Philipp von den Schotten in Wien und Ditmar von Klosterneuburg, zog Heinrich aus, den künftigen Gebieter zu holen, und die Gesandtschaft nahm ihren Weg über Prag, wo König Wenzel sich aufhielt und kein Mittel unversucht ließ, die Boten anderen Sinnes zu machen. Und gelungen war es ihm. Die Gesandtschaft zog nicht nach Meissen, sondern kehrte nach Wien zurück und der 22jährige Przemysl Ottocar wurde den Oesterreichern zum Landesherrn empfohlen, von diesen angenommen und in Folge dessen Gemal von Friedrich’s des Streitbaren ältester Schwester der damals 46jährigen Margaretha. Dieß Alles war vornehmlich das Werk Heinrich’s von L., dem sich nun auch vollends Ottocar’s Huld zuwendete. Dieser verlieh ihm in Anerkennung der ihm und seinem Vater geleisteten Dienste, den Ort Nikolsburg mit vielen anderen Dörfern. Die an diese Verleihung geknüpfte Bedingung, daß die Brüder Hermann und Wilhelm von Dürnholz auf ihre Rechte auf Nikolsburg Verzicht leisten, erfolgte urkundlich schon wenige Monate nach der Verleihung. Seither schreiben sich die Liechtenstein auch Herrn von Nikolsburg. Heinrich focht nun in den zahlreichen Kämpfen des mittlerweile zum Könige gekrönten Przemysl Ottocar, und zwar wider die heidnischen Preußen, wider die Bayernherzoge gen Mühldorf, wider den König Bela in der Schlacht bei Kroissenbrunn, durch deren Sieg Ottocar in den Besitz der Steiermark gelangte. Als sich später Ottocar’s Stern verdunkelte und seiner Gewaltthaten wegen sich alle von ihm abwandten, da stand auch Heinrich von L. mit seinem Neffen Otto an der Spitze des österreichischen und steierischen Adels zu Rudolph, mit dem er in der Marchfeldschlacht gegen Ottocar kämpfte. Da war es Heinrich von L., der das Banner von Oesterreich aus den Händen des fast hundertjährigen Conrad von Haslau, als dieser zusammenbrach, erfaßte, es hoch schwang und mit demselben, von den Seinen und von dem Markgrafen von Hochberg mit dem Reichsadler gefolgt, mitten in die Feindeshaufen mit dem Rufe sprengte: „Die Feinde fliehen“; die darob bestürzten Böhmen begannen jetzt erst zu fliehen und Ottocar verlor die Marchfeldschlacht und mit ihr Reich und Leben. Die Liechtensteinischen Heldenthaten in der Schlacht an der Leitha und in der Marchfeldschlacht sind von zwei österreichischen Poeten, erstere von Johann Langer, poetisch verherrlicht worden. [Oesterreichische Adelshalle (Wien 1842), S. 170 u. f. – Hormayr’s Taschenbuch für die vaterländische Geschichte (München, Georg Franz). Neue Folge, III. Jahrg. (1832), S. 117, im Aufsatze: „Baierische Reisende aus der Vorzeit“.] –